VonSascha Ludwigschließen
Hohe Gebühren für die Kinderbetreuung sorgen verständlicherweise immer für Diskussionen. Die Stadt Laufen begegnet diesen mit einer besonderen Strategie aus Preisgarantie und Vollversorgung. Ein Blick hinter die Kulissen, was dieser Weg die Familien sowie die Kommune wirklich kostet, aber auch welche Leistungen sie dafür erhalten.
Laufen – Unsere große Analyse der Kita-Gebühren im Berchtesgadener Land sorgte nicht nur bei den Eltern für Diskussionen und rückte die Stadt Laufen in die Nähe der teuersten Kommunen. Doch ein genauerer Blick hinter die reinen Zahlen offenbart eine spannende Strategie, die auf langfristige Stabilität, hohe Investitionen und Versorgungssicherheit setzt. Die Stadtverwaltung legt die Hintergründe dar und zeigt, warum der Laufener Weg ein ganz besonderer ist – aber auch seinen Preis hat.
Hohe Gebühren von über 400 Euro für die Krippe und 230 Euro für den Kindergartenplatz rückten die Stadt Laufen in einer landkreisweiten Analyse in die Nähe der teuersten Kommunen wie Bad Reichenhall. Christian Reiter, Geschäftsleiter der Stadt Laufen, liefert Kontext: „In den vergangenen 9 Jahren lagen die Beiträge für die Kinderbetreuung in unserer Stadt durchgehend auf einem der niedrigsten Niveaus im gesamten Landkreis.“ Die Einordnung als „teuer“ im direkten Vergleich mit den anderen Landkreis-Kommunen ignoriere eine fast zehnjährige Phase bewusster finanzieller Entlastung für Familien und zeige, warum ein reiner Preisvergleich der komplexen Realität manchmal nicht gerecht wird. Die Details:
Das 14-Jahres-Versprechen: Von Langzeit-Stabilität zur Planungssicherheit
Die Entscheidung, die Gebühren zum 1. September 2024 anzupassen, sei dem Stadtrat nicht leichtgefallen. Sie war jedoch, so Reiter, „notwendig, um auch künftig eine verlässliche und zugleich hoch qualifizierte Betreuung unserer Kinder sicherzustellen.“ Steigende Anforderungen an Pädagogik, Personal und Ausstattung machten nachhaltige Investitionen unumgänglich.
Der entscheidende Punkt in diesem Beschluss sei jedoch das, was darauf folgt: eine Selbstverpflichtung des Stadtrats, die neuen Gebühren für die kommenden fünf Jahre nicht anzutasten. Rechne man die neun Jahre der vorherigen Stabilität hinzu, ergibt sich für die Familien in Laufen ein außergewöhnlicher Horizont von 14 Jahren, in dem die Kosten entweder stabil blieben oder nun langfristig planbar sind. „Trotz einer sehr angespannten Haushaltslage können wir die Gebührenstabilität für 5 Jahre zusichern“, betont Reiter.
Das 1,3-Millionen-Euro-Engagement: Was Kinderbetreuung wirklich kostet
Was oft im Dunklen bleibt, ist der finanzielle Aufwand, den eine Kommune selbst trägt. Auch hier gewährt der Geschäftleiter einen Blick hinter die Kulissen. Während Elternbeiträge und staatliche Förderungen einen Teil der Kosten decken, investiert die Stadt Laufen einen siebenstelligen Betrag aus eigenen Haushaltsmitteln. „Betrachtet man ausnahmslos alle Ausgaben im Rahmen der Kinderbetreuung“, erklärt Christian Reiter, „verbleibt bei der Stadt Laufen jährlich ein Defizit von etwa 1,3 Millionen Euro.“ Dem Engagement für Familien würde somit höchste Priorität eingeräumt.
Dank einer seit 2017 kontinuierlich fortgeschriebenen Sozialraumanalyse konnte die Stadt den steigenden Bedarf frühzeitig erkennen und gegensteuern. Das Ergebnis: In Laufen erhalten derzeit alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Betreuungsplatz. „Damit konnten wir rechtzeitig in den Ausbau der Kinderbetreuungsplätze und die Gewinnung von Fachpersonal investieren und somit bisher die Versorgungssicherheit in ausreichendem Maße gewährleisten“, so Reiter. Diese Planung soll sich aber auch fortsetzen: Ein Neubau mit sechs Gruppen für Krippe, Kindergarten und Hort ist bereits im Gange und soll rund 80 zusätzliche Plätze schaffen. Selbst der erst 2030 geltende Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule werde mit dem Hortangebot schon heute „annähernd zu 100 %“ erfüllt.
Kampf gegen den Fachkräftemangel: Qualität als oberstes Gebot
Wie viele Kommunen in der Region kämpft auch Laufen mit dem Fachkräftemangel. „Die Stadt Laufen befindet sich gefühlt in der Dauerausschreibung“, sagt Reiter, um motiviertes und qualifiziertes Personal zu finden. Zusätzlich versuche man, mit den Rahmenbedingungen zu punkten: ein guter Betreuungsschlüssel, das Ziel von drei Fachkräften pro Gruppe und zusätzliche Entlastungen, wie Personal, das sich beispielsweise ausschließlich um die Essensausgabe kümmert. „Wir versuchen, ein angenehmes Arbeitsklima zum Wohle der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und damit automatisch ein entspanntes Umfeld für die Kinder und Familien herzustellen“, erklärt der Geschäftsleiter.
Reiter fasst die Philosophie der Stadt zusammen: „Bürgermeister, Stadtrat und Stadtverwaltung scheuen weder Kosten noch Mühen und versuchen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, eine hochqualitative Kinderbetreuung weit vor dem Eintreten von Rechtsverpflichtungen zu 100 % sicherzustellen.“ Nur so könne die Kommune sicherstellen, allen Familien ein bedarfsgerechtes Angebot zur Kinderbetreuung anzubieten.
