VonNora Linnerudschließen
Der Föhnsturm vor gut sechs Wochen ließ Bäume in den Landkreis-Wäldern umknicken wie Streichhölzer. Die Aufarbeitung der Schäden ist langwierig und gefährlich.
Lenggries – Regen prasselt auf das Auto von Florian Loher, als er Richtung Lenggries und dann weiter nach Fleck fährt. Im Ort biegt der Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung (WBV) Wolfratshausen links ab und fährt durch den Regen in den Wald. Loher lenkt das Auto ins Seekarspitzen-Gebiet. Das Auto ruckelt und poltert über Waldwege hinauf Richtung „Bauernrast“ und plötzlich wird aus dem Regen Schnee – und für das Auto geht es nicht mehr weiter.
Über dem Forstweg ist ein Surren zu hören und ein langes Stahlseil ist sichtbar zwischen den Wipfeln gespannt: Seil und Geräusch gehören zu einer Holzseilbahn, mit der Schadholz aus steilen Berghängen geborgen werden kann. Am unteren Ende der Seilbahn steht Michael Rommelmaier und zersägt in beißender Kälte das mit einem gelben Laufwagen auf dem Stahlseil anrollende Holz, um es mit seinem schweren „Rückezug“ später ins Tal zu bringen.
„Von Anker zu Anker ist die Bahn zirka 400 Meter lang“, berichtet der Waldarbeiter. Als Anker dienen zwei Bäume, die wiederum mit Stahlseilen – ähnlich wie bei einem Zelt – abgespannt und mithilfe eines weiteren Baums gesichert sind. Rommelmaier und drei andere Waldarbeiter sind schon seit halb 8 Uhr morgens am Berg, um mit der Holzseilbahn Bäume aus dem Hang zu holen, die umknickten, als vor gut sechs Wochen ein heftiger Föhnsturm im Landkreis gewütet hatte. Warum das so wichtig ist, erklärt der WBV-Geschäftsführer: „In umgeknickten Fichten kann sich der Borkenkäfer leicht einnisten und dann auf die umstehenden Fichten übergreifen.“ Der Käfer bevorzugt warmes, trockenes Klima. Deswegen beseitigen die Arbeiter die umgeknickten Bäume im kalten Winter und im Frühjahr. „Es ist sehr gefährlich, Sturmholz aufzuarbeiten, besonders im Hang“, so Loher. Die WBV helfe ihren Mitgliedern dabei mit Informationen und auch mit der Vermittlung von Waldarbeitern.
400 Meter von Rommelmaier entfernt kauert Max Oberleitner unter einer Plane am oberen Ende der Holzseilbahn, um sich vor dem nasskalten Wetter zu schützen. Der 25-Jährige sitzt vor einer Seilwinde mit Dieselmotor, immer die Hand am Funkgerät. „Ich ziehe die Seilwinde rauf, und lasse wieder Seil nach, je nach dem was der Chef mir per Funk sagt“, so Oberleitner. Der „Chef“ ist mit einem weiteren Waldarbeiter im Hang, schneidet umgeknickte Bäume zu und hängt sie in der Baumseilbahn ein, damit die Stämme nach unten geschafft werden können. Wild sieht der Wald hier aus, Stämme, Wurzelwerk und Äste liegen seit dem Sturm übereinander.
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Nur 20 Festmeter Holz bekommen die Arbeiter mit der Holzseilbahn am Tag aus dem Hang hinunter ins Tal. „Das ist fatal wenig“, so Loher. „Im Flachland schafft man täglich 250 Festmeter Holz zu verarbeiten.“ Dennoch ist die Arbeit wichtig: Denn je mehr Fichten im Wald stehen, desto größer sei die Gefahr eines Borkenkäferbefalls nach Sturmschäden. „Wir raten unseren Mitgliedern deswegen zu maximal 30 Prozent Fichte in den Wäldern und dazu 40 Prozent Tanne, 20 Prozent Buche und zehn Prozent Berg-Ahorn“, so Loher.


