Auf Probefahrt mit dem Landrat

Mehr Busse, längere Betriebszeiten: Bessere Verbindungen zwischen Bad Tölz, Geretsried und Wolfratshausen

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Bitte einsteigen: Fahrer Senad Causevic nahm Landrat Josef Niedermaier (li.) und Fachbereichsleiter Matthias Schmid mit auf seine Tour von Bad Tölz Richtung Wolfratshausen. Die beiden wollten auf das verbesserte Angebot auf der Buslinie hinweisen.
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Deutlich mehr Busse fahren seit Sonntag zwischen Bad Tölz, Geretsried und Wolfratshausen, mindestens einer pro Stunde. Der erste startet früher am Morgen, der letzte später am Abend. Landrat Josef Niedermaier lud jetzt zur Probefahrt ein.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Tsenaji und Rediet, zwei Männer mittleren Alters, sitzen am Dienstagvormittag im Bus der Linie 379 und fahren von ihrem Wohnort Bad Tölz zur Arbeit nach Geretsried. Ihr Leben und das vieler anderer Pendler ist jetzt ein Stück leichter geworden. Denn zwischen Bad Tölz, Geretsried und Wolfratshausen verkehren seit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember Busse im Stundentakt, und zwar zwischen 6.30 und 22.30 Uhr. Aus Sicht des Landratsamts ist das ein erster großer Schritt, um den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) attraktiver zu machen.

Das Beispiel von Tsenaji und Rediet, die beide kein Auto besitzen, zeigt, vor welchen Herausforderungen ÖPNV-Nutzer manchmal stehen. „Ich musste mit meinem Chef reden. Ich durfte eine Stunde früher gehen, damit ich nach Feierabend am Schulzentrum den letzten Bus nach Bad Tölz erwische“, berichtet Rediet. Und wenn der trotzdem davonfuhr? Sitznachbar Tsenaji erzählt, dass er nach ungünstigen Schichten manchmal zuerst nach Wolfratshausen und dann per S-Bahn und BOB über Siemenswerke, Deisenhofen und Holzkirchen wieder nach Bad Tölz fuhr – eine Odyssee mit viermaligem Umsteigen, um die rund 20 Kilometer zurückzulegen.

„Verkehrswende gelingt nur mit attraktivem ÖPNV“

Heuer nun hat der Kreistag eine deutliche Ausweitung der Busverbindungen zwischen Bad Tölz, Geretsried und Wolfratshausen beschlossen. Um auf das neue Angebot hinzuweisen, sind an diesem Vormittag neben Tsenaji und Rediet und einer Handvoll weiterer Passagiere auch Landrat Josef Niedermaier, Matthias Schmid, Fachbereichsleiter ÖPNV im Landratsamt, sowie Behörden-Sprecherin Marlis Peischer mit an Bord. Sie wollen Pressevertretern einen Live-Eindruck verschaffen.

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„Von Montag bis Samstag gibt es jetzt täglich neun Fahrten mehr, am Sonntag sechs zusätzliche Verbindungen“, erklärt Marlis Peischer. Das lässt sich der Landkreis einiges kosten. Das Betriebskostendefizit der Linie steigt um 390.000 auf 980.000 Euro. Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf werden einen Teil davon wieder zurück in die Landkreis-Kasse spülen – wie viel genau, wird sich zeigen. Bis dato trug sich die Linie – eine der meistgenutzten im Landkreis – zu 90 Prozent selbst, wie Schmid erläutert.

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„Wir werden die Verkehrswende nur schaffen, wenn wir den ÖPNV attraktiv machen“, betont Niedermaier. Die Taktverdichtung und -ausweitung auf der wichtigen Nord-Süd-Achse zwischen den Städten sei dafür ein „Meilenstein“. „Wenn mich meine Schwester in Geretsried sonntags zum Kaffee einlädt, hatte ich nie die Überlegung, mit dem Bus zu fahren“, sagt der Landrat. „Aber wenn der Bus zügig und im Stundentakt fährt, ist es eine Alternative.“

Schmid betont: „Wir schaffen zuerst ein Angebot, um damit eine Nachfrage zu generieren.“ Dafür brauche man freilich Geduld. In drei bis vier Jahren solle bewertet werden, wie sich die Fahrgastzahlen entwickelt haben.

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Den Fahrgast kostet eine Fahrt von Bad Tölz nach Wolfratshausen übrigens einzeln 5,80 Euro, die Wochenkarte schlägt mit 22,10, die Monatskarte mit 79,10 Euro zu Buche. Die Fahrt von Tölzer Isarkai bis zum Wolfratshauser Bahnhof dauert 30 bis 41 Minuten.

Niedermaier hat derweil die nächsten Ziele im Auge: bessere Querverbindungen, etwa durch den geplanten „Alpenbus“, „damit man von Tölz auch in Richtung Penzberg, Weilheim und Rosenheim weiterkommt“. Ebenfalls am Herzen liegt ihm die Umsetzung einer Ringverbindung zwischen den S-Bahn-Armen. Und dann ist da natürlich noch das Projekt Ausdehnung des MVV-Bereichs, der bislang nur in der nördlichen Landkreis-Hälfte gilt.

Rentnerin Irmgard Frey, die heute im Bus das Stück vom Tölzer Isakai nach Hause ins Badeteil mitfährt, denkt vorerst in kleineren Dimensionen. „Wenn ich zur Schnecke rauf muss, zum Arzt oder zu den Behörden, dann könnte ich nur bis zum Bahnhof fahren und dann zu Fuß gehen. Das geht in meinem Alter nicht. Ich brauche da immer ein Taxi“, sagt sie. In Sachen ÖPNV gibt es eben auf allen Ebenen einiges zu tun.

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