VonAlexandra Korimorthschließen
Jahrzehntelang war das Traditionslokal Moschner die Nummer Eins für Nachtschwärmer im Tegernseer Tal. Am vergangenen Wochenende (29. März) stieg die große Abschiedsparty. Dabei gingen Gläser, Fensterscheiben und Sanitäranlagen zu Bruch. Was der Pächter dazu sagt.
Rottach-Egern – Es sollte die letzte große Party des Moschner werden, das über 70 Jahre lang eine Institution im Nachtleben des Tegernseer Tals war. Und tatsächlich drängten sich ab Samstagabend (29. März) unzählige Feierlaunige in der Lokalität – unten im Weinhaus, vor allem aber oben in der Diskothek. Wie auch bei den legendären Weihnachtspartys gab es auf Anweisung von Geschäftsführerin Susanne Eichler ab einer bestimmten Besucherdichte einen Einlass-Stopp. Aber wegen des ständigen Kommens und Gehens und der Dauer des Finales bis um 8.00 Uhr in der Früh, dürften allein am Samstag rund 300 Leute Abschied von ihrer Stammkneipe genommen haben.
Es war ein rauschendes Fest, bei dem irgendwann die Wodka-Bestände leergetrunken waren. Dass beim Feiern Gläser zu Bruch gehen, ist nicht ungewöhnlich. Doch was sich Samstagnacht im Moschner abspielte, hatte eine neue Dimension: Die Glassplitter am Boden waren irgendwann zu Glas-Sand zertanzt. Auch die Sanitäranlagen nahmen Schaden. „Es ist zwar nicht die erste Toilette, die ersetzt werden musste“, sagt Susanne Eichler. Dennoch zeugten die zertrümmerte und mit Scherben vollgestopfte Schüssel auf der Herrentoilette und die unter Wasser gesetzten Sanitäranlagen der Damen von großer Zerstörungswut.
Moschner-Abschied: Hubert sieht Trend zum Vandalismus
„Die jungen Leute heute sind anders als wir vor 30, 40 Jahren. Da sind einzelne so frustriert, dass sie meinen, etwas kaputt machen zu müssen“, bedauert Wirt Peter Hubert. Bei einigen gehe es nicht mehr bloß ums Feiern, bei dem vielleicht einmal unter Alkohol-Einfluss über die Stränge geschlagen werde. Und Susanne Eichler mutmaßt, dass bisweilen auch andere Substanzen als Alkohol im Spiel seien, durch die Betroffene ihre Kräfte nicht mehr einschätzen, geschweige denn, sich am nächsten Tag daran erinnern könnten, was sie gemacht haben. Für Peter Hubert ist dieser Trend zum Vandalismus, mit dem sich auch andere Lokalitäten herumschlagen müssten, ein weiterer Grund dafür, warum es immer weniger Nachtlokale gebe.
Das war absolut unnötig.
Die Abschiedsgrüße, die mancher mit Edding an die Moschnerwand gepinselt hatte, schreibt Hubert der Trauer über den Verlust der Stammkneipe zu. Während die Sprüche relativ leicht zu überweißeln seien, ärgert ihn die Randaliererei in den Sanitäranlagen so richtig. „Das war absolut unnötig“, meint Hubert. Zumal das Moschner am Sonntag noch einmal geöffnet hatte und er deshalb die Toiletten noch am Vormittag auf die Schnelle ersetzen lassen musste. Rund 1500 Euro hat das den Wirt gekostet.
Pächter muss Haus in ordentlichem Zustand an Vermieter zurückgeben
Das demontierte Schallschutzfenster, das ein Gast als Andenken mitnehmen wollte und das ihm von den Türstehern abgenommen wurde, ist wenigstens nicht zu Bruch gegangen und kann ohne großen Aufwand wieder angebracht werden. „Aber im Nachgang ist es schon schade, dass das letzte Fest so ausgeufert und Schäden am Gebäude entstanden sind“, sagt Hubert. Das muss er nämlich nach Ende des Pachtverhältnisses in einem ordentlichen Zustand an den Vermieter zurückgeben, da noch nicht feststeht, was mit dem Gebäude geschieht und ob es abgerissen wird. Es war offenbar nicht allen klar, dass es zwar das letzte große Fest im Moschner, aber keine Abriss-Party war.


