Lothar Wagner berichtet aus Afrika

Schwieriger Einsatz für Kinder in Not

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Straßen-Alltag im Südsudan: Bruder Lothar Wagner am Steuer des Pickups, mit dem er im Land unterwegs ist.
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Seit eineinhalb Jahren ist der Salesianerbruder Lothar Wagner im Südsudan im Einsatz. Er kümmert sich dort mit anderen Ordensmitgliedern um Straßenkinder und ehemalige Kindersoldaten.

Benediktbeuern – Im Juni 2018 wurde Bruder Lothar Wagner (46) von der Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos in den Südsudan gesandt, um dort ehemaligen Kindersoldaten und Straßenkindern zu helfen, ihre Erlebnisse zu verarbeiten und wenn möglich wieder in ihre Familien zurückkehren zu können. Wagner, der im Kloster Benediktbeuern studiert und dort seine salesianische Ausbildung durchlaufen hat, arbeitete zuvor acht Jahre lang in Sierra Leone.

Die Arbeit im Südsudan ist für Wagner nach wie vor eine große Herausforderung. Der Sozialpädagoge und Theologe ist Koordinator für Kinderschutz in den Einrichtungen der Salesianer Don Boscos. Auch die vergangenen Weihnachtstage hat er im Südsudan verbracht. „Die Feiertage verbringe ich wie jedes Jahr auf der Straße und in unseren Anlaufstellen. Dort feiern wir jeweils Weihnachten“, berichtet Wagner per E-Mail.

Nach wie vor pendelt er zwischen den Standorten Wau und Kuajok. „An beiden Orten haben wir Aktivitäten, die miteinander verzahnt sind.“ In beiden Städten gebe es sehr viele Straßenkinder. In Kuajok wurde jüngst ein Rehabilitationszentrum für 32 Kinder mit Gewalterfahrung eröffnet.

Die politische Situation ist nach wie vor schwierig, berichtet Wagner. Er hatte von Anfang an Zweifel, ob der Friedensvertrag von 2018 halten würde. Zwar hätten die Kampfhandlungen zwischen Regierungstruppen und den vielen unterschiedlichen Rebellengruppen abgenommen. „Das ist erst einmal gut“, schreibt Wagner. Beim Aufbau einer guten Regierungsführung und funktionierender Infrastruktur sei das Land jedoch noch nicht weitergekommen. Die angekündigte Interimsregierung sei immer noch nicht im Amt, und Oppositionelle müssten weiterhin um ihr Leben fürchten. „Von einer Befriedung kann also überhaupt keine Rede sein.“

Den Friedensvertrag bezeichnet Wagner als „großen Bluff“: „Er verschaffte den Kriegsherren eine Feuerpause, um wieder aufzurüsten.“ Und laut den Vereinten Nationen werden derzeit auf allen Seiten Vorbereitungen für Kampfhandlungen getroffen. „Trotz Embargo werden Waffen ins Land geschafft und junge Männer an die Waffen geschickt. Unter den derzeitigen Akteuren gibt es zu viele, die durch den Krieg verdienen und daher haben sie auch kein Interesse am Frieden. Dann wäre nämlich auch die Zeit gekommen, sie wegen Völkermord anzuklagen. Der Frieden würde sie zu großen Verlieren machen.“

Die politische Situation hat großen Einfluss auf Wagners Arbeit. „Zuweilen ist es sehr frustrierend.“ Über Monate hätten die Salesianer gemeinsam mit Unicef Verhandlungen mit einer Rebellengruppe über die Freilassung von 48 Kindersoldaten geführt. „Katholische Ordensleute spielen in der Geschichte des Landes bis heute eine wichtige Rolle, auch jetzt im Friedensprozess“, berichtet der Salesianer. „Nachdem bekannt wurde, dass die Regierung Tausende von jungen Männern rekrutiert und für Kampfhandlungen trainiert, ist uns der Zugang in die Region untersagt worden.“ Man lasse sich aber nicht entmutigen, wenn es darum gehe, Straßenkinder wieder in ihre Familien zurückzubringen. Wagner: „Ein großes Unterfangen, wenn es nur kaputte Straßen und wenige Zugänge zu Dörfern gibt.“

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Der Anteil der obdachlosen Kinder sei im Südsudan sehr hoch. „Aufgrund von extremer Armut und Flucht fliegen reihenweise junge Menschen auf die Straße. Wir bieten eine gewaltfreie Oase in unseren Schutzzentren, schauen uns die individuellen Probleme der Kinder und deren Familien an und unterstützen, wo wir können.“ Das geschehe zum Beispiel, in dem man Lebensmittel bringe. Stabilisierend sei auch eine Einschulung von Kindern. „Wenn Familienhäuser zerstört wurden, unterstützen wir beim Wiederaufbau“, sagt Wagner.

„Manche Kinder sind aber derart traumatisiert, sodass wir ihnen in unserem Rehabilitationszentrum eine Zeit der Aufarbeitung und Verarbeitung des Erlebten ermöglichen.“ Die 32 Reha-Plätze, die man anbieten könne, seien im Vergleich für den Bedarf aber viel zu wenig.

Wer die Arbeit von Lothar Wagner im Südsudan unterstützen will, kann dies über die von ihm gegründete Marathonstiftung unter dem Dach des Don Bosco Stiftungszentrums in München: Bank für Sozialwirtschaft; IBAN DE68 7002 0500 3741 0301 03; BIC: BFS WDE 33 MUE.

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