VonLukas Schierlingerschließen
Ein Lied wird für Nazi-Parolen gekapert, Sylt-Videos sorgen bundesweit für Entsetzen. Oktoberfest-Chef Clemens Baumgärtner (CSU) kündigt bereits jetzt ein entschiedenes Vorgehen an.
München – Jahrelang galt der Song als harmloser Partyklassiker. Eingängig, auch zu später Stunde zumindest in Teilen noch leicht zu intonieren. Jetzt ist „L‘ amour toujours“ komplett in Verruf geraten, spätestens nach dem Skandal von Sylt. Mehrfach wurde das Lied des italienischen Musikproduzenten Gigi d‘ Agostino für rassistische Parolen missbraucht. Erste Gastronomen haben den Song aus dem Verkehr gezogen. Wiesn-Boss Clemens Baumgärtner (CSU) kündigt eine Null-Toleranz-Politik an.
Videos aus Sylt-Club sorgen für Entsetzen: Lied soll auf Oktoberfest verboten werden
„Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“, grölt eine Party-Truppe zum Elektro-Beat von d‘ Agostinos Song. Auf einem 14-Sekunden-Video ist die Entgleisung gut zu hören. Aufnahmen von der Terrasse des Sylter Nobel-Clubs „Pony“ haben in den vergangenen Tagen bundesweit für Entsetzen gesorgt. „Solche Parolen sind eklig, sie sind nicht akzeptabel“, erklärte Bundeskanzler Olaf Scholz in seiner Reaktion. Sylts Bürgermeister Nikolas Häckel (parteilos) pflichtete im Gespräch mit kreiszeitung.de bei: „Wir haben für diese Gesänge null Toleranz.“
Wir werden das Lied verbieten.
Der Staatsschutz ermittle gegen fünf Beteiligte, heißt es vonseiten der Polizei. Ein Münchner Unternehmen gab bekannt, sich von einem Mitarbeiter getrennt zu haben, der auf dem Video zu sehen sei. „Auf der Wiesn hat so etwas natürlich überhaupt nichts zu suchen“, erklärt Clemens Baumgärtner (CSU) im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wir werden das Lied verbieten.“
Kein Platz für rassistische Parolen: Gesonderte Aufforderung auch an Wiesn-Schausteller
Eigentlich geht es in „L‘ amour toujours“ um die Liebe. Aber: Auf die Melodie des Partysongs waren bereits mehrfach Nazi-Parolen erklungen. Unter anderem im Januar 2024 bei einem Faschingsumzug in Oberbayern. Der Vorstand der Landjugend Hohenfurch bat daraufhin öffentlich um Verzeihung. Auf der Erlanger Bergkirchweih fielen zwei Männer mit „Ausländer raus“-Rufen negativ auf. Man wolle das Lied künftig nicht mehr spielen, erklärte der Geschäftsführer des betroffenen Biergartens.
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Wiesn-Boss Baumgärtner will dafür sogar die Betriebsvorschriften anpassen. „Das geben die auch her“, sagt der Referent für Arbeit und Wirtschaft. Alles, was gewaltverherrlichend, sexistisch oder rassistisch sei, könne man verbieten. Es werde zudem eine gesonderte Aufforderung an alle Schausteller und Beschicker ergehen. „Wenn es entsprechendes Gegröle gibt, möchte ich das sofort erfahren. Wir werden alles ausreizen, was möglich ist, damit so etwas auf der Wiesn keine Bühne bekommt.“
Für Nazi-Parolen gebe es keinerlei Spielraum. „Wer dagegen verstößt, wird mit einem Platzverweis und Hausverbot belegt.“
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