Stiftung lädt ein

Literaturfestival auf Gut Nantesbuch: Maria Schrader, Robert Stadlober, Hans Magnus Enzensberger zu Gast

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Wunderschön gelegen: Das Gut Nantesbuch (Gemeinde Bad Heilbrunn).
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Die Stiftung Nantesbuch möchte unter dem Titel „Moosbrand“ jedes Jahr ein Literatur- und Musikfest in Bad Heilbrunn veranstalten. Heuer dreht sich alles um das Thema Wetter und Elemente. Bekannte Schauspieler werden Texte von renommierten Schriftstellern vortragen und laden zur Diskussion. Zudem gibt es besondere Musik.

Bad Heilbrunn – Es soll ein „elementares Fest“ der Literatur und Musik inmitten der Natur werden, kündigt die Stiftung Nantesbuch das Festival an. „Moosbrand“ wurde bereits im vergangenen Jahr von den Besuchern gut angenommen. Der Titel durfte von einer gleichnamigen Literaturzeitschrift aus den 1990er-Jahren übernommen werden. „Er ist ein Synonym, Natur und Kunst zusammenzubringen, das Verhältnis von Natur und Zivilisation künstlerisch zu betrachten und zu reflektieren“, so die Stiftung.

Das umfangreiche Programm wird heuer wieder von Brigitte Labs-Ehlert kuratiert. Dass man sich auf Nantesbuch heuer mit dem Thema Wetter beschäftigt, war ihre Idee. „Im Wetter kommt so vieles zusammen, was unser Leben ausmacht“, sagt Labs-Ehlert. „Am Wetter können wir ablesen, dass wir dringend gesellschaftlich reagieren müssen. Literatur und Musik können Alternativen aufzeigen und unsere Fantasie und Wachsamkeit anregen.“ Im Nantesbuch-Team habe man buchstäblich „in alle Himmelsrichtungen darüber diskutiert“, berichtet die Kuratorin.

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Die 67-Jährige hat unter anderem in Ostwestfalen das Literaturfest „Wege durch das Land“ begründet, das Lesungen und Konzerte an unterschiedlichen Orten – Schlösser, Landsitze und Naturschauplätze – bietet. „Ich liebe Lesungen und Konzerte unter freiem Himmel“, sagt Labs-Ehlert. „Weil man sich dann irgendwie als ein Teil in einer größeren Gemeinschaft fühlt.“

Robert Stadlober

Sowohl die Größe als auch die Programmgestaltung von „Moosbrand“ suchen im Landkreis ihresgleichen. Bekannte Schauspieler werden Gedichte und Textauszüge von renommierten Schriftstellern vortragen. So liest zum Beispiel Maria Schrader aus dem Werk „Ich bin der Wind“ des norwegischen Dramatikers Jon Fosse, und Robert Stadlober vertieft sich in Norman Macleans „Junge Männer im Feuer“. Die Geschichte handelt von 15 Studenten, die 1949 von einem Waldbrand eingeschlossen werden. Ein Höhepunkt ist sicherlich der Besuch von Hans Magnus Enzensberger, der selbst aus seinem Buch „Die Geschichte der Wolke“ lesen wird.

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Labs-Ehlert beschäftigt sich zuerst mit der Literatur, dann wählt sie den Vortragenden aus. „Ich versuche, darauf zu achten, dass verschiedene literarische Handschriften vertreten sind, auch Literatur aus unterschiedlichen Zeiten und Kulturen“, sagt die Kuratorin. „Dann suche ich den idealen Sprecher genau für diesen Text.“ Die ausgewählte Musik wiederum soll „eine besondere Spannung und Korrespondenz zur Literatur erzeugen“.

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Was will man mit „Moosbrand“ grundsätzlich erreichen? „Die Stiftung Nantesbuch möchte zeigen, wie die verschiedenen Sparten der Kunst sich mit Natur und Landschaft auseinandersetzen, und wie sich Künstler von natürlichen Prozessen und Formen in ihren Werken inspirieren lassen“, sagt Labs-Ehlert. Es gehe darum, zu fragen, wie man mit der Landschaft und ihren Bewohnern, den Pflanzen und Tieren, umgehe, sagt Labs-Ehlert. Und es gehe darum, zu sehen, „was die Kulturlandschaft, die industriell geprägte Landschaft und die Reste von Natur, wie sie vielleicht noch ganz oben in den Bergen zu finden ist, mit uns machen und in uns bewirken.“

Die Planungen fürs „Moosbrand“-Festival im kommenden Jahr laufen übrigens schon. 2019 soll dann das Thema Garten im Mittelpunkt stehen.

Das Festival im Überblick

Das Festival findet von Donnerstag, 13., bis Sonntag, 16. September, im Langen Haus der Stiftung Nantesbuch statt. Die Veranstaltungen stehen unter einem bestimmten Motto. Hier ein Überblick:
-Donnerstag, 13. September: „Die Welt in der Schwebe“. Es lesen Michael Krüger („Einfach mal“: Gedichte) sowie die beiden jungen Autoren Maximilian Zahn und Felix Reinstadler (19 Uhr). Die Eröffnung ist zugleich eine Hommage an die verstorbene dänische Lyrikerin Inger Christensen. Ihr bekanntes Gedicht „det“ („Das“) wird in einer ungewöhnlichen Besetzung vertont und uraufgeführt (20 Uhr).
-Freitag, 14. September: „Der Regen blieb aus“: Angeboten werden vier Lesungen, zum Beispiel liest Schauspieler Shenja Lacher aus Gaston Bachelard „Psychoanalyse des Feuers“ (15 Uhr) und Robert Stadlober aus Norman Macleans „Junge Männer im Feuer“ (17.30 Uhr). Zu Gast ist auch Lyriker Marko Pogacar aus Kroatien. Der Abend steht unter dem Motto „Der Berg stürzte herab“. Um 19.30 Uhr liest Schauspieler Matthias Brandt aus dem Roman „Derborence“ von Ramuz. Dazu gibt es Percussion-Musik.
- Samstag, 15. September: „Der Wind legte sich“. Ein besonderer Gast an diesem Tag ist Esther Kinsky, die für ihren Roman „Hain“ heuer unter anderem den Preis der Leipziger Buchmesse erhalten hat. Daraus liest sie um 17.30 Uhr, bereits um 11 Uhr findet mit Esther Kinsky eine Diskussion statt. Um 15 Uhr kann man die Schriftstellerin und Lyrikerin Silke Scheuermann kennenlernen, die seit 2001 fast jedes Jahr eine Auszeichnung erhalten hat. Sie trägt Auszüge aus ihrem Gedichtband „Skizze vom Gras“ vor. Am Abend heißt es „Das Wasser toste“. Ulrich Brandhoff liest aus Theodor Storms „Schimmelreiter“. Dazu gibt es Musik von Frode Haltli, ein Jazz-Folk-Avantgarde-Musiker aus Norwegen.
-Sonntag, 16. September: „Die Sonne stand tief“: Der Schriftsteller und Lyriker Hans Magnus Enzensberger liest um 11 Uhr im Langen Haus aus seinem Buch „Die Geschichte der Wolken“, 99 Meditationen über die Vergänglichkeit und das menschliche Dasein. Im Anschluss liest um 12 Uhr Schauspielerin Maria Schrader aus dem Roman „Ich bin der Wind“ des norwegischen Dramatikers Jon Fosse. Dazu gibt es Musik (Gitarre und Fagott).
Weitere Informationen zu allen Veranstaltungen sowie Karten gibt es im Internet auf www.stiftung-nantesbuch.de und unter Telefon 08046/2319115.

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