VonMartin Weidnerschließen
Innsbruck/Graz/Salzburg – Erst Starkregen und nur langsam abfließendes Hochwasser in Bayern und Süddeutschland, jetzt schwere Unwetter mit Starkregen, Hagel und Sturzfluten in Österreich. In unserem Nachbarland haben sich am Samstagabend (8. Juni) und in der Nacht dramatische Szenen abgespielt.
Service:
- Warnungen: Deutscher Wetterdienst | WAS! Wetter Altbayern und Schwaben
- Niederschlag: Hochwassernachrichtendienst Bayern | Niederschlagsradar
- Bahnverkehr: Störungsmeldungen BRB | Südostbayernbahn
- Verkehr: Verkehrsmeldungen | www.bayerninfo.de
Update, 13.20 Uhr - Weitere Details zu tödlicher Tragödie
Nun liegen weitere Erkenntnisse zu dem tödlichen Unfall bei Leoben (Steiermark) vor: Bei Arbeiten an einem Hochwasser führenden Bach ist in Österreich ein 36-jähriger Mann ums Leben gekommen. Wie die Landespolizeidirektion Steiermark nun berichtete, war der Baggerfahrer gerade dabei, das Bachbett auszubaggern. Der Bagger sei in Schräglage geraten und umgekippt. Der Fahrer wurde unter Wasser im Führerhaus eingeklemmt.
Ein Arbeitskollege habe vergeblich versucht, ihn aus der Fahrerkabine zu retten. Erst ein weiterer Bagger konnte den Angaben zufolge das umgestürzte Gerät anheben. Der 36-Jährige sei reanimiert worden, dann aber am späten Abend kurz nach seiner Einlieferung in einer Klinik gestorben.
Update, 12.15 Uhr - Auch Pflegeheim evakuiert
Nach den Unwettern in Teilen Österreichs ist der Zivilschutzalarm für die besonders betroffene Gemeinde Deutschfeistritz am Sonntagmittag (9. Juni) aufgehoben worden. Wie ein Sprecher der Feuerwehr erklärte, lagen auch keine Meldungen über mögliche Verletzte oder gar Tote vor. In dem 4000-Einwohner-Ort nördlich von Graz hatte eine Sturzflut am Samstagabend Autos mitgerissen und zahlreiche Häuser beschädigt. Der Übelbach war nach sintflutartigen Regenfällen über die Ufer getreten. Nach Angaben von Meteorologen waren binnen kurzer Zeit regional mehr als 100 Liter Regen auf den Quadratmeter gefallen. Eine Mure ging auf die Autobahn in der Nähe von Graz nieder. Wegen der Erd- und Geröllmassen waren beide Fahrbahnen zunächst auch noch am Sonntag gesperrt.
Durch die Böen waren auch zahlreiche Bäume auf Straßen gestürzt. Mehrere Routen seien noch gesperrt, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Die Feuerwehren waren im Großeinsatz, um die Schäden zu beseitigen. Allein rund um die Landeshauptstadt Graz musste die Feuerwehr zu mehr als 800 Unwetter-Einsätzen ausrücken. Ein Pflegeheim in Neudau in der Steiermark musste evakuiert werden, weil es unter Wasser stand, wie ein Katastrophenschutz-Sprecher der Nachrichtenagentur APA sagte. „Insgesamt wurden 40 Personen in Sicherheit gebracht“, hieß es.
Update, 10.45 Uhr - Wahllokale für EU-Wahl durch Unwetter zerstört
In Österreich sind einige Wahllokale für die EU-Wahl durch die schweren Unwetter nicht zugänglich oder zerstört worden. Das gelte etwa für Wahllokale in der Steiermark – nämlich in Deutschfeistritz nördlich von Graz sowie mehrere im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld, teilten Behörden am Sonntagvormittag auf Anfrage der Nachrichtenagentur APA mit. Allerdings hätten die zuständigen Bürgermeister sehr rasch reagiert und die Wahllokale verlegt. In den Gemeinden seien Hinweisschilder aufgehängt worden, wo sich die neuen Wahllokale befinden, außerdem hatten die Ortschefs die Änderungen auch weitgehend über Social Media kundgetan. Man rechne mit keiner Beeinträchtigung der Wahl, hieß es vom Land.
Ganzer Ort geflutet, Mann vermisst – Bilder zeigen Unwetter-Verwüstung in Österreich




Update, 9.20 Uhr - 200 Feuerwehrler bei Salzburg im Einsatz
Auch im Bundesland Salzburg kam es wegen des Unwetters mit Starkregen zu zahlreichen Feuerwehreinsätzen. Im Lammertal (Bezirk Tennengau) und in Pfarrwerfen (Bezirk Pongau) waren in der Nacht zum Sonntag (9. Juni) insgesamt 200 Feuerwehrler gefordert. Es gab wegen Starkregen und heftiger Winböen Überschwemmungen und entwurzelte Bäume. Auch zahlreiche Keller wurden überflutet, wie der Landesfeuerwehrverband Salzburg mitteilte.
Besonders stark traf es ein Wohnhaus bei Pfarrwerfen, wo durch das Wasser ein Kellerfenster eingedrückt wurde und der Keller quasi in Sekunden überflutet wurde. Zudem wurde auch die Werfenwenger Landesstraße (L229) auf einer Länge von rund 200 Metern unterspült, wodurch reichlich Schutt auf der Fahrbahn landete. Die Straße wurde gesperrt.
Update, 8.45 Uhr - Behörde warnt vor „Lebensgefahr“
Nach dem Unwetter hat der 4000-Einwohner-Ort Deutschfeistritz in der Steiermark alle Bürger aufgerufen, wegen Lebensgefahr zu Hause zu bleiben. Zusätzlich zu den aktuellen Überschwemmungen werde eine weitere Unwetterfront mit bis zu 100 Litern Niederschlag pro Quadratmeter erwartet, teilte die nördlich von Graz gelegene Gemeinde am Samstagabend auf Facebook mit. Der Ortskern sei nur mit Booten zu erreichen, berichteten österreichische Medien. Einige Autofahrer seien in ihren Fahrzeugen eingeschlossen gewesen, hätten aber gerettet werden können, sagte ein Gemeindesprecher der Zeitung. Auf Fotos war zu sehen, dass die Wassermassen Autos gegen Häuserwände drückten.
Nach schweren Regenfällen hatte sich am Samstag der durch den Ort fließende Übelbach in einen reißenden Strom verwandelt. In einem Schulzentrum sei eine Notanlaufstelle durch das Rote Kreuz für die Grundversorgung eingerichtet worden, so die Gemeinde weiter. Auch in anderen kleineren Orten der Steiermark wurde wegen der Überflutungen Zivilschutzalarm ausgelöst.
Die Erstmeldung:
Heftige Regenfälle dort zu schweren Überschwemmungen geführt. Besonders betroffen ist das Bundesland Steiermark und dort besonders der Ort Deutschfeistritz (Bezirk Graz-Umgebung). Auch die Gemeinden Eggersdorf, Weinitzen und Teile der Landeshauptstadt Graz wurden schwer getroffen. Dort fielen in kurzer Zeit über 100 Liter Regen pro Quadrameter. Den Ort Deutschfeistritz haben die Regenfälle zu einer reißenden, lebensgefährlichen Sturzflut verwandelt, wie von vor Ort gemeldet wurde.
Dramatische Aufnahmen zeigen, wie Menschen versuchen, auf Autos zu klettern, welche durch die Wassermassen zwischen zwei Häuser gespült worden waren, um sich damit vor der Sturzflut in Sicherheit zu bringen. Zudem sind Straßen und Zugstrecken durch den starken Regen und die Überschwemmungen teilweise kaum noch zu erkennen. Es kam auch zu Stromausfällen in verschiedenen Orten. Die Rettungskräfte, vor allem von der Feuerwehr, befanden sich in einem Groß- und Dauereinsatz.
Gesperrt ist bis zumindest Sonntagvormittag (9. Juni) die Pyhrn-Autobahn (A9) nördlich von Graz: Kurz nach der Anschlussstelle Übelbach ging laut der Betreibergesellschaft Asfinag in der Nähe des Gleinalmtunnels eine bis zu eineinhalb Meter hohe Schlamm- und Gerölllawine ab und verlegte die Fahrbahn in Richtung Süden komplett.
Ein Todesopfer beim Bach ausbaggern
Im rund 50 Kilometer entfernten Bezirk Leoben gab es sogar ein Todesopfer zu beklagen: Dort wollte ein Mann mit einem Bagger auf einem Damm einen Hochwasser führenden Bach ausbaggern. Dabei passierte die Tragödie: Aus noch ungeklärter Ursache kippte das schwere Gerät um und der Mann – laut Polizei ein 36-Jähriger – starb. In mehreren Gemeinden wurde Zivischutzalarm, sprich Katastrophenalarm, ausgelöst. Man solle unbedingt Tiefgaragen und Keller meiden, da dort Überflutungsgefahr herrsche, hieß es in der Mitteilung der Behörden.
Zahlreiche Murenabgänge in Tirol
Auch aus Tirol wurden mehrere „Elementarereignisse“ gemeldet. Gegen 19:20 Uhr ereigneten sich auf der Landesstraße 5 im Gemeindegebiet von Reith im Alpachtal mehrere Murenabgänge, welche die Straße stark verschmutzten und zum Teil unbefahrbar machten. Ein Auto mit vier Insassen wurde durch eine Mure erfasst und leicht beschädigt. Eine Viertelstunde später verlegte eine etwa vier Meter breite und drei Meter vom Hang abgerutschte Muren-/Schlammlawine einen Fahrstreifen der Landesstraße 211 im Gemeindegebiet von Mariastein. Und fast zeitgleich kam es laut Landespolizeidirektion Tirol auf einer Gemeindesstraße in Auffach zu einem weiteren Hangrutsch. Verletzte gab es zum Glück nicht.
Und besonders schlimm: Für Sonntag (9. Juni) sind weitere heftige Regenfälle prognostiziert. In der Region blieb es diesmal hingegen – Gott sei Dank – weitestgehend komplett ruhig. Die entsprechenden Warnungen waren bereits am Samstagabend (8. Juni) wieder aufgehoben worden. rosenheim24.de hatte berichtet. Zuvor war vom Deutschen Wetterdienst (DWD) vor „schweren Gewittern“ in nahezu allen Landkreisen von Südostbayern gewarnt worden.
mw
