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Melina Staarschließen
Ostern in Zeiten von Corona einzuläuten, ist kein einfaches Unterfangen. Die Pfarreien geben den Gläubigen nun aber Wegweiser, was momentan möglich ist.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Traditionell werden am Palmsonntag, dem Sonntag vor Ostern, im Rahmen der Messe Palmbuschen geweiht. Derzeit finden jedoch aufgrund der Corona-Pandemie keine Gottesdienste statt. Viele Gläubige fragen sich nun, wie diese Tradition aufrechterhalten werden kann.
Darüber haben sich die Pfarreien viele Gedanken gemacht. „Vom Bistum haben wir die Empfehlung bekommen, dass in den Familien gebetet werden soll“, sagt Dekan Thomas Neuberger, der für den Pfarrverband Reichersbeuern-Gaißach sowie Dietramszell zuständig ist. „Um alles einzuhalten, was derzeit auferlegt ist, gibt es keine andere Möglichkeit.“ Denn auch in der Kirche müsse der Abstand von eineinhalb Metern zu anderen Menschen eingehalten werden.
Deshalb gibt es nun Hausgottesdienste oder auch Gebete, die in den Kirchen ausliegen und mitgenommen werden können. Livestreams oder Fernsehgottesdienste würden ohnehin angeboten. Natürlich sei es schwer, gerade für die Kirche, die traditionell direkt mit den Menschen arbeite, sagt Neuberger. „Wir sind in Gedanken bei den Gläubigen. Aber uns sind momentan die Hände gebunden.“ In den Familien sei dies nicht der Fall: Dort könne gemeinsam gebetet werden.
Gläubige dürfte Regelung hart treffen
Aus diesem Grund stellt auch der Pfarrverband Bad Tölz im Laufe der Woche die Vorlage für ein Hausgebet unter www.pfarrverband-bad-toelz.de auf seine Homepage. „Die Palmbuschen werden heuer nicht offiziell geweiht“, bedauert Pfarrer Peter Demmelmair. Anders gehe es aber nicht, weil Kontakte ansonsten nicht vermieden werden könnten. „Und auch die Kirche ist kein steriler, rechtsfreier Raum“, sagt Demmelmair. Auch hier müsse man das Versammlungsverbot einhalten.
Viele Gläubige dürfte es hart treffen, dass die Buschen nicht geweiht werden und auch nicht verteilt werden sollten. Demmelmair zufolge ist der Brauch in der Region fest verankert. In den vergangenen Tagen erreichten das Pfarrbüro zahlreiche Anfragen, wie die Regelung heuer aussieht. Nun ist klar: Es läuft auf einen Hausgottesdienst hinaus. Ob und wem die Kinder die Buschen übergeben, liege in der Verantwortung der Eltern, sagt Demmelmair. Der Stadtpfarrer hofft aber, dass die Erziehungsberechtigten das Kontaktverbot einhalten – und man im kommenden Jahr wieder zum normalen Prozedere zurückkehren könne.
Ein Film von Diakon Baumann
Diakon Joachim Baumann hat für die Gläubigen in Reichersbeuern, Gaißach und Greiling derweil einen kleinen Film aufgenommen. Darin erklärt er die Bedeutung der Palmbuschen und auch, warum es momentan nicht möglich ist, auf gewohnte Weise den Segen zu erhalten. Zudem möchte Baumann die Menschen auf etwas aufmerksam machen: „Jeder Getaufte und Gefirmte kann segnen.“
Neben dem Film hat Baumann einen eigenen Text verfasst, der nun überall ausgelegt oder verschickt wird. „Niemand möchte am vertragenen Palm ein Virus überbringen“, schreibt er darin. Er rät explizit davon ab, durchs Dorf zu gehen und nachzufragen, wer einen Palmbuschen haben möchte. „Ja, das Palmbuschentragen ist wichtig. Aber andere Zeiten brauchen andere Antworten. Nächstes Jahr schaut wieder alles anders aus.“
Und es gebe eine Möglichkeit, wie gemeinsam in die Karwoche gestartet werden kann: Am Palmsonntag werden in Gaißach um 8.30 Uhr, in Reichersbeuern um 9 Uhr die Kirchenglocken läuten. In Greiling bereits am Palmsamstag um 19 Uhr. „Danach erklingt a stade Weis’, und ich werde symbolisch in alle vier Himmelsrichtungen Weihwasser sprengen. Machts eire Fenster auf oder sats im Garten – so beginnen wir in gebührendem Abstand und doch mitanand die Karwoche“, schreibt Baumann in seinem Text.
Die Buschen in die Kirchen zu tragen, wird am Palmsonntag auch in Benediktbeuern nicht möglich sein. In einem Schreiben des Bistums Augsburg wird dringend davon abgeraten, teilt Pfarrer Heiner Heim mit. Die Kirchen aber seien dennoch geöffnet. „Bis abends besteht die Möglichkeit zum persönlichen Gebet.“ Auch ein Zettelkasten steht bereit, in den man persönliche Anliegen einwerfen kann. „Das wird in die Fürbitten im Kloster mit reingenommen.“
Wie Pastoralreferent Christoph Freundl aus Lenggries mitteilt, kann auch im Brauneckdorf am Sonntag kein öffentlicher Gottesdienst mit Segnungen stattfinden. Auch er fordert die Gläubigen auf, in der Familie oder für sich zu feiern. Vorschläge dafür liegen in gedruckter Form in der Kirche aus oder sind auf der Homepage zu finden.
Weitere Informationen gibt es auf den Homepages der Pfarreien. Das Video von Diakon Joachim Baumann ist zu finden unter: https://youtu.be/HysuxY2W2Tc

