Schul-Streit

Mittelschul-Debatte in Wolfratshausen: 1100 Unterschriften für fünfte Klasse in Waldram

+
An der Grund- und Mittelschule Waldram soll es im kommenden Schuljahr keine fünfte Klasse geben. Bei den Waldramer Eltern sorgt das für Gegenwind. Enttäuscht, dass keine Entscheidung fällt Stellt die Gruppe einen Bürgerantrag ?
  • schließen

Die Zusammenlegung der fünften Klassen stößt auf Kritik. Am Dienstag ist sie erneut Thema im Stadtrat. Waldramer Eltern haben zuvor Unterschriften übergeben.

Waldram – Die Argumente wurden schon ausgetauscht, an der Situation hat sich aber nichts geändert. Die angehenden Fünftklässler der Waldramer Grund- und Mittelschule sollen im kommenden Schuljahr am Hammerschmiedweg unterrichtet werden. Dort werden zwei fünfte Klassen gebildet, in Waldram keine – so die Beschlusslage des Stadtrats.

Alle fünfte Klassen am Hammerschmiedweg: Entscheidung sorgt bei Eltern für Frust

Eine Waldramer Elterninitiative geht gegen diese Entscheidung auf die Barrikaden. Am Freitag hat die Gruppe um Elisabeth Brustmann, Stephanie Hanna-Necker und Michael Hanak eine Unterschriftenliste an Bürgermeister Klaus Heilinglechner übergeben. Etwa 1100 Unterstützer hat die Gruppe gesammelt – und macht sich weiter stark für den Erhalt der fünften Klasse am Standort Waldram. Am kommenden Dienstag wird sich der Stadtrat erneut mit dem Thema befassen. Große Hoffnungen haben die Waldramer Eltern aber nicht.

Mittelschul-Debatte in Wolfratshausen: 1100 Unterschriften für fünfte Klasse in Waldram

Auf der Tagesordnung der Gremiumssitzung ist lediglich eine Information zu der Entscheidung eingeplant. „Wir sind froh, dass das Thema nochmals aufgenommen wurde“, sagt Brustmann, „aber etwas enttäuscht, dass es keinen Beschluss geben wird.“ Für das Waldramer Trio steht fest: Der Kulturausschuss hat eine schnelle, falsche Entscheidung getroffen.

In einem Interview mit unserer Zeitung hatten Bürgermeister Klaus Heilinglechner und Schulreferent Fritz Meixner die Beweggründe für die Zusammenlegung im kommenden Schuljahr erklärt. Die Ausführungen reichen den Waldramern nicht. Sie fordern, „dass wirklich alle Zahlen auf den Tisch“ kommen, so Brustmann. Sie möchte zum Beispiel die Lehrerstunden für den Schulverbund erfahren – die waren der ausschlaggebende Punkt für die Entscheidung des Kulturausschusses. In den Fächern Religion und Sport werden die Klassen aufgeteilt – nach Religionszugehörigkeit beziehungsweise nach Geschlecht. An einer Schule mit zwei fünften Klassen würden weniger Lehrerstunden benötigt, als an zwei Schulen mit je einer fünften Klasse, weil in diesem Szenario die Buben und Mädchen der 5A und 5B zusammen unterrichtet werden könnten.

Waldramer Fünftklässler sollen am Hammerschmiedweg unterrichtet werden - Eltern protestieren

Dieses Argument möchte Hanna-Necker nicht gelten lassen. Aus zwei Gründen: Zum einen, das haben die Eltern errechnet, würden in der fünften und sechsten Klasse 88 Prozent des Unterrichts vom Klassleiter gehalten – „wir reden von Einsparungen bei zwölf Prozent der Stunden“. In Waldram sei das übrigens gar nicht nötig: „Bisher wurden die fünften und sechsten Klassen in den betreffenden Fächern gemeinsam unterrichtet – das hat auch wunderbar funktioniert.“

Das Problem sei grundsätzlich nicht in Waldram zu suchen. „In Wolfratshausen sind so viele Schüler weggebrochen“, betont Michael Hanak. In Waldram gibt es seit jeher nur einen Zug pro Jahrgangsstufe – der könnte auch im kommenden Schuljahr gebildet werden. Gegenüber unserer Zeitung erklärte Rathauschef Klaus Heilinglechner, dass der stärker berücksichtigte Elternwille bei der Wahl der Schulform einen Hauptgrund für den massiven Anmeldungs-Einbruch darstelle. Hanak: „Wenn so überproportional viele Kinder wegen des Elternwillens auf die Realschule gehen, dann besteht die Möglichkeit, dass auch überproportional viele Kinder von der Realschule in die Mittelschule zurückgestuft werden.“ Am Hammerschmiedweg könnte das für ein Raumproblem sorgen – blieben die Waldramer Schüler hingegen im Ortsteil, wäre mindestens ein zusätzliches Klassenzimmer in der Altstadt frei.

Schule am Hammerschmiedweg wird saniert - „der Bedarf ist auf jeden Fall da“

Inzwischen hat Brustmann sich bei einer Führung ein Bild von der Schule am Hammerschmiedweg gemacht. „Wir möchten richtig verstanden werden“, sagt sie. Niemand von der Waldramer Elternitiative habe ein Problem mit der Einrichtung selbst. „Wir halten auch die Sanierung und Erweiterung der Schule für sinnvoll“, sagt sie. Sie habe sich selbst davon überzeugen können, „dass der Bedarf auf jeden Fall da ist“.

Wie berichtet sind an der Grund- und Mittelschule umfangreiche Bauarbeiten geplant. Die Einrichtung wird saniert und erweitert. Nach Abschluss der Arbeiten sollen alle Mittelschulklassen der Stadt am Hammerschmiedweg unterkommen. Das ist schon lange beschlossen, im Falle der Fünftklässler wurde dieser Entschluss nun lediglich vorgezogen. Dass die Waldramer Kinder nun an einen Standort umziehen sollen, an dem solche Arbeiten bevorstehen, kann das Elterntrio nicht verstehen. Selbst wenn nicht im Gebäude gebaut werde, in dem die Kinder unterrichtet werden, „ist es einfach störend“, findet Hanna-Necker. „Wenn man das Fenster aufmacht, hört man den Baulärm. Die Maschinen, Fahrzeuge und das Material müssen irgendwo gelagert werden und nehmen Platz weg.“

Schul-Diskussion in Wolfratshausen - Waldramer sehen Bürgerantrag als Option

Wie es in der Sache weitergeht ist unklar. Hanna-Necker betont, dass das Engagement der Eltern mit der Unterschriftensammlung nicht zu Ende ist. „Wenn niemand im Stadtrat aufsteht, und das Thema noch einmal angegangen wird, dann prüfen wir, wie wir weiter vorgehen.“ In der Bürgerversammlung am 12. Juli könnte sie sich einen Bürgerantrag vorstellen. Der würde den Stadtrat zwingen, sich erneut mit der Thematik zu befassen. „Genügend Leute würden wir dafür auf jeden Fall zusammen kriegen.“

Alle Nachrichten aus Wolfratshausen lesen Sie hier.

Was die Waldramer daran stören würde, wäre die erneute Verzögerung. „Es ist eh schon sehr, sehr kurzfristig“, sagt Brustmann. Hanak ist dennoch überzeugt, noch etwas bewirken zu können. „Sonst hätten wir den ganzen Aufwand nicht betrieben.“

Kommentare