Neues Konzept

Maschine statt Mensch: Bargeld gibt es bei der Sparkasse fast nur noch am Automaten

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Maschine statt Mensch: Bargeld gibt es bei der Sparkasse künftig vor allem am Automaten. Nur noch in den sechs großen Beratungscentren im Landkreis können die Kunden das Geld am Schalter holen – und einzahlen.
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Bei der Sparkasse im Landkreis greift seit Kurzem eine neue Regelung. Die einen halten sie für unzumutbar. Aus Sicht der Bank ist sie unabdingbar.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Seit Anfang des Monats können sich Kunden der Sparkasse in Bad Heilbrunn nur noch am Automaten mit Bargeld versorgen. Am Schalter bekommen sie keine Scheine mehr ausbezahlt – und können auch nichts einzahlen, weder Papier- noch Münzgeld. Diese neue Regelung gilt künftig für zwölf weitere Geschäftsstellen im Landkreis wie Reichersbeuern, Gaißach, Königsdorf, Dietramszell und Münsing. „Das ist nicht zumutbar“, findet Christopher Hummel.

Der Heilbrunner versteht nicht, wie sich die Sparkasse als „Bank vor Ort“ derart aus ihrem „Kerngeschäft“ zurückziehen könne. Für ihn als Geschäftsmann – Hummel betreibt die Kur-Apotheke in Bad Heilbrunn – seien die Auswirkungen deutlich spürbar: Statt seine Tageseinnahmen alle zwei Tage in der Filiale vor Ort abzugeben, muss er nun in eines der großen Beratungscenter nach Bad Tölz (Badeteil) oder nach Benediktbeuern fahren. Auch an den beiden Standorten in Geretsried sowie in Lenggries und Wolfratshausen könnte er seine Einnahmen einbezahlen. Der Aufwand sei aber deutlich größer. Die Fahrt in die Kurstadt und zurück koste ihn Minimum 40 Minuten Zeit. „Da habe ich etwas anderes zu tun“, sagt der Sprecher der Apotheker im Landkreis, dem auch die Michaeli-Apotheke in Gaißach gehört.

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Einzige Alternative: Schließung kleiner Filialen 

Sparkassen-Sprecher Willi Streicher versteht, dass das neue Filialkonzept für manche mit Unbequemlichkeiten verbunden ist. Aus Sicht des Geldinstituts gebe es zu der neuen Regelung aber nur eine Alternative: die Schließung kleinerer Filialen. „Wir möchten aber vor Ort bleiben, deshalb mussten wir diese Einschränkungen einführen“, betont Streicher. Das Problem: Sobald ein Mitarbeiter Geld in die Hand nimmt, braucht es laut Streicher das Vier-Augen-Prinzip. Zwei Angestellte müssen also bei der Transaktion anwesend sein. Gerade in kleineren Filialen wie Bad Heilbrunn seien solche Sicherheitsvorschriften nicht einzuhalten.

Hummel denkt aber nicht nur an die Geschäftsleute, die bei der Bank häufig auch gleich ihr Wechselgeld holen, wenn sie die Tageseinnahmen einbezahlen. Ihm geht es auch um ältere Kunden, die ihr Geld lieber beim vertrauten Kundenberater am Schalter statt am Automaten holen. „Was ist, wenn sie ihre PIN vergessen?“ Oder wenn der Automat kaputt sei – wie gleich am ersten Tag in Bad Heilbrunn. „Das ist schon bezeichnend.“

Die Automaten haben aus Sicht von Streicher aber auch Vorteile: Das Geld sei rund um die Uhr verfügbar. „Aber es sind natürlich Maschinen und keine Menschen“, sagt Streicher. Die Angestellten geben sich ihm zufolge aber die größte Mühe, vor allem den älteren Kunden alles mit viel Geduld zu erklären. Wenig bekannt sei beispielsweise der neue, kostenlose Bargeld-Service. Viermal pro Monat können sich die Kunden jeweils bis zu 500 Euro per Post zuschicken lassen – „auf unsere Kosten und auf unser Risiko“, sagt Streicher.

Ältere Kunden offenbar wenig begeistert

Trotzdem spielen offenbar gerade ältere Kunden mit dem Gedanken, die Bank wechseln zu wollen – auch, weil sie die verkürzten Öffnungszeiten stören. Das zumindest hört Uli Hofherr dieser Tage immer wieder in seinem Hofladen in Königsdorf. Er selbst zeigt sich froh, dass er Kunde bei der Raiffeisenbank ist und seine Tageseinnahmen weiterhin täglich in die Filiale vor Ort tragen kann. „Es wäre schon sehr ärgerlich, wenn ich dafür nach Geretsried fahren müsste.“ Das muss Hofherr bis auf Weiteres aber nicht befürchten: Auf Nachfrage betont Manfred Gasteiger, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank im Oberland, dass in diese Richtung nichts geplant sei.

Von der Neuregelung bei der Sparkasse nicht betroffen sind übrigens die Kunden von morgen: „Die Kinder können ihre Spardosen jederzeit zu uns bringen“, sagt Sprecher Willi Streicher. Schließlich handle es sich in der Regel um kleinere Beträge. Das Vier-Augen-Prinzip sei da nicht unbedingt nötig.

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