Corona

Masken selbst nähen: Landratsamt verteilt Stoff an Kommunen

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Mitarbeiter der Stadt helfen beim Zuschneiden von 130 laufenden Metern Stoff. Das Foto zeigt (v. li.) Kerstin Germandi (Vital-Zentrum) und die Tourist-Info-Angestellten Gabriela Rost, Birgit Groß und Carolin Fischer.

Pro Kommune hat das Landratsamt am Mittwoch Stoff-Pakete mit mindestens 50 Laufmetern ausgegeben. Freiwillige sollen das Material zu Masken verarbeiten.

Bad Tölz – In Österreich gilt seit Mittwoch beim Einkaufen Maskenpflicht. In Deutschland ist man davon noch ein gutes Stück entfernt – allein schon, weil der Markt leergefegt ist. Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hat deshalb dazu aufgerufen, Masken selbst zu nähen und entsprechende Produktionsstätten im Land zu etablieren. Nun sind die von ihm angekündigten Stoffe für das Nähen von Mund- und Nasenbedeckungen auch in der Region angekommen – und schon wieder verteilt. Das teilt das Landratsamt mit. Pro Kommune wurden Pakete mit mindestens 50 Laufmetern ausgegeben.

„Vor Ort können die Städte und Gemeinden den Stoff nun an Freiwillige, die sich bei den jeweiligen Kommunen für das Nähen der Masken zur Verfügung gestellt haben, verteilen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Stoffe besäßen zwar keine Filterfunktion und somit keine Schutzwirkung vor Viren. „Wer trotzdem freiwillig eine Maske trägt, schützt vor allem andere vor einer Ansteckung“, sagt Dr. Stephan Gebrande, Leiter des Gesundheitsamts Bad Tölz-Wolfratshausen, und erklärt: „Man verteilt mit einer Mund- und Nasenbedeckung die Tröpfchen schlichtweg weniger, wenn man hustet oder niest.“

Mitarbeiter der TI schneiden den Stoff zurecht

Die Stadt Bad Tölz hat gleich 130 laufende Meter von dem Vliesstoff bekommen. Laut Pressesprecherin Birte Otterbach helfen 13 Mitarbeiter der Tourist-Information beim Zuschneiden. Danach gehen die Rohlinge an Andrea Raible. Die Tölzerin hat mit einer Arbeitskollegin und drei Nachbarinnen einen Kreis an Freiwilligen ins Leben gerufen, der nach den offiziellen Vorgaben die Masken näht. „Das ist recht einfach, ein Viereck mit drei Falten, vier Bändel dran, fertig“, sagt die Diplom-Kauffrau lachend. „Wenn wir weiteren Stoff bekommen, haben wir über die Plattform ,Unser Tölz‘ schon einen großen Pool an Personen, die ebenfalls noch ins Nähen einsteigen könnten.“

Die Masken sind vor allem für die systemrelevanten Einrichtungen der Stadt bestimmt, sagte Josef Janker in der Sitzung des Stadtrats am Dienstag. Der Bürgermeister führte als Beispiel die Feuerwehr an. „Bei denen brennt’s wirklich.“ Die Männer müssten in ihren Löschfahrzeugen äußerst beengt zu den Einsätzen fahren. „Das geht nicht.“ Der Rathaus-Chef nannte als weitere Empfänger auch das Rathauspersonal, etwa im Einwohnermelde-, im Standes- sowie im Friedhofsamt. Auch die Stadtwerke sollen Masken erhalten.

Die drei Vliesstoff-Ballen sind Janker noch nicht genug. Er hat bereits weitere beim Landratsamt beantragt, um zum Beispiel auch dem Bayerischen Roten Kreuz helfen zu können. Das Landratsamt selbst wolle vor allem die Pflegeheime beliefern.

Janker ist die praktische Hilfe in der Zeit der Pandemie eine Herzensangelegenheit: „Viele von uns sitzen zu Hause und fühlen sich angesichts der dynamischen Entwicklung dieser Krise machtlos“, sagt er. Andererseits gäbe es in Tölz so viele Menschen mit besonderen Talenten, die diese gerne zur Hilfe der Gesellschaft einsetzen möchten. „Meine Aufgabe sehe ich darin, Projekte anzustoßen, die eine wirkliche Hilfe vor Ort bedeuten“, betont Janker. „Nur gemeinsam können wir die Krise überstehen.“  sis/chs

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