Unterstützung auch im Tölzer Land

Landwirte demonstrieren in Berlin: „So geht das Höfesterben immer weiter“

+
Tausende Bauern gingen in Berlin auf die Straße.
  • schließen

Die demonstrierenden Landwirte in Berlin haben auch im Tölzer Land Rückendeckung von ihren Berufskollegen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Ihrem Unmut über die Agrarpolitik haben am Dienstag tausende Bauern aus ganz Deutschland bei einer Demonstration in Berlin Luft gemacht. Peter Fichtner, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), und Hans Falter, Kreisvorsitzender des Bunds Deutscher Milchviehhalter (BDM), haben auch schon an solchen Demos teilgenommen. Diesmal waren sie zwar nur gedanklich mit dabei. Doch sie zeigen aus der Ferne volle Unterstützung für den Protest ihrer Berufskollegen.

Unter anderem wehren sich die Landwirte gegen schärfere Vorschriften fürs Düngen. Hier könnten sich die Bauern im Landkreis auf den ersten Blick zurücklehnen, denn die Beschränkungen beim Ausbringen für Gülle gelten nur in Gebieten mit hoher Nitratbelastung im Boden. Das ist in den Landkreisen Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen nicht der Fall, wie Fichtner erklärt.

Trotzdem hadern laut Fichtner auch hiesige Landwirte mit strengeren Düngevorschriften. So sei ab 2025 die „bodennahe Ausbringung“ vorgeschrieben, um die Ammoniakausdünstung zu reduzieren. Das gehe aber nur mit einem speziellen Fass mit passender Technik. Eines davon koste 80 000 bis 100 000 Euro. „Für den einzelnen Betrieb ist das kaum zu stemmen, das geht nur überbetrieblich“, sagt Fichtner. Derzeit gebe es im Isarwinkel ein solches Fass, das einer Güllegemeinschaft mit 10 bis 14 Mitgliedern gehöre. „Doch je mehr dabei sind, desto schwieriger wird es, dass es dem Einzelnen zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung steht.“

Ein weiteres Problem sei, dass ein Gespann mit dem Spezialfass 20 bis 25 Tonnen wiege. „Auf einer ebenen Fläche mag das vertretbar sein“, sagt der Bauer aus Bad Heilbrunn. „Aber in Hanglagen fahren wir damit den Grund im wahrsten Sinn in Grund und Boden.“

Solche Vorschriften sind für Fichtner ein Beispiel dafür, dass in den zuständigen Behörden und bei Entscheidungsträgern die nötige Sach- und Fachkenntnis fehle. „Und die Politik sagt: Vogel friss oder stirb!“

Lesen Sie auch: „Lebensbedrohende Situation“ - Taxifahrer wirft Jugendliche nachts aus Auto

Ebenfalls kompliziert, schlecht durchdacht und teuer in der Umsetzung – gerade für kleinere Betriebe – seien die Vorschriften zur Abdichtung der Güllegruben mittels Folie. Zum Thema Insektenschutz sagt Fichtner: „Wir tun so, als könnten wir daheim vor der Tür die Welt retten – und schließen gleichzeitig ein Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten ab, das zur weiteren Zerstörung des Regenwalds führt.“ Das sei „scheinheilig“ von der Politik. Und der Verbraucher müsse sich fragen lassen: „Was erwarten Sie von der Landwirtschaft, und was sind Sie bereit, dafür zu zahlen?“

Auch Hans Falter betrachtet die internationalen Handelszusammenhänge sehr kritisch. „Herr Trump sagt, die EU muss mehr Soja aus den USA importieren – und das meiste davon wird dann an unsere Rinder, ans Geflügel und die Schweine verfüttert. Dadurch produzieren wir einen Überschuss an Fleisch und Milch und machen unsere Preise kaputt.“

Lesen Sie auch: Schon eine Warteliste fürs neue Seniorenheim

Der Dietramszeller hofft, dass die Demo in Berlin viele Menschen aufrüttelt. „Die Agrarpolitik in Deutschland und Europa muss neu erfunden werden“, fordert er. Statt dass biologische Zusammenhänge berücksichtigt werden, würden angehende Bauern schon auf der Landwirtschaftsschule das Prinzip „wachsen oder weichen“ erlernen. Alles sei darauf ausgerichtet, dass die Betriebe immer größer werden und „konzernähnliche Strukturen“ entstehen.

„Auf diese Art wird das Höfesterben immer schneller weitergehen“, sagt Falter. Wenn er sich in der Gegend umschaue, sehe er, dass die Ställe immer größer würden, und die Bauern dann zusätzlich arbeiten gehen müssten, um das zu finanzieren.

Von den Verbrauchern wünscht er sich, dass sie sich mehr damit befassen, wer ihre Nahrungsmittel erzeugt und wie. Dazu müssten aber auch die Landwirte Einblicke in ihre Ställe erlauben. „Wir haben nichts zu verbergen.“ Er habe selbst erlebt, dass eine Demo eine gute Gelegenheit sei, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.

Neue Geschichten vom „Schlamperltoni“: Birgit Mayr schreibt drittes Buch

Kommentare