Sachstandsbericht im Kreisentwicklungsausschuss

MVV-Beitritt und Mobilitätskonzept: So geht’s weiter mit dem Verkehr im Landkreis Miesbach

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Ein Ticket für alles: Das könnte der MVV-Beitritt für den ÖPNV im Landkreis Miesbach bedeuten.
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Die Verkehrswende im Landkreis Miesbach kommt voran. Einen Überblick über die zentralen Projekte gab‘s nun im Kreisentwicklungsausschuss: MVV-Beitritt, Mobilitätskonzept & Co.

Landkreis – So sehr man auch aufs Gas drückt: Bei manchen Verkehrsprojekten dauert es einfach, bis die Verbesserungen auf Schiene und Straße ankommen. Fortschritte sind zunächst meist nur auf dem Papier zu erkennen. Dass in Sachen Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) im Landkreis Miesbach dennoch einiges in Bewegung ist, darüber informierten nun Andrea Ladewig, Joana Heuberger und Florian Kausch aus der Stabsstelle Mobilitätsentwicklung am Landratsamt im Kreisentwicklungsausschuss.

MVV-Beitritt

Eine Karte für alles: Was sich schon beim 9-Euro-Ticket bestens bewährt hat, verspricht sich Landrat Olaf von Löwis (CSU) auch vom MVV-Beitritt des Landkreises Miesbach, der Ende 2023 erfolgen könnte. Mittlerweile ist das Projekt in Phase drei angekommen, berichtete Kausch. Die Arbeitsgruppe Tarif sei gerade mit der Kalkulation der Fahrkartenpreise beschäftigt, die Arbeitsgruppe Gästekarte kläre, wie sich dieses Modell in der künftigen Tarifstruktur abbilden lässt. „Das ist Neuland für den MVV“, erklärte Kausch. Anders die Seniorenkarte, die der Isarcard 65 ähnle. Haushams Bürgermeister Jens Zangenfeind (FWG) wünschte sich bei der Verlängerung des Angebots ein zeitlich einheitliches Vorgehen bei allen Kommunen. „Die Seniorenkarten sind ein voller Erfolg.“ Kausch teilte diese Einschätzung und stellte in Aussicht, dass die Kalkulation bis Februar 2023 feststehen soll. Dann sollen auch alle anderen Kosten im Zusammenhang mit dem MVV-Beitritt auf dem Tisch liegen, damit der Kreistag am 23. Februar die finale Entscheidung treffen kann.

Bereits in der Umsetzung befindet sich die Digitalisierung der Fahrgastinformationssysteme an zentralen Haltestellen im Tegernseer Tal. Bis Ende des Jahres sollen laut Kausch die ersten Anzeigetafeln aufgestellt werden. Sie sollen in Echtzeit über Abfahrtszeiten, Anschlüsse und Ausfälle etwa wegen Baustellen informieren – dank Sprachausgabe auf Knopfdruck auch barrierefrei. Die Anschaffung wird mit 80 Prozent der Kosten bezuschusst – über ein Förderprojekt mit dem MVV.

Mobilitätskonzept

Nicht nur auf den ÖPNV beschränkt soll derweil das Mobilitätskonzept sein, dessen Erstellung die Kreisgremien im Sommer dieses Jahres beschlossen haben (wir berichteten). Vielmehr soll es Möglichkeiten aufzeigen, wie sich Bus, Bahn und Auto noch besser miteinander verknüpfen lassen, um den Bürgern den Umstieg zu erleichtern. Vorhandene Werke wie die Fortschreibung des Nahverkehrsplans sowie das Strukturgutachten sollen in das Konzept einfließen, erklärte Ladewig. Nach Abschluss der Definition von Zielen und Erfolgskriterien werde man den Förderantrag stellen und Kostenvoranschläge einholen. Die Auftragserteilung solle spätestens Anfang September 2023 erfolgen, die Umsetzung der Maßnahmen ein Jahr später. Auf letzteres komme es an, betonte Löwis. „Es darf hier nicht nur bei Absichtserklärungen bleiben.“

Mobile Zukunft

Einen noch weiteren Blick soll derweil die Mitgliedschaft des Landkreises in der Initiative Mobile Zukunft München (MZM) eröffnen. Ende September habe der Landrat den Kooperationsvertrag zwischen dem Verkehrspakt Großraum München und der durch Industrie und Landeshauptstadt München gebildeten Inzell Initiative unterzeichnet, berichtete Ladewig. Zehn mit einflussreichen Vertretern aus Politik und Wirtschaft besetzte Projektgruppen würden im Rahmen der MZM an der Umsetzung „zukunftsfähiger, grenzüberschreitender Lösungen für nachhaltige Mobilität im Großraum München“ arbeiten. Der Landkreis Miesbach sei vor allem bei den Themen „radiale und tangentiale Angebotsverbesserung in der Region“ sowie „Coworking-Hubs und Park & Ride“ engagiert. Darüber hinaus profitiere man vom Wissen und Netzwerk der anderen Mitglieder und könne auch eigene Projekte einbringen sowie professionelle Unterstützung dafür erhalten.

Ob MVV-Beitritt, Mobilitätskonzept oder MZM: Josef Bogner (FW) wollte wissen, ob und inwiefern die aktuellen Krisen und ihre preissteigernde Wirkung in die jeweiligen Kostenkalkulationen einbezogen werden. „Wir sind alle keine Hellseher“, sagte Löwis, „aber wir rechnen natürlich laufend hoch.“ Letztlich sei es eine Frage der Priorisierung, gerade in der aktuell sehr angespannten Kreishaushaltslage (wir berichteten). „Aber die Verkehrswende sollte uns schon was wert sein.“ Dass der Landkreis Miesbach etwa als erster Beitrittskandidat des MVV geführt werde, sei eine große Chance. „Und die sollten wir auf keinen Fall ungenutzt liegen lassen.“

sg

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