VonManuel Eserschließen
Magdalena Höcherlschließen
Der Stadt Freising gehen die Kindergarten-Plätze aus. Die Wartelisten sind lang. Verschärft wird die prekäre Situation noch durch eine Neuregelung.
Landkreis – Eltern haben die Wahl: Die bayerische Staatsregierung überlässt ihnen die Entscheidung, ob sie ihre Kinder, die zwischen Juli und September ihren sechsten Geburtstag feiern, einschulen lassen oder nicht. Bislang verließen in der Regel alle Kinder den Kindergarten, die bis zum 30. September das sechste Lebensjahr vollendet hatten. Nun wird der sogenannte Einschulungskorridor zum Schuljahr 2019/2020 eingeführt – und sorgt vor allem in Freising für massive Probleme in den Kitas.
Stadt Freising: Zum jetzigen Zeitpunkt keine Hilfe in Sicht
In der Domstadt haben zahlreiche Eltern von dem neuen Angebot Gebrauch gemacht, berichtet Irene Striegl vom Presseamt der Stadt. „64 Kinder, die von den Leitungen der Freisinger Kindergärten eigentlich als schulfähig eingestuft wurden, verbleiben weiterhin in den Einrichtungen und belegen folglich einen Platz.“ Die bereits bestehende Warteliste für die städtischen Kindergärten wird dadurch deutlich länger. Laut Striegl stehen darauf aktuell 164 Mädchen und Buben.
Man würde sich jedoch „nach Kräften bemühen“, um die Situation zu entspannen. Das Amt für Jugend und Familie erweitere zeitlich befristet bestehende Betriebserlaubnisse der Tageseinrichtungen in „geringfügigem Umfang“ – sprich die Gruppen werden etwas größer – allerdings nur, sofern dies die personelle und räumliche Situation zulasse. Striegl betont aber: „Zum jetzigen Zeitpunkt können wir keine Hilfe in Aussicht stellen, da schlichtweg das Personal fehlt.“
Einschulungskorridor: Weniger als die Hälfte nutzen ihn
Wie Schulamtsleiterin Irmintraud Wienerl dem FT mitteilte, gibt es im Landkreis Freising rund 490 Korridor-Kinder, die aufgrund der Neuregelung zurückgestellt werden könnten. „Weniger als die Hälfte nehmen das in Anspruch. Ob das in den kommenden Jahren mehr Kinder werden oder weniger, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht einschätzen.“ In Neufahrn sei das Interesse an einer späteren Einschulung höher als erwartet gewesen, berichtet Pressesprecherin Nicole Dobner. „Der Engpass verschärft sich dadurch, es gibt eine Warteliste.“ Konkrete Zahlen möchte die Gemeinde nicht nennen. Doch für die zurückgestellten Kinder soll eine weitere Gruppe errichtet werden. Dobner: „Die Realisierung hängt aber von der Personalgewinnung ab.“
Kita-Engpässe: Auch in Eching ist die Situation heikel
Diese sorgt auch in Eching für Schwierigkeiten. In den Einrichtungen der Gemeinde sei die Betreuung gerade noch zu bewältigen, teilt Johanna Fütterer vom Fachgebiet Kinder, Jugend, Schule mit. „Doch wenn jemand aufhört, haben wir ein massives Problem.“ Da die Situation bereits ohnehin heikel sei, ist Fütterer froh, dass bisher kaum Eltern von dem Einschulungskorridor Gebrauch gemacht hätten. „Ich kann mir aber vorstellen, dass das ab nächstem Jahr schwieriger wird.“
Im restlichen Landkreis Freising scheinen sich die sogenannten Korridorkinder einigermaßen gut zu verteilen. In den drei städtischen Kindergärten der Stadt Moosburg wurden laut Evelyn Stadler von der Geschäftsleitung insgesamt fünf Kinder zurückgestellt. Gegenüber den Vorjahren seien das nicht wesentlich mehr gewesen. „Die Auswirkungen sind daher überschaubar.“
Zusätzliches Problem: Eklatanter Lehrermangel
Im Landratsamt werde die Jugendhilfeplanung derzeit bereits überarbeitet, teilt Sprecher Robert Stangl mit. In Sachen Fachkräftemangel und Platzproblem seien der Kreisbehörde jedoch auch die Hände gebunden. „Wir können die Gemeinden zwar beraten, aber nicht wirklich etwas machen“, sagt Stangl. „Wenn keine Plätze da sind, kann man keine vergeben.“
Weil durch den neuen Korridor weniger Mädchen und Buben in die Schule kommen, könnte man denken, dass die Klassen nun kleiner würden. Das kann Schulamtsleiterin Irmintraud Wienerl nicht bestätigen. Vermutlich sei das nicht der Fall, denn auch die Grundschulen in der Region kämpfen mit zu wenig Fachkräften. Die Schulamtsleiterin sagt: „Aufgrund des eklatanten Lehrermangels bin ich froh, wenn ich die Klassen überhaupt zubringe.“
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