„ ..bevor alles unweigerlich einstürzt?“

Sendlinger Loch wird zum Münchner „Millionengrab“: Nächster Seitenhieb via Zettel-Aushang

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Das Sendlinger Loch in München ist mittlerweile sehr bekannt und immer wieder das Ziel einiger, amüsanter Aktionen, wie der des „Millionengrabs“.

München – Baustellen gehören zu Großstädten, wie die Mass zur Wiesn. Auch München ist von ständigen Neuerungen, Verbesserungen oder Instandhaltungen dauerhaft betroffen. Baustellen von kurzer Dauer erregen die Anwohner und Passanten auch nur eine überschaubare Zeit, längere Projekte können schonmal zu Protestaktionen führen oder eben zur humorvollen Verarbeitung – wie beim Sendlinger Loch.

Sendlinger Loch in München eine Riesen-Baustelle ohne Fortschritt

Schon lange ist die riesige Baustelle unter dem Projektnamen Alram14 an der Ecke Alramstraße/Aberlestraße den Anwohnern ein Dorn im Auge. Mittlerweile hätte das neue fünfstöckige Gebäude mit Luxuswohneinheiten und einem ebenerdigen Supermarkt so gut wie fertig sein sollen. Doch es klafft eine riesige Lücke – nicht nur metaphorisch. Das Sendlinger Loch, wie es im Volksmund getauft wurde, hat größere Bekanntheit durchs Nichtstun als durch Lärm und Fortschritt.

Schon im Juli fand eine Protestaktion statt, mit Musik und Ansprachen wollten eine Initative aufs Versagen hinweisen. Das Loch „fluten“ und Hausboote darauf bauen, war die Satire-Idee des Projekts. Nun wurde im Rahmen der Ausstellung „KUNST IN SENDLING“ ein weiterer humoristischer Seitenhieb gegen die Bauherren getätigt.

Sendlinger Loch Teil der Kunstszene? Baustelle wird zum „Millionengrab“

Die Ausstellung des Vereins „KUNST IN SENDLING“ feierte im Jahr 2023 sein 20-jähriges Bestehen. Mit den sogenannten „Offenen Ateliers“ soll die Sichtbarkeit der Künstler und Künstlerinnen gewährleistet sein. Vom 7. bis 9. Oktober wurden die Werke ausgestellt. Auf einer Karte der Website wurde vom Westpark bis zur Hofmanstraße, von der Schäftlarnstraße am Flaucher bis zur Lindwurmstraße gekennzeichnet, welche 40 Stationen für Schaulustige zu besichtigen sind.

Doch eine Station „41“ fiel eben am Sendlinger Loch auf. Der Urheber „Anonymous“ hat sich hier wohl einen Scherz erlaubt, denn auch das Logo von „KUNST IN SENDLING“ wurde darauf abgedruckt und auf eine Kartonage direkt neben die Übersichtskarte (auf der die Station 41 nicht eingezeichnet ist) gehängt. Auf Anfrage von tz.de an den Verein, meldete sich lediglich Künstler Christophe Schneider, der sich in Station 37 via Collage mit dem Thema beschäftigt hat, aber an Station 41 nicht beteiligt war.

Das Schild „kunst in sendling“ links ohne Station 41. Die Station 41 (rechts) mit Beschreibung zur Installation.

Sendlinger Loch eine „innovative Kombination des Brutalismus mit der Arte Povera“

„Installation, Station 41. Titel: Das Millionengrab. Verwendete Materialien: Beton, Stahl, Sand, Kunststoff“, steht dort einleitend bezüglich der Rahmenbedingungen. Die Baustelle Alram14 leidet unter einigen Faktoren laut mehreren Berichten: Materialknappheit, Investoren, Problemen mit dem Untergrund. Seitdem stockt das Vorhaben, wie der „Künstler“ hier beschreibt: „In einer innovativen Kombination des Brutalismus mit der Arte Povera verbindet das anonym bleibende Künstlerkollektiv in nie zuvor gesehener Weise die verschiedensten Elemente zu einer Entropie - Betonwände, Schlamm, Flora, Fauna und wie zufällig hineingeworfenen Objekte wie z. B. Kunststoffrohre oder Haushaltsmüll gehen ein immer neues Zusammenspiel ein“.

Das „Millionengrab“ Sendlinger Loch? Die Baustelle steht immer noch still und langsam bahnt sich die Natur den Weg zurück.

In der Tat hat sich in dem Loch schon einiges angesammelt, Pflanzen sind wieder gewachsen, Tauben und Mücken haben ihr Zuhause gefunden. Das „Künstlerkollektiv“ denkt auch schon an die Zukunft, dass die Kunstinstallation bald „kaputtgeht“: „Trotz aller Faszination schwingt eine leichte Wehmut mit: Wie lange erfreut sich die Installation, volkstümlich auch ‚Sendlinger Loch‘ genannt wird, noch Kunstliebhaber - bevor alles unweigerlich einstürzt?“.

Welche Entwicklungen sich im Winter ergeben, steht wohl auch in den Sternen. Unter Denkmalschutz steht das Kunstprojekt allerdings noch nicht, ein Obststand musste dennoch weichen. In Google Maps ist das Sendlinger Loch als selbiges schon gekennzeichnet. (ank)

Rubriklistenbild: © ank

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