Kulturbühne steckt in der „Misere“

Mehr Unterstützung für den Hinterhalt: Künstler schreiben offenen Brief an Bürgermeister

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Josef Brustmann, Benjamin Schäfer und Sebastian Horn spielten im April erstmals gemeinsam ein komplettes Konzert - nun kämpfen sie gemeinsam für ihre Bühne in Gelting.
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Sie kämpfen für ihre Bühne in Gelting: In einem offenen Brief machen mehrere Künstler den Geretsrieder Bürgermeister auf die Lage der „in der Existenz bedrohten“ Kulturbühne Hinterhalt aufmerksam.

Gelting – Ein Hilferuf aus Gelting wird in den kommenden Tagen Bürgermeister Michael Müller erreichen. Künstler und Kulturschaffende aus der Region haben einen offenen Brief an den Geretsrieder Rathauschef geschrieben, der unserer Zeitung vorliegt. Darin machen sie auf die Lage der „in der Existenz bedrohten“ Kulturbühne Hinterhalt aufmerksam. Gleichzeitig schlagen die Unterzeichner Ideen vor, wie die Stadt dem Kulturzentrum konkret unter die Arme greifen könnte.

Gelting: Künstler und Kulturschaffende machen auf schwierige Lage der Kulturbühne Hinterhalt aufmerksam

Einer der Initiatoren des Schreibens ist Musiker Benni Schäfer. Seit vielen Jahren tritt der Geretsrieder regelmäßig auf der Kulturbühne in Gelting auf. „Dadurch habe ich mitbekommen, wie schwierig es für den Hinterhalt in letzter Zeit wurde“, berichtet Schäfer unserer Zeitung.

Mit besagtem Brief möchten er und seine Mitstreiter die Stadt Geretsried „zum Ausbau einer Zusammenarbeit“ ermutigen. Abgesehen von dem Geretsrieder haben etwa Künstler Josef Brustmann aus Waldram, Musiker und Filmkomponist Titus Vollmer aus Geretsried, der Münchner Filmkomponist Gerd Baumann, Dr. Sybille Krafft vom Waldramer Badehaus-Verein und der Lenggrieser Sänger Sebastian Horn unterschrieben.

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„Was wir als Künstler und Bürger von Ihnen und (...) der Stadt Geretsried erhoffen, wäre keine große Rettungsaktion, sondern lediglich ein Ausbau der Zusammenarbeit, verbunden mit einer regelmäßigen Unterstützung des Kulturvereins Isar-Loisach (...)“, heißt es in dem Schreiben. Als „naheliegendes Beispiel“ wird etwa die Nutzung des Hinterhalts für von der Stadt veranstaltete Konzerte vorgeschlagen.

Was wir als Künstler von Ihnen und der Stadt Geretsried erhoffen, wäre keine große Rettungsaktion, sondern lediglich ein Ausbau der Zusammenarbeit.

Ausschnitt aus dem offenen Brief an Geretsrieds Bürgermeister Michael Müller

Außerdem weisen die Kulturschaffenden darauf hin, „unnötige Konkurrenz“ zwischen städtischer Planung und Terminen in der Kulturbühne zu vermeiden. Letztendlich hoffen Schäfer und seine Mitstreiter, „dass durch den Brief ein runder Tisch zwischen der Stadt und dem Hinterhalt und dem Kulturverein Isar-Loisach zusammenkommt“.

Brief an Bürgermeister Michael Müller: „Unnötige Konkurrenz“ zwischen Stadt und Hinterhalt vermeiden

Eine zentrale Akteurin hält sich aus der Angelegenheit raus: Hinterhalt-Betreiberin Assunta Tammelleo. „Ich habe das nicht initiiert. Deshalb mische ich mich da nicht ein.“ Die Aktion gehe rein von den Künstler aus. „Mir wurde nur gesagt, dass ein solcher Brief entsteht. Mehr weiß ich nicht.“ Trotzdem gibt Tammelleo zu: Die Kulturbühne steckt derzeit in einer „Misere“.

Assunta Tammelleo, Chefin vom Hinterhalt.

Abgesehen von einer geringfügig Beschäftigten für die Buchhaltung halten ausschließlich Ehrenamtliche den Betrieb am Laufen – 57 Menschen sind es. Darunter vor allem Mitglieder des Kulturvereins Isar-Loisach. Für Tammelleo ist das kein Dauerzustand. „Wir können nur so lange weitermachen, wie wir diese große Basis an freiwilligen Helfern haben.“ Doch gerade bei Ehrenamtlichen könne „immer mal was dazwischenkommen“. Abgesehen davon sollen Tammelleos Mitarbeiter nicht „bis ans Ende ihrer Tage umsonst arbeiten“.

Hinterhalt Gelting: Künstler schreiben offenen Brief an Bürgermeister - „Großartig“

„Großartig“ findet die Hinterhalt-Betreiberin hingegen die Initiative der Künstler. Das Schreiben sei für sie ein Zeichen von „sehr großer Wertschätzung“. Deutlich entspannter in die Zukunft blicken könnte der Hinterhalt durch eine Art Grundsicherung, erklärt sie. „Das muss nicht zwingend eine große Geldsumme sein.“

Genauso hilfreich wären zum Beispiel ein Großmäzen, „oder wenn wir wüssten, wir haben im Jahr 30 feste Belegungstage, etwa durch die Stadt“. Was auch immer durch den Brief letztendlich herauskommt – Assunta Tammelleo ist sich sicher: Bewirken wird das Schreiben auf jeden Fall etwas. „Allein dadurch, dass in der Öffentlichkeit auf unsere schwierige Situation aufmerksam gemacht wird.“

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