VonSabine Hermsdorf-Hissschließen
Die Rampe, die im Erholungsgebiet Ambach in den Starnberger See führt, birgt Gefahren für Rollstuhlfahrer. Der Wolfratshauser Max Rehm kann den Weg kaum allein bewältigen.
Ambach – Max Rehm liebt das Wasser. Seit seiner Kindheit geht der 77-Jährige gern im Starnberger See schwimmen. Doch weil der Wolfratshauser im Rollstuhl sitzt, ist ein Badetag für ihn immer mit Aufwand verbunden. Über eine Rampe kommt Rehm zwar gut ins Wasser hinein. Doch die birgt Gefahren: Die letzten Meter auf dem Steg aus Beton sind glitschig geworden, weil sich darauf Algen gebildet haben. Das Herauskommen gleicht einem gewaltigen Kraftakt, den Rehm kaum bewältigen kann.
Vor sieben Jahren verlor Rehm bei einem Motorradunfall sein linkes Bein. Seitdem ist er auf den Rollstuhl angewiesen. Auf seine Leidenschaft, das Schwimmen, möchte er trotzdem nicht verzichten. „Ich bin zwar in München geboren, aber am Starnberger See aufgewachsen“, sagt Rehm, der heute in Wolfratshausen lebt. „Da kommt man um diese Leidenschaft nicht herum.“
Nach seinem Unfall tauchte Rehm lange von dem nicht-behindertengerechten Steg am Buchscharner Seewirt ins Wasser. „Das war sehr mühsam.“ Umso glücklicher war der Rentner, als er bei einem Spaziergang mit seiner Frau Anita den Einstieg für Rollstuhlfahrer am Erholungsgelände Ambach entdeckte. Rehm war begeistert. „Seitdem kommen wir hierher, es ist die ideale Lösung.“
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Inzwischen gibt es aber ein großes Problem, vor dem der 77-Jährige andere Rampennutzer warnt: „Die paar Meter, die bereits im Wasser liegen, sind extrem rutschig.“ Über das Gefälle in den See zu fahren sei kein Problem – der Rückweg allerdings schon. Auf dem glitschigen Untergrund drehen die Räder durch, Rehm muss sich Zentimeter für Zentimeter am Handlauf Richtung Ufer ziehen. „Eine extrem anstrengende Prozedur.“
So oft es geht, begleiten den Wolfratshauser seine beiden Schwager zum Starnberger See. Doch für die zwei Männer ist es auch nicht einfacher, beim Herausschieben des Rollstuhls Halt zu finden. „Beide sind bereits ausgerutscht und gestürzt. Der eine mit voller Wucht ins Geländer, der andere knallte mit dem Steiß auf die Rampe und schlug sich die Füße auf“, sagt Rehm. Eine Lösung für das Problem sieht er in einer Art Noppenmatte als Unterlage auf dem Beton. „Da hätte man etwas Halt und die verschlammt auch nicht so schnell.“
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In der Gemeinde Münsing ist das Problem bereits bekannt. „Betreiber des Erholungsgeländes ist der Erholungsflächenverein mit Sitz in München und der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen“, erklärt Münsings Bürgermeister Michael Grasl auf Nachfrage. Bei den jährlichen Betreuungsgesprächen mit allen Beteiligten sei die Rampe regelmäßig Thema. Aber: „Im Wasser kann man eine hundertprozentige Rutschfestigkeit nicht gewährleisten. Veralgung lässt sich leider nicht verhindern.“
Genauso sieht es Sabine Schmid. „Es ist derzeit nicht möglich, die Rampe so zu warten, dass sich kein Algenbewuchs bildet“, sagt die Sprecherin des Landratsamts. „Deshalb weisen wir mit einem Schild auf die Rutschgefahr hin.“ Eine Noppenmatte sei auf Dauer keine Lösung, da auch diese verschlamme. Dennoch gibt es Hoffnung für Max Rehm: Laut dem Münsinger Bürgermeister und der Kreisbehörde ist für nächstes Jahr eine Generalsanierung des Erholungsgebiets geplant. Schmid: „Das umfasst auch den Einstieg.“ sh
