Hohe Mieten und unerschwingliche Immobilienpreise: Das Thema Wohnen brennt den Tölzer Bürgern unter den Nägeln. Nun hat der Stadtrat politische Leitziele für den Wohnbau in Tölz formuliert.
Bad Tölz – Seit Juni 2017 hat sich eine Arbeitsgruppe Wohnen im Stadtrat mit rechtlichen Rahmenbedingungen und den politischen Zielsetzungen beschäftigt. „Leitplanken“ für die Wohnbaupolitik nannte dies Bürgermeister Josef Janker, als die Ergebnisse in der jüngsten Sitzung des Stadtrats vorgestellt und einmütig verabschiedet wurden. Eine ganz wichtige Anmerkung hatte dazu René Mühlberger (CSU). Mit den Instrumenten einer Kommune sei der aktuellen Hochpreissituation am Wohnungsmarkt nicht Herr zu werden. „Es kann also nicht jeder Bürger erwarten, dass sein Bedarf erfüllt wird. Aber wir sind auf einem guten Weg.“
City-Manager Falko Wiesenhütter formulierte es ähnlich: „Wo wir die Chance haben, Einfluss zu nehmen, sollten wir sie auch nutzen.“ Der 45-Jährige hatte die Moderation im nicht ganz einfachen Meinungsbildungsprozess in der fraktionsübergreifend besetzten Arbeitsgruppe übernommen und dafür viel Lob vom Gremium erhalten.
Seine vielleicht wichtigste Erkenntnis: „Wir haben auch einmal die Zielgruppen definiert, um die es geht.“ Bei Wohnbauprojekten sollen im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten Einheimische bevorzugt werden oder die Mitarbeiter ansässiger Unternehmen. Auch das Ehrenamt soll bei der Definition von „einheimisch“ eine Rolle spielen.
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Bei der Schaffung von städtischem Wohnraum werden Familien mit Kindern den Vorrang erhalten, nicht zuletzt, um eine weitere Zuspitzung der Tölzer Alterspyramide zu verhindern. Beim kommunalen Mietwohnungsbau in Tölz wird auf Personen ein besonderes Augenmerk geworfen, die behindert sind oder am freien Wohnungsmarkt benachteiligt sind.
Grundsätzlich bekennt sich die Stadt Tölz zur aktiven Steuerung des Wohnungsbaus in Tölz, wie es in dem Papier heißt. Allerdings in Ergänzung des Privatmarktes, und nicht in Konkurrenz. Dort, wo der freie Markt nicht in der Lage ist, die gesetzten Ziele zu verfolgen, will die Stadt aktiv werden. Beispiele sind etwa die ZoBoN-Satzung, die der Stadt bei Wohnlandausweisung ein Drittel des Grundes zum ermäßigten Preis sichert. Erklärte Absicht der Stadt ist zudem, dass sie geeignete Flächen für weitere Wohnprojekte erwirbt.
Ein weiteres Ziel: Obwohl Tölz in der Boomregion München liegt, will die Stadt nicht unkontrolliert wachsen. Der Stadtrat hält einen Bevölkerungszuwachs von 0,5 Prozent im Schnitt über fünf Jahre für vertretbar.
Schließlich strebt die Stadt eine „ausgewogene Durchmischung der Bevölkerung“ an. Dies bezieht sich auf Alter, Familienstand, Herkunft und soziales Milieu. Gefördert werden daher besonders Bauprojekte und Wohnformen, die dem Leitgedanken der Durchmischung folgen. Beispiele sind Generationenwohnen, privater Wohnbau mit unterschiedlichen Wohnungsgrößen und -zuschnitten.
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Nachverdichtung und flächensparendes Bauen (Geschosswohnungsbau) sowie das Nebeneinander von Mietwohnungen und Wohneigentum sind weitere Forderungen. Auf städtischen Flächen sollen Selbstnutzer (gegenüber Investoren) sowie Eigentümergemeinschaften und Genossenschaften gegenüber Bauträgern den Vorzug erhalten.