VonCarl-Christian Eickschließen
Stadtkämmerer Peter Schöfmann hat dem Wolfratshauser Stadtrat die Eckdaten des Haushalts für 2023 präsentiert. Rosige Zeiten werden‘s nicht.
Wolfratshausen – Finanziell betrachtet blickt die Flößerstadt keinen rosigen Zeiten entgegen, doch die bislang düsteren Prognosen bewahrheiten sich mutmaßlich nicht. Das ist die Quintessenz des Haushaltsentwurfs für das Jahr 2023, den Stadtkämmerer Peter Schöfmann in der Weihnachtssitzung des Stadtrats am Dienstagabend präsentierte. Noch ist keine Zahl in Stein gemeißelt, doch positiv stimmt Schöfmann unter anderem die Tatsache, dass der Anteil an der Einkommensteuer, die der Kommune zusteht, „deutlich höher ausfällt“ als erwartet.
Nach düsteren Prognosen: So steht‘s in Wolfratshausen 2023 um die Finanzen
Der Stadtkämmerer ist für seine vorsichtige Vorgehensweise bekannt – und wird vom Rathauschef und den Bürgervertretern deswegen geschätzt. Auf Nachfragen ließ der Stadtkämmerer sich nicht festnageln. Nur so viel: Auch die Gewerbesteuereinnahmen, die corona-bedingt 2021 einbrachen, würden seine „vorsichtige“ Prognose Anfang dieses Jahres voraussichtlich übertreffen. Noch liegt das belastbare Rechnungsergebnis für 2022 nicht vor – mit ein Grund, warum der Stadtrat erst im Februar in einer öffentlichen Sitzung den Etat vertieft diskutieren wird. Schon heute zeichnet sich aber ab, dass darüber „gesprochen werden muss, was finanziell geht und was nicht“, kündigte Bürgermeister Klaus Heilinglechner an. Primär mit Blick auf das Investitionsprogramm.
Lesen Sie auch: So viel kostete die Stadt Wolfratshausen das Surfwellen-Projekt
14 Millionen Euro stehen im Haushaltsentwurf für Baumaßnahmen, allen voran die Generalsanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg. 8,6 Millionen Euro müssen vor diesem Hintergrund aus dem Sparschwein genommen, weitere sechs Millionen Euro als neues Darlehen aufgenommen werden. Doch angesichts gerissener Lieferketten und übervoller Auftragsbücher in vielen Betrieben geht der Rathauschef nicht davon aus, „dass wir die 14 Millionen Euro tatsächlich im nächsten Jahr verbauen“. Das sieht der Kämmerer genauso, vielleicht reiche daher ein Vier-Millionen-Euro-Kredit und ein nicht ganz so tiefer Griff in die Rücklagenkasse. Nicht ausgeschlossen sei aber, so Heilinglechner, dass geplante Baumaßnahmen „gestrichen oder verschoben“ werden müssten.
Schuldenberg wird bis 2026 voraussichtlich deutlich höher
Stand jetzt wird sich der Schuldenstand von derzeit rund fünf Millionen Euro bis zum Jahr 2026 „deutlich“ auf 35 Millionen Euro erhöhen, so Schöfmann. Summa summarum schlägt allein die besagte Schulsanierung und -erweiterung mit 56 Millionen Euro zu Buche. „Das ist alles Planung“, betonte der Herr der Zahlen. Schöfman hat in puncto Schulden die Hoffnung, „dass es am Ende doch nicht so extrem wird“.
Personalausgaben: Mutmaßlich mehr als 10 Millionen Euro
Wie berichtet hatte im Frühjahr die Rechtsaufsicht am Landratsamt den Zeigefinger gehoben und vor einer „verdeckten Überschuldung“ der Flößerstadt gewarnt. Zur Beruhigung der Lage trägt Schöfmanns Information bei, dass die einzelnen Rathaus-Referate heuer ihre Budgets nicht ausreizten, das heißt, kräftig sparten. Auf der anderen Seite müsse der Stadtrat bei seinen Debatten „massive Personalausgaben“ berücksichtigen. Heuer sind’s rund 9,2 Millionen Euro – 2023 wird wohl die Zehn-Millionen-Euro-Marke geknackt. Aufgrund der galoppierenden Inflation „müssen wir mit deutlichen Lohnsteigerungen rechnen“, erklärte Schöfmann. Zumal man sich von den Personalausgaben, die heuer anfielen, nicht täuschen lassen dürfe. Noch immer gebe es im Rathaus offene Stellen, die zeitnah besetzt werden sollen.
Zwei gute Nachrichten zum Schluss: Die Energiekostenrechnung werde niedriger ausfallen als befürchtet, die Schlüsselzuweisung dagegen mit gut 1,1 Millionen Euro doppelt so hoch ausfallen wie prognostiziert. (cce)
Unser Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.
