Zwei Kampfabstimmungen im neuen Moosburger Stadtrat waren nötig: Das Tauziehen um die begehrten Posten der Bürgermeister-Stellvertreter ist entschieden.
Moosburg – Am Montagabend um 19.10 Uhr hatte Josef Dollinger endgültig sein Ziel erreicht: Moosburgs neuer Bürgermeister hatte seinen Eid gegenüber dem dienstältesten Stadtrat, Martin Pschorr (SPD), geschworen und durfte auf dem Chefsessel Platz nehmen. Nach diesem Akt und der Vereidigung von sieben neuen Stadträten startete dann das in der konstituierenden Sitzung des Stadtrates obligatorische Posten-Geschacher. Der Gewinner dabei war der neue 2. Bürgermeister: Georg Hadersdorfer (CSU).
Recht einig war sich der Stadtrat noch bei der Entscheidung gewesen, dass es hinter dem Bürgermeister zwei Stellvertreter geben soll. Rudolf Heinz (CSU) betonte, dass die drei stärksten Fraktionen in dem Gremium auch jeweils einen Bürgermeister stellen sollen. Er machte aber auch deutlich, dass es unterschiedliche Sichtweisen gibt.
Konservative Doppelspitze in Moosburg
Für das Amt des 2. Bürgermeisters wurden dann Georg Hadersdorfer (CSU) und Michael Stanglmaier (Grüne) ins Rennen geschickt. Für die CSU argumentierte Heinz, dass seine Gruppierung bei der Kommunalwahl im März die meisten Stimmen erhalten habe. Johannes Becher (Grüne) hielt dagegen, dass CSU und Grüne jeweils sechs Stadträte hätten und das kein Argument sei. „Der Stimmenkönig wäre ich, aber ich trete nicht zur Wahl an“, sagte Becher. Bei den Stimmen zum Stadtrat lag Michael Stanglmaier direkt dahinter und deshalb solle dieser vom 3. zum 2. Bürgermeister aufsteigen.
Becher ergänzte vor der Wahl, dass sein grüner Bewerber ein Ergebnis mit einer Stimme Mehrheit nicht annehmen werde. Der erste Seitenhieb auf AfD-Mann und Neu-Stadtrat Gerhard-Michael Welter ließ nicht lange auf sich warten: „Ein zweites Thüringen wird es bei uns in Moosburg nicht geben.“
Das gab es dann auch nicht, weil das Gremium mit 14:11 Stimmen Hadersdorfer zum 2. Bürgermeister wählte. Damit machte man die konservative Doppelspitze der Stadt perfekt, die in den Augen Stanglmaiers nicht erstrebenswert war.
Ein Vorschlag sorgt für eine Überraschung
Es schien dann relativ klar, dass der bisherige 3. Bürgermeister aus dem Lager der Grünen sein Amt behält – aber dann gab es doch noch eine Überraschung: Ludwig Kieninger von den Freien Wählern schlug den ÖDP-Stadtrat Jörg Kästl vor und damit hatte das Gremium wieder die Wahl. Bei einer ungültigen Stimme votierten 15 Stadträte für Stanglmaier und neun für Kästl.
Mit den drei Bürgermeistern hatte die Stadt dann in der konstituierenden Sitzung ihre wichtigste Aufgabe erledigt. „Ich wünsche mir sachliche Diskussionen und vernünftige Kompromisse“, sagte Josef Dollinger in seiner nicht allzu langen Antrittsrede. Und er schob eine Ansage hinterher: „Parteipolitische Propaganda hat in diesem Gremium keinen Platz.“ Nach 18 Jahren Anita Meinelt bat er um etwas Geduld, „weil auch ich erst in dieses Amt hineinwachsen muss“.
Dienstältester Stadtrat wünscht Dollinger „Besonnenheit und Ruhe“
Zuvor hatte Martin Pschorr die Sitzung eröffnet, weil er im nun 49. Jahr als Stadtrat das dienstälteste Mitglied des Gremiums ist. Er vereidigte Bürgermeister Josef Dollinger und wünschte ihm „Besonnenheit, Ruhe und auch etwas Glück“ für die kommenden sechs Jahre.
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