VonSilke Reinbold-Jandretzkischließen
Es ist die Zeit des verbalen Lavierens, die Stunde der Taktierer. In knapp einem Jahr wird in Murnau wieder der Bürgermeister gewählt, doch Kandidaten wagen sich bisher meist nur zögerlich oder gar nicht aus der Deckung. Eine entscheidende Frage ist: Was plant Amtsinhaber Rolf Beuting?
Murnau – Über Jahrzehnte firmierte die CSU als die politische Macht in Murnau und stellte mit großer Selbstverständlichkeit alle sechs Jahre wieder den Bürgermeister. Noch heute kursiert die Erzählung, dass die Christsozialen in früheren Zeiten sogar einen Besenstil schwarz hätten anmalen und aufstellen können – und dennoch mit ihm ins Rathaus eingezogen wären.
Ein CSU-Kandidat „ist kein Muss“
Das entbehrt natürlich jeder Realität, diskreditiert sogar die CSU-Bürgermeister der Vergangenheit. Und: Das Blatt hat sich längst gewendet. 2014 verloren die Schwarzen den prestigeträchtigen Posten an Rolf Beuting vom ÖDP/Bürgerforum und vermochten ihn 2020 mit dem Bewerber Rudolf Utzschneider nicht zurückzugewinnen. Beuting zog erneut ins Rathaus ein. 2026 gilt es wieder, am 8. März wählt Bayern im Kommunalen und damit auch neue Bürgermeister. Aus der Stärke der Vergangenheit und dem eigenen Selbstverständnis will Dr. Michael Rapp, Altbürgermeister und Chef des CSU-Ortsverbands Murnau, indes keinen Automatismus abgeleitet wissen, der seine Partei verpflichten würde, stets einen Bewerber aufzubieten. Er würde daraus auch keinen entsprechenden Anspruch der CSU an sich selbst formulieren. „Ich sehe das anders“, sagt er. Man könne sich „durchaus irgendwann konsolidieren und sagen, wir sind in dieser Periode nicht dabei, aber beim nächsten Mal wieder. Es gibt hier kein Muss, wir sind nicht im Obligo. Das ist für mich auch ein Stück weit Ehrlichkeit“, sagt Rapp.
Ob es am Ende so kommen könnte: eine Wahl ohne CSU-Bürgermeisterkandidaten? Jedenfalls fallen auch bei den Christsozialen Bewerber längst nicht mehr vom Himmel. „Bei mir ist niemand aufgetaucht und hat gesagt: Herr Rapp, ich will Bürgermeister werden. Es wird auch bei uns nicht einfach sein, jemanden zu finden“, sagt der örtliche Parteichef. Generell habe man sich aber noch keine Gedanken gemacht, nicht groß sondiert. Es werde Gespräche im Vorstand und mit der Fraktion geben.
Zumal sich die Frage aller Fragen an Rolf Beuting richtet, und der rückt noch keine Antwort heraus. „Die Entscheidung darüber, ob ich nochmals als Bürgermeisterkandidat antrete, werde ich wie 2019 im Laufe des Jahres bekanntgeben“, erklärt Beuting. „Es sind nun noch elf Monate bis zur nächsten Wahl. Von daher bin ich der Meinung, dass es heute noch zu früh ist, um mitzuteilen, ob ich nochmals kandidiere.“
Bewerber könnten theoretisch auch Grüne, SPD und Freie Wähler ins Rennen schicken – die Gruppierung Mehr Bewegen eher nicht, ihre politische Zukunft steht nach dem angekündigten Rückzug von Phillip Zoepf in den Sternen (wir berichteten). Prägende Köpfe bei den Grünen in Murnau sind Co-Fraktionssprecherin Veronika Jones-Gilch, die bereits 2020 gegen Beuting antrat, und Co-Kreissprecherin Petra Daisenberger; beide sind sich bekanntlich gar nicht grün. Jones-Gilch, die dem Ortsverband nach Verwerfungen den Rücken gekehrt hat, laviert in der Causa einer Kandidatur um den heißen Brei, ohne wirklich etwas zu sagen oder generell etwas auszuschließen. „Es gibt viele offene Fragen, die man gemeinschaftlich klären muss“, sagt sie. Etwas konkreter wird Daisenberger: In der Frage der Bewerbung um den Bürgermeisterposten sei sie „ehrlich gesagt unentschlossen, ich weiß es nicht“. Zum aktuellen Zeitpunkt wolle sie „den Hut noch nicht in den Ring werfen. Ich schließe es nicht aus, halte es aber aus verschiedenen Gründen nicht unbedingt für zielführend“. Sie glaubt, dass sich auch andere diesen Schritt „ganz gut vorstellen könnten. Das fände ich auch nicht verkehrt“. Es wird Gespräche geben, denen Daisenberger nicht vorgreifen will.
Murnaus SPD-Chef Benedikt Hoechner legt sich immerhin darauf fest, dass seine Partei anders als 2020 „einen Bürgermeisterkandidaten ins Rennen schicken will, wer auch immer das sein wird“. Die Personalie generiere mehr Aufmerksamkeit, „das macht Sinn“. Hoechner hat sich bereits die Frage gestellt, ob er diesen Schritt wagen soll. „Als Vorsitzender der SPD muss man sich natürlich Gedanken machen: Möchte ich kandidieren? Aber ich mache mir auch Gedanken darüber, was das nach außen für ein Bild abgibt und ob ich die Erwartungen in den Augen der Wähler auch erfüllen kann.“ Zudem blickt er auf die möglichen Pläne von Felix Burger, der aktuell einziger SPD-Gemeinderat ist, ohne dass er ein Parteibuch hat. Der allerdings betont, es sei „noch nicht mal fix, ob ich im Gemeinderat weitermache. Im Moment steht alles zur Diskussion“ – und vor Oktober oder November werde nichts finalisiert.
Bei Freien gilt: jünger und weiblich
Auch Maria Schägger verweist auf interne Gespräche, die bei den Freien Wählern in der Kandidatenfrage noch ausstehen. Die Fraktionssprecherin betont, sie wolle sich grundsätzlich weiter für den Ort engagieren; der Gemeinderat sei ihr ein Anliegen. Zur Frage, ob sie für die Rathaus-Kandidatur bereit sei, „sage ich noch nichts“. Doch sie verweist auf eine ältere Aussage: Für den Fall, dass die Freien Wähler im Kampf ums Bürgermeisteramt mitmischen, wollen sie sich „verjüngen und eine Frau ins Rennen schicken“. Beidem würde Maria Schägger gerecht.
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