„Meilenstein für die Mobilität im Landkreis“

Miesbacher Kreistag besiegelt MVV-Beitritt

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Mit dem MVV-Beitritt gehen auch abgestimmte Fahrpläne einher. Der Umstieg von der Bahn auf den Bus und umgekehr wird damit leichter. Unsere Aufnahme entstand am Gmunder Bahnhof.
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Der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) startet am 10. Dezember auch im Landkreis Miesbach. Der Kreistag hat dafür den Weg freigemacht. ÖPNV-Kunden werden profitieren.

Landkreis – Nun ist es amtlich: Der Landkreis Miesbach wird am 10. Dezember dieses Jahres dem Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) beitreten. Der Beschluss in der Sitzung des Kreistags fiel am Donnerstagnachmittag einstimmig. Zuvor hatte bereits der Kreisentwicklungsausschuss eine entsprechende Empfehlung abgegeben. Verwaltung und Kreisräte sprachen von einem „Meilenstein für die Mobilität im Landkreis“, waren sich aber auch einig, dass es nur der Startschuss ist. Für eine Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) müssen viele weitere Schritte folgen.

MVV sieht sich als Dienstleister

Der MVV bietet den Rahmen für eine Verbesserung der Infrastruktur, einheitliche Preise und abgestimmte Fahrpläne. „Wir sind diesbezüglich Dienstleister unserer Gesellschafter“, erläuterte Markus Haller, Bereichsleiter Konzeption beim MVV. „Als Aufgabenträger ist der Landkreis weiter für das Angebot zuständig.“ Das untermauerte auch Andrea Ladewig, die als Leiterin der Stabsstelle Mobilitätsentwicklung am Landratsamt die Modalitäten des MVV-Beitritts vorstellte. „Der MVV-Beitritt bedeutet nicht, dass die bestehenden Anbieter etwas befürchten müssen“, sagte sie. „Es braucht weiter starke Verkehrsunternehmen.“

Angebot zielstrebig ausbauen

Als „Startschuss für einen verbesserten ÖPNV“ bezeichnete deshalb auch Cornelia Riepe (Grüne) die MVV-Mitgliedschaft. „Mit dem Beitritt fährt noch keine Buslinie mehr“, erinnerte sie. „Mit der Energie, die wir jetzt an den Tag gelegt haben, müssen wir zielstrebig dabeibleiben und das Angebot ausbauen.“ Birgit Eibl (FW) setzte diesbezüglich große Hoffnungen in das von den Freien Wählern forcierte Mobilitätskonzept. Derzeit wird das Leistungsverzeichnis erstellt, im September folgt die Ausschreibung.

Plädoyer für das Seniorenticket

CSU-Fraktionssprecher Christian Köck bezeichnete den MVV als Rahmen. Den Inhalt für das Bild müsse der Landkreis nun selber liefern. Er bat dringend darum, das Seniorenticket nicht unter den Tisch fallen zu lassen. Bekanntermaßen ist das bisherige Modell der Seniorenkarten im MVV-Tarifsystem nicht abbildbar, da es bereits eine Seniorenkarte, die Isarcard 65, gibt. „Wir müssen eine technische Lösung finden, die finanziell auch machbar ist“, sagte Köck. Landrat Olaf von Löwis (CSU) zeigte sich zuversichtlich: „Wir sind kreativ und werden eine Möglichkeit finden, das Angebot für Senioren aufrechtzuerhalten.“ Bei den Gästekarten sei man bereits auf einem guten Weg.

SPD mahnt sozialverträgliche Tarifgestaltung an

SPD-Fraktionssprecherin Christine Negele wünschte sich eine sozialverträgliche Tarifgestaltung. Sie regte ein 365-Euro-Ticket auch für Sozialleistungsbezieher ein. Im MVV-Bereich wird ein solches Ticket zunächst nur für Schüler und Auszubildende angeboten. Olaf Fries (ÖDP) forderte wie schon im Kreisentwicklungsausschuss, eine Art Umweltverbund zu schaffen, in dem auch andere Verkehrsmittel wie Leihrad oder Car-Sharing-Angebote berücksichtigt werden. MVV-Bereichsleiter Haller sah genau hier eine der Stärken des MVV: „Wir unterstützen beim Ausbau eines solchen Angebots.“

Parkplätze an den Haltestellen schaffen

Selbiges gelte auch für die Beratung der Kommunen in Sachen P+R-Parkplätze, so Haller. Josef Lechner (CSU) sieht hier eine der Herausforderungen: „Die Gemeinden werden Parkplätze an den Haltestellen schaffen müssen.“ Entlastung könnte hier zumindest der Landkreis-Norden erfahren. Robert Wiechmann (Grüne): „Von Tölz aus muss niemand mehr mit dem Auto zum Holzkirchner Bahnhof fahren.“

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