VonMagnus Reitingerschließen
Es habe „der ,Wow’-Effekt gefehlt“ - so lautet eine Kritik am Lichtkunst-Festival, das vergangenes Wochenende 20.000 Besucher in Weilheims Altstadt lockte. Was sagt der künstlerische Leiter dazu?
Weilheim – Es gibt viele begeisterte Reaktionen aufs Weilheimer Lichtkunst-Festival, das vergangenes Wochenende rund 20.000 Besucher in die Altstadt lockte. Es gibt aber auch einige enttäuschte Stimmen, etwa in sozialen Netzwerken. „Die vergangenen Lichtkunstwerke waren besser“, heißt es da. Oder: „Irgendwie hat der ,Wow’-Effekt gefehlt.“ Philipp Geist (46), künstlerischer Leiter von „Lichtkunst Weilheim“, der auch selbst wieder eine Installation am Marienplatz beigesteuert hat, erklärt im Interview, warum ihn Kritik durchaus freut – und worum es ihm bei diesem Festival geht.
Dass sich mancher mehr „Wow-Effekt“ gewünscht hätte, können Sie das nachvollziehen?
Als künstlerischer Leiter kann ich sagen: Ich bin total zufrieden mit dem diesjährigen Festival. Wir verfolgen ja die Idee eines Lichtkunstfestivals – mit Betonung auf Kunst. Es soll anspruchsvolle Projekte geben, die nicht nur auf Effekte abzielen, sondern Tiefe haben. Und was meine eigene Installation auf dem Marienplatz angeht, würde ich schon sagen, dass es zusammen mit den Auftritten des Chorkreises auch einen „Wow-Effekt“ gab, um dieses Wort aufzugreifen. Dazwischen habe ich die Projektion immer wieder bewusst runtergefahren.
Wie ging es Ihnen mit den anderen Installationen?
Wir hatten ja insgesamt vier Stationen, mit der sehr poetischen Installation von Romain Tardy an der Stadtmauer, der eher brachialen Arbeit der „ruestungsschmie.de“ an der Jahnhalle und den stillen Bildern von Teresa Mar an der Musikschule. Ich fand das sehr passend und stimmig. Auch die statische Projektion an der Musikschule hat mich tief beeindruckt – wobei man das natürlich nicht mit der sehr dynamischen Arbeit von „slidemedia“ vor sechs Jahren vergleichen darf, die wohl viele Besucher noch in Erinnerung haben.
Manche hätten sich wohl mehr Schauplätze gewünscht – wie 2018 mit den verschiedenen Theater-Stationen...
Das war eher ein Ausreißer damals. Mehr Stationen können wir auf Dauer nicht leisten, das kann der Verein nicht stemmen. Es muss jedem klar sein, dass das ein Riesen-Kraftakt für den Lichtkunst-Verein und alle Beteiligten ist. Ein Festivalbudget von 120 000 Euro mag sich für manchen hoch anhören, aber da stecken so viele Kosten fürs ganze Drumherum drin. Ohne die vielen Ehrenamtlichen wäre das alles gar nicht möglich. Nur nebenbei: Ich für meinen Teil zahle fast drauf bei der Installation. Und auch die anderen Künstler verdienen nicht viel.
Sind die hohen Erwartungen des Publikums nach den ersten Festivals auch ein Problem?
Es wird immer Vergleiche geben. Und dass man es nicht allen recht machen kann, ist klar. Aber es soll auf keinen Fall ein Entertainment-Festival mit Karneval und Trallala und tausend Lichtern hier und dort sein – da wäre ich sofort raus. Die Qualität muss stimmen, und dafür ist auch die Konzentration auf einzelne Stationen nötig. Und mir ist wichtig, lokale Institutionen zu integrieren, wie heuer den Weilheimer Chorkreis oder die Schülerinnengruppe der Mittelschule mit ihrem Lichtkunstwerk. Zu unserem Festival gehören außerdem auch gute Vermittlungsangebote mit Vorträgen, Künstlergesprächen und einem fast hundertseitigen Programmheft mit Texten, die tiefer in die Arbeiten einsteigen und mehr über sie erfahren lassen.
Wie haben Sie selber heuer die Stimmung erlebt?
Ich hab’ viel gutes Feedback bekommen, und die Stimmung war – nach allem, was ich selber erlebt und von anderen gehört habe – doch sehr, sehr positiv. Auch meine Künstlerkollegen, die ja alle auf großen internationalen Festivals unterwegs sind, waren vom Ort, von der Organisation, von der Stimmung im Team und im Publikum total begeistert. Natürlich kommt es bei den einzelnen Installationen auch darauf an, wo man steht. Unser Projekt am Marienplatz war zum Beispiel stark in Richtung Stadtmuseum ausgerichtet, um den dreidimensionalen, audiovisuellen Charakter mit Bild und Sound vollumfänglich zu erleben. Seitlich Richtung Kirchplatz kam das sicher nicht in Gänze an.
Wenn es dann Kritik gibt, wie gehen Sie damit um?
Kunst braucht Diskussion! Wenn man mit einem solchen Festival auslöst, dass es strahlende Gesichter, aber auch nachdenkliche Stimmen gibt, ist es genau richtig. Du musst etwas auslösen mit Kunst. Das Schlimmste wäre, wenn es allen egal ist.

