Wo bleibt das Holz?

Seniorenwohnstift Ambach: Stararchitekt enttäuscht mit ersten Entwurf

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Mit diesem Modell des Seniorenwohnstifts überzeugte das berühmte Architekturbüro. Jetzt herrscht Ernüchterung.

Stararchitekt Matteo Thun hat den Zuschlag für den Bau des Seniorenwohnstifts Ambach erhalten. Der erste Entwurf fiel beim Gemeinderat durch.

Münsing – Der Münsinger Gemeinderat ist enttäuscht vom Kuratorium Wohnen im Alter (KWA) und von Stararchitekt Matteo Thun, der das Seniorenwohnstift in Ambach für das Unternehmen plant. Diese Woche bekam der Rat die ersten Entwürfe als eine Art Zwischenbericht zu sehen. Doch statt der vollmundig versprochenen oberen Stockwerke in Holzfertigbauweise – eines der Kriterien, warum sich die Gemeinde in einem Wettbewerb für Thun entschieden hatte – will dieser nun in Beton, lediglich mit einer Holzverschalung, bauen. „Aus Kosten- und Brandschutzgründen“, wie es heißt.

Der Mailänder Architekt Matteo Thun.

„War die Präsentation nur Show?“, fragt sich nun Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler). Er erinnert sich daran, dass der Mailänder Architekt, der bekannt ist für seine Hotels, Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen aus dem nachwachsenden Rohstoff, sogar damit geworben hatte, Holz aus der Umgebung verwenden zu wollen. Umweltreferentin Christine Mair (Wählergruppe Münsing) sagte, ihr Vertrauen sei geschwunden. Professor Matthias Richter-Turtur (Wählergruppe Ammerland) fühlte sich „hintergangen“.

Gerhard Schnell vom Büro Matteo Thun und Partner stellte die ersten Pläne für die Gebäude auf dem Grundstück am nordwestlichen Ortseingang vor. Man orientiere sich dort an den Bestandsbauten, erklärte er. Die sechs Häuser sollten je ein mit Naturstein verkleidetes Sockelgeschoss und zwei holzverkleidete Geschosse darüber erhalten. Ein Beschluss wurde in der Sitzung nicht gefällt.

Neben der konventionellen Bauweise gefielen dem Gemeinderat einige andere Dinge nicht, die die Gemeinde KWA zur Überarbeitung mit auf den Weg geben will. So sollen die Brüstungen weniger massiv ausfallen als im Entwurf dargestellt, die Dachdeckung soll mit regionaltypischen Materialien, Formen und Farben erfolgen. Der Eindruck einer „Hotelburg“ soll vermieden werden, indem man die Großzügigkeit des Langhaus-Themas erhält.

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Intensiv diskutierte das Gremium über den Erhalt einer alten Thuja beim „Waldschlösschen“, die nach dem Wunsch des Bauherren gefällt werden soll. Ursula Scriba (Bürgerliste) argumentierte, exotische Bäume seien früher typisch für herrschaftliche Sitze gewesen, weshalb die Thuja stehen bleiben müsse. Ein Teil des Gemeinderats könnte jedoch auf sie verzichten, wenn stattdessen lieber ein heimischer Großbaum gepflanzt würde.

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Bürgermeister Michael Grasl betont im Gespräch mit unserer Zeitung, dass die Gemeinde zusammen mit Architekt Christian Weigl und Landschaftsplaner Christian Ufer sehr genau auf die Einhaltung aller Vorgaben achten werde. Noch sei nicht einmal der Bebauungsplan ausgelegt, es sei nichts entschieden. Dass sich der Gemeinderat bei der geforderten Holzbauweise auf einen Kompromiss einlasse, glaube er nicht, so Grasl. Tanja Lühr

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