Nach 24 Jahren endet im Juni ein ganz besonderes Sparkassen-Kapitel in der Tölzer Altstadt: Dann wird die Geschäftsstelle im sogenannten Richter-Haus geschlossen und zu einer SB-Stelle umgewandelt. In die Räume im Erdgeschoß und ersten Stock soll dann wieder Einzelhandel einziehen.
Bad Tölz – Die Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen will angesichts der Veränderungen im Bankensektor auch künftig selbstständig und Marktführer im Landkreis bleiben und hat sich deshalb eine Neuausrichtung des Unternehmens verordnet. Dazu gehören auch Schließungen von Standorten. Aus zur Hochzeit 31 Geschäfts- und Zweigstellen im Landkreis werden nach den Worten von Pressesprecher Willi Streicher sechs große Beratungscenter, 13 Geschäfts- und 8 SB-Stellen.
Ein prominenter Standort, der in Tölz dran glauben muss, ist die Tölzer Altstadt-Filiale in der Fußgängerzone Marktstraße. Der Grund sind die „veränderten Bedingungen in der Bankenlandschaft“. Streicher zeigt eine Statistik, die in den vergangenen Jahren einen Rückgang von fast 39 Prozent bei den Kundenbesuchen vor Ort nachweist. „Durchschnittlich kommt der Kunde noch einmal im Jahr in seine Filiale“, sagt Streicher. Das Kundenverhalten hat sich nicht zuletzt wegen der Digitalisierung enorm verändert.
Die Sparkasse begegnet dem mit der „Multikanal-Strategie“. Streicher übersetzt das mit: „Filiale, online, am Telefon oder auf der SB-Schiene: Egal, auf welchem Weg der Kunde kommt, wir bedienen ihn.“
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Die 4000 Geschäftskonten der Altstadt-Filiale wandern nun in das neue Beratungscenter Badeteil. Es ist neben dem Sparkassen-Center am Bahnhof das zweite in Tölz. Das Badeteil wird das nächste halbe Jahr umgebaut und soll deutlich „heller und moderner“ werden. „Wir investieren also auch und schließen nicht nur.“ Inhaltlich ändert sich, dass im Beratungscenter künftig alle Kompetenz gebündelt ist. Die 14 Mitarbeiter der Altstadt-Filiale werden im Badeteil integriert. Die Verlagerung der Schließfächer ins Badeteil hat bereits begonnen.
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Wie ist die Reaktion der Kunden? Man habe Gespräche im Vorfeld geführt. „Wenn der Berater mitgeht, gehe ich auch zum anderen Standort“, sei der Tenor, sagt der Sparkassen-Sprecher.
Was wird aus den Flächen? Vorne, wo jetzt schon der SB-Bereich ist, wird er auch künftig sein. Allerdings aufgepeppt durch einen sogenannten Deposit-Tresor, wo die Geschäftsleute der Stadt das Bargeld schneller und sicherer einzahlen können als an den Automaten. Die Ladenfläche hinter dem SB-Bereich sowie im ersten Stock wird vermietet. Ende Juni sollen Schließung und Neueröffnung über die Bühne gehen. Seit Bekanntwerden der Schließungspläne gab es Blindanfragen, berichtet Streicher. Es gebe derzeit mehrere Interessenten. Über Branche oder Herkunft wollte sich Streicher nicht äußern. „Das steht noch nicht fest.“ Nur: Man wolle damit auch das Tölzer Einzelhandelsangebot stärken.
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Streicher erinnerte daran, dass die Umwandlung des ehemaligen Kaufhauses Richter in eine Sparkasse vom Tölzer Einzelhandel sehr skeptisch gesehen wurde. Das war 1991, als die Sparkasse das ehemalige Modehaus erwarb und äußerst zeit- und kostenintensiv bis zum Sommer 1995 umbaute.
Eines der größten Probleme war die Nähe zur Stadtpfarrkirche. Die Bauarbeiten im Untergrund verursachten Erschütterungen, die zu Rissen in der Kirche führten. Umgekehrt wurden durch die Glocken Schwingungen erzeugt, die beim Bau des empfindlichen Tresorbereichs der Bank berücksichtigt werden musste.