Stimmkreis Weilheim

Landtagskandidat Andreas Krahl (Grüne) im Porträt: „Laute und starke Stimme“ für Pflegekräfte

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Sogar handwerklich begabt: Der Landtagsabgeordnete Andreas Krahl neben einem Vogelhaus in seinem Garten, das er selbst gebaut hat.
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In einer Serie zur Landtagswahl stellen wir alle Direktkandidaten aus dem Stimmkreis Weilheim vor. Heute: Andreas Krahl von Bündnis 90/Die Grünen.

Landkreis – Nervosität vor Reden? Kannte Andreas Krahl lange nicht. „Ich habe schon zu Schulzeiten tausend Mal lieber ein Referat gehalten als einen Aufsatz geschrieben“, sagt der 34-Jährige. Zwei Mal aber, da war ihm doch etwas mulmig, vor anderen zu sprechen: Bei der Aufstellungsversammlung vor seiner ersten Kandidatur für den Landtag – und dann vor seiner ersten Rede als Abgeordneter. Krahl zog 2018 für Bündnis 90/Die Grünen über die Liste in Bayerns Parlament ein. Und ist dort alles andere als ein unauffälliger Neuling gewesen. Krahl meldete sich laut Statistik des Landtags in 45 der 149 Plenarsitzungen zu Wort, mal mit Zwischenbemerkungen, oft aber auch als Redner – längst wieder ganz ohne Nervosität.

„Das war keine normale Legislatur“, sagt er zurückblickend. „Eigentlich braucht man eine, um sich einzuarbeiten. Doch dann ging Corona los.“ Krahl war als Ansprechpartner gefragt. Als gelernter Gesundheits- und Krankenpfleger, der obendrein als Rettungssanitäter arbeitet, kennt er sich im Gesundheitswesen aus. Und hatte sich auch gleich im Parlament auf passende Themen konzentriert. Krahl sitzt im Ausschuss für Gesundheit und Pflege, äußert sich vor allem zu Anträgen rund um Medizin, Pflege, Rettungsdienst und Senioren. „Ich bin auch nie wegen der Umwelt zu den Grünen gegangen“, gibt er unumwunden zu, wenngleich ihm der Schutz dieser auch am Herzen liegt. Aufmerksam auf die Partei wurde er aber einst, weil sie sich schon seit Jahren für die Einrichtung einer Pflegekammer in Bayern einsetzt – solche Kammern gibt es bereits unter anderem für Ärzte und Psychologen. Sie geben den Mitgliedern eines Berufszweiges eine lautere Stimme.

Landtagskandidat Andreas Krahl im Porträt: Vier Wochen im Jahr „einfach Andi“

Während der Corona-Pandemie rückten gesundheitspolitische Themen in den Fokus – Krahls Steckenpferd. Er tauschte sich mit vielen anderen Abgeordneten aus. „Ich habe in alle Parteien hinein gute Kontakte. Außer in eine.“ Und die heißt AfD. „Da würde ich eine Zusammenarbeit ablehnen. Aber es gab auch keine Anfrage.“

Krahl legt Wert darauf, sich treu zu bleiben. „Ich bin noch der Gleiche“, betont er. Sollten seine Freunde ihm da jemals widersprechen, „muss ich mit Politik aufhören“. Klingt ein bisschen abgedroschen. Betrachtet man aber, wie es für Krahl nach der Wahl weiterging, versteht man, was er meint. Ein Jahr lang konzentrierte er sich komplett auf sein neues Amt, begann dann aber bereits wieder, nebenbei im Rettungsdienst in München zu arbeiten. Schließlich übernahm er eine 20-Prozent-Stelle im Klinikum Garmisch-Partenkirchen. Krahl ist obendrein 2021 zum Vizepräsidenten des Bayerischen Roten Kreuzes gewählt worden. Dass er vor seiner Ausbildung zum Pfleger bereits eine zum Bankkaufmann absolviert hatte, hilft ihm dabei. „Es ist schon gut, wenn man eine Bilanz lesen kann.“

Der Tag von Krahl ist entsprechend vollgepackt. Für die geliebten Bergtouren bleibt kaum noch Zeit, wohl aber für seine Bienenvölker. Und einmal im Jahr, da lässt Krahl seine Wahlheimat Oberbayern – er wuchs im niederbayerischen Freyung als Sohn eines Landwirts auf – hinter sich. Dann packt er bei Rettungseinsätzen im Mittelmeer mit an, half zuletzt über Weihnachten als Sanitäter auf der Sea-Eye – in der Zeit wurden 108 Menschen vor dem Ertrinken gerettet. „Es ist psychisch und körperlich schon belastend“, sagt er über den Einsatz. Und doch sei er erfüllend. Weil er auf dem Schiff abschalten kann vom Alltag. „Da bin ich vier Wochen im Jahr einfach nur der Andi.“ Und kann dabei Menschen in größter Not helfen – ganz direkt.

„Die Mühlen im bayerischen Landtag mahlen furchtbar langsam“

In der Politik hingegen, „muss ich viel reden. Die Mühlen im bayerischen Landtag mahlen furchtbar langsam“. Vor allem, wenn man in der Opposition sitzt. Erreicht hat er in seiner ersten Legislaturperiode trotzdem etwas, sagt Krahl. Besonders stolz ist er auf den Meisterbonus, den seit Kurzem auch Pflegekräfte erhalten können. Auf dem Antrag „war von Anfang an mein Name drauf und meine Unterschrift drunter“. Zudem sieht sich Krahl als „eine sehr laute und starke Stimme für nicht-ärztliches Personal“.

Die will Krahl weiter sein. Die Chancen stehen gut. Zwar dürfte es als Direktkandidat schwer werden. Doch mit Listenplatz acht bei den Grünen, für deren Fraktion er Sprecher für Pflege- und Seniorenpolitik ist, sieht es nach einer zweiten Amtsperiode für den Murnauer aus. Die kann er sich durchaus in der Regierung vorstellen – auch, wenn Markus Söder eine Zusammenarbeit mit den Grünen ausschließt. Typischer Wahlkampfmodus, da hält Krahl einiges aus. Eine Aussage aber nimmt er dem Ministerpräsidenten übel: Nämlich, dass Grüne nicht zu Bayern passen. Er könne ja inhaltlich anderer Meinung sein, sagt Krahl über Söder, „aber dass er Menschen, die sich für das Gemeinwesen engagieren, nur deshalb das Recht abspricht, zu Bayern zu gehören, weil sie eine andere politische Meinung haben – das geht nicht“.

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