Anzing macht Weg frei für 19,5 Hektar großen „Photovoltaikpark“ der Stadtwerke

München will unser Sonnenlicht - und plant Riesen-Solarpark in Anzing

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Eine Großanlage planen die Münchner Stadtwerke auf dem Gebiet der Gemeinde Anzing (Symbolbild).
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Fast 20 Hektar groß ist der Umgriff eines künftiges Sondergebiets, auf dem die Gemeinde Anzing einen Solarpark möglich machen wird. Es geht um Strom für München.

Anzing – „Naturbelassenes Quellwasser aus dem Mangfall- und Loisachtal“ – so heißt es in aktuellen Werbetexten – ist es, was die Stadtwerke München GmbH (SWM) ihren inzwischen fast 1,5 Millionen Bürgern täglich zum Durststillen anbieten. Nicht alle im Oberland finden das gut. Immerhin geht es immerhin um 300 000 Kubikmeter – täglich. Aber die langen Arme der Landeshauptstadt greifen längst auch in andere Richtungen.

Auch auf Sonne haben es die Münchner abgesehen: und zwar neben Moosburg und Neuburg/Donau demnächst auch im Landkreis Ebersberg. Auf einer derzeit noch landwirtschaftlich genutzten Fläche im Anzinger Ortsteil Auhofen wird ein „Photovoltaikpark“ entstehen. Er soll die Erneuerbare-Energien-Quote der Landeshauptstadt aufbessern. Die Anlage (in Kooperation mit dem Münchner Projektentwickler IsarGreen GmbH) hätte eine Leistung von knapp 25 MWp (Megawatt peak) und wäre damit das bislang größte PV-Projekt der SWM in der Region, so das Unternehmen. Derzeit laufen Gespräche zwischen IsarGreen und den SWM.

Um die riesige Anlage – sie würde 1,25 Prozent der gesamten Gemeindefläche abdecken – überhaupt möglich zu machen, hat der Gemeinderat eine Änderung des Flächennutzungsplans und die Aufstellung eines Bebauungsplans beschlossen. Zugleich fordert der einstimmig gefasste Beschluss, dass die politische Gemeinde mit dem Antragsteller, einem örtlichen Landwirt, einen städtebaulichen Vertrag aufsetzt. Schon jetzt ahnt Bürgermeisterin Kathrin Alte (CSU): „In Sachen Photovoltaik wird das Ganze für die Gemeinde ein riesengroßer Schritt werden“.

Umgriff ist von der Fläche her halb so groß wie der Vatikan

Konkret stand und steht dabei immerhin ein Umgriff von brutto 19,5 Hektar im Raum. Das künftige Sondergebiet befindet sich nördlich von Auhofen entlang der Staatsstraße 20 nach Markt Schwaben. Der Park werde, so der Sachbearbeiter im Rathaus, Martin Pulst, von der Straße nicht sichtbar sein, wohl aber von Lindach aus mit Blickrichtung Markt Schwaben.

Das Projekt sieht vor, dass der Grundeigentümer und Antragsteller die Fläche an die SWM verpachtet, die wiederum dort erneuerbaren Strom für ihre Bürger produzieren will. Allerdings profitiert Anzing von dem Ganzen aufgrund der aktuellen gesetzliche Regelung ebenso. Die besagt, dass 90 Prozent der hier einmal generierten Gewerbesteuer am Ort bleibt und zehn Prozent (in diesem Fall) nach München fließt. Voraussetzung: Vertraglich muss geregelt sein, dass die noch zu gründende Betreibergesellschaft ihren Sitz auch wirklich in Anzing hat.

Keine vergleichbare Anlage auf Ebersberger Kreisgebiet

Vergleichbare Anlagen gibt es im Landkreis Ebersberg nicht. Die hiesige Bürgerenergie-Genossenschaft betreibt im Markt Schwabener Ortsteil Haus ihre größte Anlage mit gerade mal 1,5 Hektar, wie Vorstand Joachim Hellriegel sagt. An dem neuen Anzinger Riesenprojekt ist sein Haus nicht beteiligt. Das Vorhaben der Stadtwerke beinhaltet also eine Freiflächenphotovoltaik, die rund das Zehnfache von Haus ausmachen dürfte. Zum Vergleich: Der im Rat neu bewilligte Planungsumgriff (anfangs war noch von 12,1 Hektar die Rede) entspricht etwa der halben Theresienwiese. Oder ungefähr der Hälfte des Vatikans.

In einer Senke zwischen Anzing und Markt Schwaben käme die Anlage hin. Die ungefähre Fläche ist rot markiert

Bauernverbands-Ortssprecher Bernhard Haimmerer, zugleich CSU-Gemeinderat in Anzing, legte mehrfach Wert auf die Feststellung, dass das Vorhaben bei ihm auf keine große Begeisterung stoße, weil wieder wertvoller landwirtschaftlicher Boden verloren gehe. Dennoch wolle er im Sinne der angestrebten Energiewende zustimmen.

Andere Sorgen hatte dagegen UBA-Rat Florian Schneider. In irgendeiner Form, so der IT-Experte, müsse die künftige PV-Anlage, quasi für immer und ewig, dokumentiert werden als aktiver Beitrag nicht zuletzt auch der politischen Gemeinde zur Energiewende. Wo und wie genau das stattfinden könne, blieb allerdings offen.

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