VonChristiane Mühlbauerschließen
Ein Teil des Moosrundwegs ist seit über einem Jahr gesperrt. Das beachten allerdings nicht alle Spaziergänger.
Benediktbeuern – Seit über einem Jahr ist ein wichtiges Teilstück des Moosrundwegs Nummer 1 am Kloster Benediktbeuern gesperrt. Wie berichtet, breitet sich die Loisach hier aus und „knabbert“ nach wie vor am Ufer, das heißt, die Böschung bricht weg. Nach Hinweisen des Wasserwirtschaftsamts Weilheim war der Gemeinde Benediktbeuern im vergangenen Jahr das Risiko zu groß, Anfang März wurde ein Bereich gesperrt.
Für den Laien ist die Arbeit des Flusses nicht leicht zu erkennen. Deshalb wird der Weg von Radfahrern und Fußgängern häufig weiterhin benutzt. Die Sperrung des Teilstücks hat haftungsrechtliche Gründe: Das Begehen erfolgt jetzt auf eigene Gefahr. Kommt jemand zu Schaden, kann er also nicht die Gemeinde oder einen der Grundstücksbesitzer dafür verantwortlich machen.
„Die Situation ist unverändert“, sagt Markus Brandtner, stellvertretender Abteilungsleiter für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen im Wasserwirtschaftsamt Weilheim (WWA). Die Loisach suche sich ihren Weg – und das WWA will dem Fluss diesen Raum geben. „Die Loisach soll sich entwickeln dürfen“, sagt Brandtner.
„Verbotsschilder am Weg werden ignoriert“
Eine weitere Eintiefung des Flusses wolle man vermeiden. Die Konsequenz wäre ein sinkender Grundwasserspiegel, was wiederum eine verstärkte Entwässerung des Moores bedeuten würde. Und das wolle man verhindern. „Deshalb soll der Fluss in die Breite gehen dürfen.“
Aus Sicht des Wasserwirtschaftsamts ist es deshalb sinnvoll, den Rundweg zu verlegen. Ein Gespräch dazu soll nach Auskunft von Franz Pölt, Geschäftsleiter der Gemeinde Benediktbeuern, in der ersten Mai-Hälfte stattfinden. Beteiligt sind auch Grundstückseigentümer, das Zentrum für Umwelt und Kultur sowie Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt.
Brandtner rechnet mit längeren Diskussionen. „Letztlich muss jeder was von seinen Vorstellungen hergeben.“
Die Situation am Fluss beobachte man im ZUK recht aufmerksam, sagt Rektor Pater Karl Geißinger. Auffallend sei, dass die Zahl derer, die die gut ausgeschilderten und von den Tourismusstellen intensiv beworbenen Rad- und Wanderwege nutzten, in den letzten Jahren sehr stark zugenommen habe. „Insbesondere die passionierten Sport-Mountainbiker und E-Bikefahrer schätzen die Wege durch das Moor und entlang der Loisach. Neuerdings erlebt man immer wieder, wie Mountainbiker auch gesperrte Wiesenwege nutzen oder quer durch die Wiesen fahren. Aber auch Störungen durch frei laufende Hunde sind zunehmend zu beobachten“, sagt Geißinger.
Der Rektor kann das Ansinnen des WWA, der Loisach mehr Dynamik zu ermöglichen und die Ökologie zu verbessern, nachvollziehen. Aber den Wegabschnitt zu sperren, werde sich nicht durchsetzen lassen. „Die Verbotsschilder werden weitestgehend ignoriert und bringen keinen Erfolg.“
Die Alternative, den Weg an den Rand der alten Flussschleife zurückzuverlegen, scheitere wiederum am Wiesenbrüterschutz auf Klosterland. „Außerdem ist es bei dieser Lösung sehr wahrscheinlich, dass die Wanderer und Radfahrer dann zum nur zirka 30 Meter entfernten Feldweg, einer Sackgasse, durchgehen und sich hier ein Ringschluss entwickelt, der einen zusätzlichen Weg durch das Wiesenbrütergebiet zwischen Loisach und Kloster schafft. Dies hätte eine Zerschneidung des Schutzgebietes zur Folge.“
Geißinger hält es für vertretbar, die alte Wegführung trotz der Probleme beizubehalten. „Dabei wäre es wichtig, den Weg nicht weiter auszubauen, sondern als Trampelpfad zu belassen und eventuell sogar auf die Ausschilderung zu verzichten, um auch Rechtsansprüche weitgehend an die Nutzer abzugeben.“ Außerdem könnte sich bei einer wenig komfortablen Wegbeschaffenheit die Zahl der Nutzer von selbst beschränken.
Für Geißinger ist es zudem wichtig, Naherholer entlang des gesamten Wegs mit Info-Tafeln über die Besonderheiten und die Bedeutung der Moore zu informieren. „Das ist eine einmalige, traumhaft schöne Kulturlandschaft“, so der ZUK-Chef.
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