VonAndrea Hermannschließen
Ein Donnerwetter musste Nandlstadts 2. Bürgermeister Jens-Uwe Klein über sich ergehen lassen: Rathauschef Jakob Hartl machte seinem Ärger über die Äußerungen Kleins zum Badeverbot im Waldbad Luft.
Nandlstadt – In einem Wutausbruch endete am Donnerstag die Sitzung des Marktrats Nandlstadt. Unter „Wünsche und Anträge“ knöpfte sich Bürgermeister Jakob Hartl seinen Stellvertreter Jens-Uwe Klein vor, der sich im „Nandl-Chat“ auf Facebook zum verhängten Badeverbot im Waldbad geäußert hatte.
Badeverbot
Rückblick: Zum wiederholten Male musste am Montag ein Badeverbot für das Nandlstädter Waldbad verhängt werden. „Die Beprobung des Wassers durch das Gesundheitsamt Freising hat eine massive Keimbelastung ergeben, unter welcher ein weiterer Badebetrieb unverantwortlich gewesen wäre“, führte Jakob Hartl aus. „Dies ist schmerzhaft für Nandlstadt und die ganze Region, aber es war leider nicht zu vermeiden.“
Negative Reaktionen
Negative Reaktionen auf diese Maßnahme ließen nicht lange auf sich warten. Vor allem im „Nandl-Chat“, einer geschlossenen Gruppe auf Facebook, der aktuell 624 Mitglieder angehören, ging es hoch her. Kommentare wie „unfähige Gratler“, „absoluter Witz unserer Gemeinde“ oder „die Auflagen des Landratsamts wurden wieder einmal nicht erfüllt“ habe die Gemeinde über sich ergehen lassen müssen, wie Hartl ausführte.
Unwahrheiten
„Genau in diesem Chat, zwischen all diesen Kommentaren“, so Hartl, habe auch der 2. Bürgermeister einen Beitrag veröffentlicht. Laut Hartl habe Klein geschrieben: „Mir fehlen ebenfalls die Worte. Das Gesundheitsamt Freising hat mir im August 2018 in meiner Funktion als amtierender Bürgermeister von Nandlstadt die Schließung des Waldbads angedroht. Leider hatte ich in meiner Vertretungszeit nur die Möglichkeit, die Beschaffung der notwendigen Unterlagen zu veranlassen. Solange ich nicht amtierender Bürgermeister bin, sind mir auch in diesem Fall die Hände gebunden.“
Diese Äußerungen wollte Hartl nicht unkommentiert lassen – und polterte los: „Der 2. Bürgermeister hat bezüglich der Waldbad-Problematik weder mit dem 1. Bürgermeister, noch mit dem Geschäftsleiter des Marktes Nandlstadt oder auch dem Gesundheitsamt seit der letzten Schließung im vergangenen Sommer in irgendeiner Art und Weise Rücksprache gehalten, geschweige denn sich überhaupt für dieses Thema auch nur ansatzweise interessiert“, wetterte Hartl. „Somit sind Herrn Klein die Hände nicht gebunden, er hat im Gegenteil zu keiner Zeit überhaupt auch nur versucht, seine Hände zu benutzen und versucht nun auch noch, diese Untätigkeit gegenüber der Bevölkerung als eine Art ,Machtlosigkeit‘ darzustellen, ohne welche er die Problematik schon lange gelöst hätte. Dies ist definitiv unwahr“, schimpfte Hartl, und „eine Schädigung Nandlstadts“, die man so nicht unkommentiert stehen lassen könne.
Armutszeugnis
„Unwahr“ sei auch, dass Klein im Rahmen der urlaubsbedingten Vertretung des Bürgermeisters im August 2018 „die Beschaffung notwendiger Unterlagen veranlasst“ habe, so Hartl. „Hierzu ist weder in der Rathausverwaltung etwas bekannt, noch liegen dem Gesundheitsamt entsprechende Unterlagen vor.“ Und weiter wetterte Hartl: „Sich als 2. Bürgermeister in einer Facebook-Gruppe als jemand darzustellen, dem in kommunalpolitischen Themen die Hände gebunden sind, gleicht einem Armutszeugnis.“ Kein Wort der Verteidigung des Marktes, vielmehr Unterstützung der Kommentierenden – „ohne jegliches Hintergrundwissen. Dies ist an Unverfrorenheit, ja gar Unverschämtheit nicht mehr zu überbieten“, polterte Hartl.
Hohe Investitionen
Die Gemeinde Nandlstadt habe in den vergangenen Jahren viel Geld in das Waldbad investiert – in den vergangenen vier Jahren waren es laut Hartl insgesamt rund 410 000 Euro. Allein 2018 hätte man rund 100 000 Euro für die Sanierung der Quellen und die Schaffung eines neuen Brauchwasserbrunnens ausgegeben. Das zeige, dass man in den vergangenen Jahren „alles Vertretbare unternommen“ habe. „Herr Klein hat wie der gesamte Marktgemeinderat sowohl den Haushaltsplänen wie auch den Auftragsvergaben zugestimmt und suggeriert aber in seinem veröffentlichtem Beitrag, dass nichts für das Waldbad getan würde.“
Nicht die erste Aktion
Abschließend betonte der Bürgermeister: „Es war nicht die erste Aktion dieser Art, mit welcher Herr Klein sowohl die Marktverwaltung als auch den Marktgemeinderat ohne ausreichende Informationen in ein schlechtes Licht rückt. Dies werden weder die Verwaltung noch der 1. Bürgermeister weiterhin so hinnehmen.“
Abruptes Ende
Nachdem Hartl seine fünfseitige Stellungnahme vorgetragen hatte, stand er wutentbrannt auf. „Ich muss jetzt gehen“, sagte er in Richtung der Räte. „Zehn Minuten Pause“. Dann hörte man nur noch eine Tür knallen. Was folgte war betretenes Schweigen im Sitzungssaal, ehe sich die Zuhörer verabschiedeten und die Räte auf die nichtöffentliche Sitzung warteten.
