VonDominik Stalleinschließen
Über seinen Vorschlag streitet die Stadt: Wilhelm Eilers brachte die Idee ins Spiel, den Marienbrunnen schnurgerade in Richtung Marktstraße zu verschieben.
Wolfratshausen – Als Wilhelm Eilers zum Marienplatz spaziert, sitzt ein Pärchen auf dem steinernen Brunnenrand und löffelt in Eisbechern. Als er sich zwei Minuten später auf eine Parkbank in den Schatten setzt, nimmt er neben einer Frau Platz, die dort mit ihrem Handy telefoniert. Nebenan kichern zwei Mädchen, die mit kühler Limonade der Hitze trotzen. Auf dem Marienplatz in der Altstadt ist an diesem Sommertag viel Leben. Wilhelm Eilers wundert das nicht: „Es ist ja auch ein wirklich schöner Ort.“ Trotzdem möchte der 56-Jährige ein Detail an diesem Platz verändern – und hat damit eine große Debatte ausgelöst.
Marienbrunnen soll verschoben werden - Wolfratshauser hatte die Idee: „Wollte nicht polarisieren“
Sein Vorschlag, den Marienbrunnen samt Muttergottes-Säule in Richtung der B11 zu verschieben, wurde im Stadtrat mit 15:5 Stimmen befürwortet. Im Zuge der Bürgerbeteiligung zur Aufwertung der Altstadt kam der Gedanke auf, den Brunnen zu versetzen. Eilers war und ist von den Vorzügen einer Verschiebung überzeugt: Der Platz würde dadurch größer, der Brunnen noch mehr in den Fokus gerückt und der Verkehr auf der Bundesstraße verlangsamt. Die Fachplaner legten drei Varianten zur Abstimmung vor.
Eilers, der Laie, Bahnmitarbeiter, seit 2016 Wolfratshauser, hatte eine andere Idee – eine bessere, wie sich zeigte. Sein Plan, das historische Bauwerk schnurgerade in Richtung Marktstraße zu rücken, stieß auf Zustimmung. Die „nette Symmetrie“ aus Platanen und Brunnen wollte er mit seinem Plan erhalten. „Das hat mich schon gefreut“, sagt er und meint damit nicht nur, dass die Wolfratshauser bei der Bürgerbeteiligung mehrheitlich für seinen Vorschlag plädierten, sondern auch das klare Votum des Stadtrats. „Ich wollte mich einbringen, die Stadt ein Stück weit mitgestalten“, erklärt Eilers – mit seinem Vorschlag könnte er dieses Ziel nun erreichen.
Altstadt Wolfratshausen: Liste WOR sammelt Unterschriften gegen Brunnen-Verschiebung
Verhindern möchte das die Wolfratshauser Liste. Wie berichtet sammelt die politische Gruppierung Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Ziel ist, den Marienplatz in seiner Form zu erhalten. Die Initiatoren machen mobil gegen Eilers’ Plan. Er nimmt das sportlich. „Es wird ja nicht wegen mir gestritten.“ Es gehe eher um eine grundsätzliche Frage: Soll der Marienplatz überhaupt verändert werden oder nicht? Wer dagegen ist, unterschreibt auf Sammellisten, die in mehreren Geschäften in der Loisachstadt ausliegen. Eilers selbst hat die noch nicht gesehen. „Und selbst wenn: Ich nehme das nicht persönlich, es geht nicht um mich“, sagt der DB-Fahrdienstleiter. „Ich wollte mit meiner Idee auch gar nicht polarisieren.“
Marienbrunnen soll verschoben werden - Wolfratshauser hat noch mehr Ideen: Kletterwand, Beachbar, Bootsverleih
Mit ihm, dem Vater des Verschiebe-Gedankens, habe von der Wolfratshauser Liste niemand Kontakt aufgenommen. Auf der Straße sei er auf seinen Vorschlag auch noch nicht angesprochen worden. Wenn jemand auf ihn zukommen würde, der das Vorhaben anders bewertet, „würde ich meine Sicht der Dinge aber natürlich erklären“. Die öffentliche Debatte schreckt Eilers nicht davon ab, weitere Vorschläge zu machen. In der jüngsten Bürgerversammlung in der Loisachhalle brachte er eine neue Idee vor: Im Zuge der Sanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg könne doch eine „DAV-taugliche“ Kletterwand errichtet werden. Im Verein Lebendige Altstadt Wolfratshausen äußert er auch regelmäßig Einfälle. Zum Beispiel, am Loisachufer im Bereich der Altstadt eine Strandbar einzurichten – oder einen Bootsverleih am Fluss. Den Bahnhofsvorplatz würde Wilhelm Eilers auch gerne etwas gefälliger gestalten lassen.
Marienplatz Wolfratshausen: Bleibt alles so, wie es ist?
Der 56-Jährige blickt auf den Marienbrunnen, aus dessen Speiern das Wasser so unaufhörlich sprudelt, wie die Ideen aus ihm. Eilers betont, dass er gerne in der Flößerstadt lebt. „Die Stadt ist schön, warum sie manchmal so schlecht gemacht wird, kann ich nicht verstehen.“ Trotzdem solle man sich nicht gegen jede Veränderung sperren. Es gebe doch in jeder Stadt an dieser oder jener Ecke etwas zu optimieren – wie am Marienplatz. Wenn es so kommt, hat der Wolfratshauser schon eine Idee, wie der neue Platz im Herzen der Altstadt eingeweiht werden könnte: „Mit einem kleinen Fest für alle, vielleicht bei Wein und Sekt, und der Platz wird mit Blumen geschmückt.“
Alle Nachrichten aus Wolfratshausen lesen Sie hier.
Sollte das Bürgerbegehren erfolgreich verlaufen, das heißt, der Brunnen bleibt, wo er ist: „Dann kann ich damit auch leben, der Marienplatz ist ja jetzt schon schön.“ Vielleicht widmet sich Eilers dann einfach einem anderen Geistesblitz. Daran mangelt es ihm ja nicht.
