VonFranziska Konradschließen
In einem offenen Brief an den Bürgermeister baten Künstler um mehr Unterstützung für die Kulturbühne Hinterhalt. Seitdem ist ein Monat vergangen. Hat das Schreiben etwas bewirkt?
Geretsried/Gelting – Ein Hilferuf mehrerer Künstler in Form eines offenen Briefs an Bürgermeister Michael Müller rückte die Kulturbühne Hinterhalt Ende Mai ins Rampenlicht (wir berichteten). In dem Schreiben baten die Musiker um mehr Unterstützung für den Geltinger Veranstaltungsort. Seitdem ist ein guter Monat vergangen. Hat der Brief überhaupt etwas bewirkt?
Nach offenem Brief an Bürgermeister: Hinterhalt-Betreiberin ins Rathaus eingeladen
Eine Nachfrage unserer Zeitung zeigt: Nach Eingang des Schreibens dauerte es „keinen Tag“, bis Hinterhalt-Betreiberin Assunta Tammelleo eine Reaktion vonseiten der Stadt erreichte. Und zwar in Form einer Einladung zu einem Gespräch mit Rathauschef Müller. Es folgte ein etwa einstündiger Termin zwischen dem Bürgermeister und der Hinterhalt-Wirtin. „Wir sprachen alles einmal durch, und ich habe erzählt, wo bei mir der Schuh drückt“, berichtet Tammelleo.
(Unser Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.)
Im Gegenzug erklärte ihr Müller, dass die Stadt die Kulturbühne als privaten kommerziellen Betrieb „nicht finanziell unterstützen kann“. Letztendlich spricht die Waldramerin von einem Gespräch „ohne konkretes Ergebnis“. Dennoch hofft sie, dass auf dieser Ebene weitere Gespräche stattfinden, „und wir in Kontakt bleiben.“
Mit der Resonanz, die der offene Brief auslöste, ist Tammelleo allerdings „sehr zufrieden“. Das gilt sowohl für die „schnelle Antwort aus dem Rathaus“ als auch für die Künstler, die sich „so engagiert für ihre Bühne einsetzen“.
Die Hoffnung auf eine finanzielle Unterstützung hingegen hat Tammelleo inzwischen aufgegeben. „Das ist ein Fass ohne Boden.“ Ihr alternativer Vorschlag besteht jedoch nach wie vor. „Warum die Stadt zum Beispiel für 20 Tage im Jahr den Hinterhalt nicht anmieten kann, das entzieht sich meiner Kenntnis“, so Tammelleo. In ihren Augen wäre dies „ein normales kaufmännisches Geschäft, welches uns helfen würde“.
Hinterhalt in Gelting: Finanzielle Unterstützung von Seiten der Stadt aufgegeben - „Fass ohne Boden“
Apropos kulturelle Unterstützung: Seit Kurzem gibt es eine städtische Galerie in Geretsried. Tammelleo sieht darin einerseits einen „weiteren wichtigen Aspekt“ für das kulturelle Leben in der Stadt. Andererseits „ist es natürlich interessant, dass für so etwas Geld da zu sein scheint“.
Die Stadtverwaltung lässt die Vorkommnisse nicht unkommentiert: „Der Vergleich zwischen Hinterhalt und der städtischen Galerie hinkt etwas“, erklärt Pressesprecher Thomas Loibl auf Nachfrage unserer Zeitung. Erstere sei von der Stadt dauerhaft angemietet.
„Wir betreiben das als normale Mieter mit allen dazugehörenden Rechten und Pflichten.“ Eine solche Lokalität habe Geretsrieds kulturellem Leben laut Loibl bislang gefehlt. Bei Ausstellungen hatte die Stadt zuvor auf Räumlichkeiten ausweichen müssen, „die dafür eigentlich nicht geeignet waren“, zum Beispiel das Rathausfoyer.
Hilfe für den Hinterhalt: Stadt kann nicht „direkt unter die Arme greifen“
Im Gegensatz dazu sei der Hinterhalt eine privat betriebene Einrichtung. „Das ist etwas völlig anderes.“ Hier könne die Stadt in keiner Form „direkt unter die Arme greifen“. Loibl: „Wir dürfen keine Steuergelder verwenden, um einen wirtschaftlichen Akteur zu unterstützten.“ Dies wäre eine „unerlaubte Wirtschaftsförderung“.
Wir dürfen keine Steuergelder verwenden, um einen wirtschaftlichen Akteur zu unterstützen.
Legal ist laut dem Pressesprecher allerdings die städtische Förderung von Vereinen. In diesem Punkt spielt der Rathausmitarbeiter auf den Kulturverein Isar-Loisach (KIL) an, mit dem der Hinterhalt seit Jahren eng verbunden und dessen Vorsitzende Tammelleo ist. „Den KIL kann die Stadt unterstützten“, sagt Loibl. „Das tun wir auch seit vielen Jahren.“ kof
Aktuelle Nachrichten aus der Region Wolfratshausen/Geretsried lesen Sie hier.
