VonSascha Karowskischließen
Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) legt ihr Amt als Vorsitzende des Aufsichtsrates der Münchner Wohnen nieder. OB Dieter Reiter soll übernehmen.
München – Die Münchner Wohnen kommt nicht zur Ruhe: Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) legt ihren Posten als Aufsichtsratsvorsitzende der städtischen Wohnungsbauer nieder. OB Dieter Reiter (SPD) soll das Amt übernehmen.
Münchner Wohnen: Aufsichtsrats-Chefin Verena Dietl erklärt, warum sie ihren Posten an den OB abgibt
„Während meiner Zeit an der Spitze der beiden Gesellschaften sowie der fusionierten Münchner Wohnen habe ich mich der Aufgabe mit enormen Engagement gewidmet“, schrieb Dietl in einer Pressemitteilung von Freitag (2. Mai). Besonders am Herzen habe ihr die Fusion von GWG und Gewofag zur neuen Gesellschaft Münchner Wohnen gelegen. „Es ist uns gelungen, diese Fusion erfolgreich umzusetzen. Die ersten Ergebnisse des Zusammenwachsens der Bereiche zeigen bereits positive Entwicklungen, und ich bin überzeugt, dass sich der Mehrwert der Fusion in den kommenden Jahren weiter bemerkbar machen wird.“
Gleichwohl sei der Prozess der Zusammenlegung nicht zu jedem Zeitpunkt einfach. gewesen. „Viele Angriffe gegen die Münchner Wohnen haben sich auch gegen mich persönlich gerichtet, waren politisch motiviert. Das wird weder den engagierten Mitarbeitern noch den zufriedenen Mieter gerecht.“ Gerade in angespannten Zeiten sollten die politischen Kompetenzen in Sachen Wohnungsbau und Planung beim Oberbürgermeister gebündelt werden. Reiter leite den Planungsausschuss, den IFAK Wohnungsbau und habe den direkten Draht zu Bundes- und Landespolitik, was angesichts der Finanznot und der viel zu geringen Fördermittel enorm wichtig sei.
Aufsichtsratsvorsitz bei der Münchner Wohnen: Für viele aus dem Stadtrat kam die Entscheidung überraschend
„Daher habe ich mich zu diesem Schritt entschlossen. Ich bin dankbar für das Vertrauen, das mir die Mitarbeiter der Münchner Wohnen über die Jahre entgegengebracht haben, und blicke zuversichtlich auf die künftigen Aufgaben, die der Gesellschaft bevorstehen.“
Grünen-Chef Sebastian Weisenburger sagte auf Anfrage unserer Redaktion: „Die Entscheidung kommt für uns überraschend, und wir danken Verena Dietl für ihre Arbeit.“ SPD-Chefin Anne Hübner dankte Verena Dietl für ihren großen politischen und persönlichen Einsatz für die Mieter der Münchner Wohnen. „Der heutige Schritt ist ganz sicher kein leichter für unsere Bürgermeisterin, da sie in den letzten Jahren sehr viel Herzblut und Engagement in diese Aufgabe gesteckt hat. Angesichts der Rahmenbedingungen erkennen wir die Entscheidung jedoch mit großem Respekt an und unterstützen sie.“ Zum jetzigen Zeitpunkt sei es richtig, dass der Oberbürgermeister alle Kompetenzen zum Thema Wohnen und Mieten bei sich bündele und den Aufsichtsratsvorsitz übernehme.
Gleich nach der Stadtratsentscheidung werde er sich mit den Vertretern des Aufsichtsrats, inklusive des Betriebsrats austauschen und sich bei der Auswahl der neuen Geschäftsführung aktiv einbringen, sagte Reiter am Freitag. „Es muss uns gemeinsam gelingen, die Münchner Wohnen wieder auf Kurs zu bringen – im Sinne der Mieter und im Sinne der Mitarbeiter des Unternehmens.“
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Münchner Wohnen: Opposition erwartet nun von OB Dieter Reiter, die Probleme in den Griff zu bekommen
Die Münchner Wohnen hatte zuletzt vielfach für negative Schlagzeilen gesorgt. Zuletzt war die bis dahin kommissarisch tätige Geschäftsführerin Doris Zoller zurückgetreten.
CSU-Chef Manuel Pretzl sagte, der Rückzug von Verena Dietl komme überraschend, nachdem nach der langen Serie ständiger Personalwechsel gerade endlich etwas Ruhe bei der Münchner Wohnen eingekehrt sei. „Für uns ist diese Entscheidung zu respektieren. Wir erwarten nun vom OB, dass er eines der drängendsten Probleme Münchens – die Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum – endlich in den Griff bekommt.“ Dass Reiter nun selbst wieder Verantwortung übernehme sei richtig – aber auch längst überfällig, sagte FDP-Chef Jörg Hoffmann. „Er hätte sich bereits vorher aus der Deckung wagen müssen und sich nicht zuvor vor der Verantwortung drücken dürfen. Ein so bedeutender Posten ist Chefsache – und das hätte er von Anfang an sein müssen.“
Linken-Chef Stefan Jagel: „Die Sozialbürgermeisterin zieht jetzt Konsequenzen bei der Münchner Wohnen. Aber es darf nicht bei der politischen Ebene enden: Die Geschäftsführung trägt die Verantwortung für das Missmanagement. Auch dort erwarte ich klare personelle Veränderungen.“
Rubriklistenbild: © Yannick Thedens

