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Der Reifenstecher von Lenggries steht seit Mittwoch vor dem Landgericht München II und erklärt zum Auftakt seine Taten. „Ich habe mir jedes Mal vorgenommen, es nicht mehr zu machen“, sagt er.
Lenggries/München - Der Schreck ging um, als in Lenggries seit Herbst 2016 immer wieder reihenweise Autoreifen zerstochen wurden. Alle paar Wochen trieb der Reifenstecher sein Unwesen und stach pro Nacht an bis zu 22 Autos zu. Insgesamt machte er sich 129-mal an Fahrzeugen zu schaffen. Ein Jahr später erwischte ihn die Polizei in flagranti. Nach längerem Hin und Her wurde er in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen. Seit Mittwoch sitzt der psychisch kranke Mann nun vor dem Landgericht München II, wo die 3. Strafkammer darüber entscheidet, ob er in der Psychiatrie verbleiben muss.
Laut Antragsschrift der Staatsanwaltschaft leidet der Beschuldigte, ein 42 Jahre alter Türke, der in Krefeld geboren wurde, an paranoider Schizophrenie, die episodisch verläuft. Episodisch verliefen dann auch die Sachbeschädigungen, bei denen er Reifen zerstach, manchmal aber auch noch den Lack zerkratzte oder Scheibenwischer abriss. Der Gesamtschaden beläuft sich auf etwa 60.000 Euro.
„Hab mir jedes Mal vorgenommen, es nicht mehr zu machen“
Verteidiger Stevan Krnjaic gab eine Stellungnahme für den 42-Jährigen ab: „Er gibt zu, zu dieser Zeit viele Reifen zerstochen zu haben. Aber er hat keine Erinnerung daran, wie viele es waren.“ Es seien allerdings „viele“ gewesen. Die Autos habe er sich zufällig ausgesucht – manche hat es auch mehrmals getroffen. Gezielt habe er es aber auf keinen abgesehen, betonte der Beschuldigte. Er habe in jenen Nächten Aggressionen gehabt, zum Beispiel, weil kein Geld da war. Dann zog er los. Dabei habe er genau gewusst, dass man das nicht dürfe, sagte er auf Nachfrage des Gerichts. „Aber der Frust war so groß.“ Er habe auch ein schlechtes Gewissen gehabt. „Ich habe mir jedes Mal vorgenommen, es nicht mehr zu machen.“ Doch dann klappte es mit dem Vorsatz doch wieder nicht. Er habe sich auch gedacht, der Schaden bei kaputten Autoreifen sei nicht so groß. Und er habe sie immer „so kaputt gemacht, dass sich keiner auf den Weg machen konnte.“
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Der Beschuldigte ist gelernter Bäcker. Bei seiner ersten Arbeitsstelle wurde er entlassen, weil er angeblich Semmeln gestohlen haben soll. Das bestreitet er allerdings vehement. Es folgten mehrere Arbeitsstellen. 2000 heiratete er eine Frau, die er in der Türkei kennengelernt hatte, 2007 bekamen sie einen Sohn. Doch dann wurde er arbeitslos. Damit nahm das Unheil seinen Lauf. „Dann ging der Stress mit den Behörden los“, sagt er. „Die Ämter haben mich von da nach da geschickt. Sie haben meinen Lebenslauf total falsch geschrieben.“ Dazu hätten seine Schwiegereltern seine Frau gegen ihn aufgehetzt. „Ihr Vater meinte, ich will nicht arbeiten.“ Damals brachen die psychischen Probleme aus. 2008 kam er zum ersten Mal in eine psychiatrische Klinik. Dort bekam er Medikamente. Die setzte er jedoch wieder ab, weil die Nebenwirkungen „so heftig“ waren, sagt er. Im Isar-Amper-Klinikum bekommt er nun ein anderes Medikament, das er gut verträgt. „Es geht mir besser“, sagt er.
Inzwischen bekommt er eine Erwerbsunfähigkeitsrente von 663 Euro. Er hat einen Betreuer und keine sozialen Kontakte. „Darf ich mal etwas fragen?“, sagt er zum Richter, „ist es strafbar, keine sozialen Kontakte zu haben?“ Der Vorsitzende verneint. Natürlich sei das nicht strafbar.
Der Prozess dauert an.
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