Sechs Politiker im Waitzinger Keller

Verbaler Schlagabtausch auf der Bühne: So verlief die Podiumsdiskussion der Landtagsdirektkandidaten

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Bereit für den verbalen Schlagabtausch: Die Kandidaten zu Beginn der Podiumsdiskussion, die im Wesentlichen sachlich verlief.

Eine Bühne, sechs Kandidaten, eine enorme Themendichte: Die Podiumsdiskussion der Heimatzeitung mit sechs Landtagskandidaten im Waitzinger Keller bot zwei Stunden eine Fülle von Inhalten. Rund 200 Gäste verfolgten das Geschehen.

Miesbach – Die smarte Berufspolitikerin, der Förster und Waldliebhaber, ein aufstrebender Junger, der Bodenständige, der Wirtschaftsfachmann und einer, der sich als Aufrüttler sieht. Es waren recht klare Rollenbilder, die sich bei der Podiumsdiskussion der Landtagsdirektkandidaten in Miesbach zeigten. Zwei Stunden lang standen Ilse Aigner (Feldkirchen-Weterham, 58 Jahre, CSU), Gerhard Waas (Schliersee, 60, Grüne), Bruno Peetroons (Holzkirchen, 23, SPD), Martin Rosenberger (Bayrischzell, 37, FW), Dirk Kreder (Holzkirchen, 56, FDP) und Jurij Kofner (Grünwald, 35, AfD) im Waitzinger Keller Rede und Antwort. Ein Abend mit dichter Themen-Taktung. Um die Runde nicht zu groß werden zu lassen, hatte unsere Zeitung sie auf die im Landtag vertretenen Parteien beschränkt.

AfD-Mann Kofner recht monothematisch unterwegs

Viele waren sicher gespannt, wie sich Kofner verkaufen würde. In Grünwald lebend, war er ja vor diesem Wahlkampf im Landkreis nicht in Erscheinung getreten. Nun: Der AfD-Mann hatte sich vorbereitet und wusste, was er loswerden wollte. Nämlich, dass der Freistaat viel zu viel Geld für das Falsche ausgebe und die Steuern runter müssen. Bei der Frage nach den wichtigsten Punkten für den Landkreis nannte Kofner zunächst „Masseneinwanderung stoppen“, und auch bei anderen bediente sich der AfD-Mann der Formulierungen aus dem eigenen Programm und dem seiner Partei und ließ dabei lokale Spezifika außen vor. Den paar mitgebrachten Unterstützern gefiel’s, ansonsten gab es wenig Zustimmung für seine Positionen.

Für alle wichtig: Bezahlbarer Wohnraum

Was alle als enorm wichtig für den Landkreis nannten, war das Thema bezahlbarer Wohnraum. Peetroons will hier vor allem die Kommunen gestärkt wissen, ähnlich Waas, der „Zinsverbilligung für kommunalen Wohnungsbau“ sowie „einfache gute Förderrichtlinien und hohe Fördersätze“ fordert. Dass es baulich mehr in die Höhe gehen muss, sieht auch Rosenberger so, und womöglich fasste Kreder treffend zusammen: „Wir müssen alle Register ziehen.“ Dass „die Übertragung des Elternhauses an die nächste Generation freizustellen ist“, wie Aigner es formulierte, war weitgehender Konsens, wobei Petroons noch einwarf, dass eine teure Immobilie an Tegernsee oder Schliersee dann nicht als Spekulationsobjekt dienen dürfe.

Verkehr und Tourismus: Das Angebot muss breiter werden

„Alle Register ziehen“, das forderte Rosenberger auch beim Thema Mobilität und Tourismus. Recht unbestritten in der Runde, dass der Individualverkehr reduziert werden muss – zugunsten von Bus und Bahn, aber auch mit weiterreichenden Angeboten. Das Erfolgsmodell hoki in Holzkirchen wurde hier mehrfach genannt, aber zum Beispiel auch das Thema Radlverleih, damit Ausflügler an Bahnstationen auch weiterkommen. Waas nannte dies, und Aigner stimmte zu: „Es hilft nichts, wenn die Leute nur von A nach B kommen.“

Gut besucht: Rund 200 Gäste wollten im Waitzinger Keller hören, was die Landtags-Direktkandidaten zu sagen haben. Im Vordergrund Ilse Aigner, die ihr Mandat verteidigt, und Grünen-Herausforderer Gerhard Waas.

Nicht jeder konnte zu den größeren Themenkomplexen nach Belieben Stellung nehmen. Um das Gespräch kompakt zu halten, stellte Moderator Stephen Hank, Redaktionsleiter der Heimatzeitung, gezielte Fragen. Ausnahmen waren die sogenannten X- (vormals Twitter) Runden, bei denen die Kandidaten zu ein- und demselben Thema ihre Position in Kurzform darstellen konnten, etwa zur Digitalisierung der Schulen oder zum Bürokratieabbau. Die Haltungen unterschieden sich – Kofner teils ausgenommen – hier nur in Nuancen.

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Skepsis beim Thema Windkraft - und Freiflächen-PV erstmal an der Autobahn

Ein größerer Komplex war dann wieder das Thema Energie und Wirtschaft. FDP-Mann Kreder vertrat hier die Auffassung: „Ich bin äußerst skeptisch, was die Windkraft angeht. In Bayern bringen Windräder maximal 40 Prozent der Leistung wie in der Nordsee.“ Dort würden diese Anlagen hingehören, wobei es dann natürlich auch Trassen in den Süden brauche. Was Freiflächen-Photovoltaik anbelangt, warnten Peetroons und Rosenberger davor, dies in die Hände von Investoren zu geben. Die Versorgung mit billiger Energie sei kommunale beziehungsweise staatliche Aufgabe. Waas wiederum warf sein Steckenpferd Agri-PV in die Runde, also die gleichzeitige Nutzung von Flächen zur Stromernte und für die Landwirtschaft. Kofner kritisiert im Zusammenhang mit den Erneuerbaren den Flächenfraß. Weitere Themen waren unter anderem die Zukunft der Bahn im Oberland und der Umgang miteinander (siehe Zitate auf Landkreis).

Lesen Sie hier, was die Kandidaten alles wortwörtlich gesagt haben.

Schlussworte: Kandidaten stellen ihre Schwerpunkt in den Mittelpunkt

In ihren Schlussworten unterstrichen die Kandidaten ihre Rollen, in denen man sie zuvor erlebt hatte. Aigner verwies auf ihre 30-jährige Erfahrung in der Politik bis hin zur Bundesebene. „Wenn ich da etwas gelernt habe, dann, dass man nachhaltige Lösungen nur erreicht, wenn man alle mitnimmt.“ Waas erklärte: „Wenn meine Recherchen richtig sind, bin ich der einzige aktive Förster, der in für den Landtag kandidiert.“ Dort wolle er sich für den Wald einsetzen. Rosenberger unterstrich die FW-Linie: „Wir machen Politik mit Herz, Hirn und Verstand, wir haben das Ohr nah am Bürger.“

Peetroons wiederum sah sich als Anwalt der Jugend und Heranwachsenden: „Ins Parlament gehören unterschiedliche Generationen.“ Er wolle die Belange von Studenten und Auszubildenden in der bayerischen Politik vertreten. Kofner insistierte: „Die AfD hat die fundamentalen Lösungen, die das Land braucht.“ Kreder schließlich zu seinem Schwerpunkt: „Ich habe mich als Kind aus einem eher bildungsfernen Elternhaus aufgrund der günstigen bildungspolitischen Rahmenbedingungen entwickeln können. Das wünsche ich jedem jungen Bayern.“

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