VonChristiane Mühlbauerschließen
Mit einem Korso haben Busunternehmer aus ganz Deutschland am Mittwoch in Berlin auf ihre prekäre Lage aufmerksam gemacht. Unter ihnen waren auch Sepp und Elisabeth Willibald von „Alpenjäger-Reisen“ aus Lenggries.
Lenggries/Berlin – Zwar dürfen Busunternehmer ab 30. Mai auch wieder touristisch tätig sein, allerdings nur unter besonderen Bedingungen: In den Fahrzeugen, in die 44 Gäste passen, dürfen nur sieben bis zehn Personen sitzen. Fernbusse hingegen dürften voll besetzt sein, kritisiert Willibald, und auch Flugzeuge und die Bahn dürften mehr Passagiere als die Bus-Branche befördern. „Diese Ungleichbehandlung darf einfach nicht sein.“
Aus Bayern beteiligten sich 35 Busunternehmer an dem großen Korso in Berlin. Auch in anderen deutschen Großstädten gab es am Mittwoch Proteste. Alle Beteiligten befürchten, dass ein noch längeres Berufsverbot zur Insolvenz vieler, eigentlich gesunder Unternehmen führt. „Außerdem sollten die gleichen Vorschriften in ganz Deutschland gelten“, sagte Willibald im Telefongespräch mit dem Tölzer Kurier. Der Flickenteppich, den man jetzt habe, erinnere an „Fürstentümer im Mittelalter“.
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Rund 300 Reisebusse fuhren am Mittwochmittag in drei Routen hupend durch Berlin und legten den Verkehr in der Hauptstadt lahm. In den Fenstern der Fahrzeuge hingen große Plakate. „Der Verband hatte das sehr gut organisiert“, sagt Willibald. Am Straßenrand hätten immer wieder Passanten die Daumen nach oben gestreckt. „Wir fühlen uns wahrgenommen“, beschreibt Willibald die Stimmung in der Branche.
Reisebusse seien ein umweltfreundliches Verkehrsmittel und dürften nicht vernachlässigt werden, forderten die Demonstranten in Berlin. Auch die Willibalds sind seit Jahrzehnten Busfahrer aus Passion. Um den Betrieb wieder aufnehmen zu können, habe man zahlreiche Hygienevorkehrungen getroffen, sowohl für die Fahrer als auch für die Passagiere, berichtet Elisabeth Willibald. Die Fahrer der beiden Schulbusse säßen jetzt hinter Plexiglas.
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Das Lenggrieser Unternehmen bietet Bus-Reisen in ganz Europa an. Vor allem die Touren nach Italien, aber auch jene ans Nordkap seien am beliebtesten, berichtet Elisabeth Willibald. „Manche Reisen konnten wir ins zweite Halbjahr verschieben. Andere Reisen wurden abgesagt, und die Kunden haben das Geld zurückbekommen.“
