VonDieter Dorbyschließen
Die Stadt Miesbach will den Trachtenverein Parsberg finanziell unterstützen, um drei Wandgemälde im ehemaligen Gasthof Altwirt vor dem Abriss zu retten. Doch die NS-Vergangenheit von zwei dargestellten Männern macht das Vorhaben kompliziert.
„Nicht unproblematisch“. So bewertet Stadtkurator Alexander Langheiter das Wandgemälde „Miesbacher Honoratioren beim Kartenspiel“ im Saal des Parsberger Altwirts. Das Bild ist eines von dreien, die im Zuge des geplanten Abrisses des Gasthofs von der Wand abgetragen werden und bewahrt werden sollen (wir berichteten). Die Stadt Miesbach soll dieses Vorhaben des Parsberger Trachtenvereins D’Rohnbergler finanziell unterstützen. Doch darüber wurde jetzt im Finanzausschuss lange diskutiert. Denn zwei der vier Männer haben offenbar eine NS-Vergangenheit
Eigentlich ist das Vorhaben, die drei aus dem Jahr 1939 stammenden Wandgemälde aus der Hand des Haushamer Kunstmalers Josef Stallhofer (1908-1993) im Saal des Gasthofs zu retten, recht lobenswert. Wenn schon nicht das traditionsreiche Gebäude gerettet werden kann, in dem die heimische Volksmusikgemeinschaft um Sepp Sontheim und Kiem Pauli in ihrer Blütezeit eine Heimat hatte, dann sollten doch zumindest diese Zeitzeugnisse erhalten bleiben.
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Für den Finanzausschuss war alles vorbereitet: Die drei Bilder sollen, wenn sie von der Wand abgenommen worden sind, ins Eigentum des Trachtenvereins übergehen. 10 000 Euro dürften die Arbeiten kosten, die der Verein mit Spendengeldern finanzieren will. Den Rest soll die Stadt zur Hälfte tragen – bis maximal 2500 Euro.
Neue Plätze für die Bilder
Danach bekommen die Gemälde eine neue Heimat: Die „Parsberger Bauernrunde“, die sechs Landwirte von damals am Stammtisch zeigt, soll ins Gasthaus Nägele nach Wörnsmühl, „Der Viergsang musiziert“ ins Trachtenheim und die „Miesbacher Honoratioren beim Kartenspiel“ in die Parsberger Grundschule, die der Stadt gehört.
Doch nun wurde in der Sitzung des Ausschusses bekannt: Zwei der vier Honoratioren – namentlich Braumeister Wiedemann und ein Mann namens Emil Hinterdobler – sollen das Nazi-Regime in der Kreisstadt aktiv unterstützt haben. Was in der Sitzung allerdings erst nach dem Sachvortrag der Verwaltung durch die Wortbeiträge von Markus Seemüller (FWG) und Paul Fertl (SPD) ein Thema wurde.
Klare Worte von Klaus Fertl (SPD)
„Zwei lokale NS-Größen in der Schule platzieren – da sage ich Nein“, stellte Fertl klar. Es sei eine schreckliche Zeit unter den Nazis gewesen. „Es gab Mitläufer und aktive Unterstützer. Und diese beiden waren aktiv. Ich halte es für grundlegend verkehrt, jemanden zu verewigen, der braune Fußstapfen hat. Und dann noch in der Schule – völlig daneben.“ Man könne die beiden unbehafteten Bilder sichern, „aber nicht das mit lokalen Nazi-Größen“.
Andere Ausschussmitglieder beurteilten den Fall nicht so streng. Verena Schlier (CSU) regte an, erst Gespräche mit Schulamt und Denkmalpfleger zu führen. Und Florian Perkmann (SPD) gab zu bedenken, dass besagtes Gemälde Jahrzehnte in der Wirtschaft gehangen sei. „Es geht ja um eine Szene aus jener Zeit.“ Er selbst habe beide nicht als Nazis identifiziert. „Die Frage ist: Wo fängt man an, wo hört man auf?“
Zweite Bürgermeisterin mahnt zur Aufklärung
Zweite Bürgermeisterin Astrid Güldner (Grüne) stellte fest: „Man kann die Geschichte nicht negieren. Wir müssen uns damit und mit den Personen auseinandersetzen.“ Deshalb brauche das Bild auf jeden Fall eine Aufklärungstafel, die über die Hintergründe informiert.
„Man sieht es einem eben nicht sofort an“
Ähnlich sah es ihr Fraktionskollege Manfred Burger. Er selbst sei dagegen, das Bild kaputtzumachen, „aber man muss es erläutern“´. Was auch Güldner wichtig war. Sie regte deshalb den Zusatz im Beschluss an, dass das Bild in der Schule auch wirklich aufgearbeitet wird. Dem schloss sich Schlier an. Das Bild könne zeigen, dass es damals Leute aus der Mitte der Gesellschaft waren, die die Nationalsozialisten unterstützt hatten – „man sieht es einem eben nicht sofort an“. Jedoch solle das Thema nicht aufgebauscht werden, „denn der Erhalt der alten Bilder ist ein höchst anständiges Vorgehen“. Dem stimmte Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) zu.
„Ihr versucht, die Geschichte vom Eis zu bringen“
Was aber Michael Lechner (FWG) nicht durchgehen lassen wollte: „Ihr versucht, die Geschichte vom Eis zu bringen. Es geht um Leute mit NS-Vergangenheit und Geld von der Stadt. Wer sich auskennt, weiß, was die mit ihrer Macht hier angerichtet haben. Das mit einem Textzusatz reinzuwaschen, damit tun wir uns keinen Gefallen.“
Dem widersprach Christian Mittermaier (CSU): „Ich finde gerade, dass es Aufgabe der öffentlichen Hand ist, so etwas zu machen und den geschichtlichen Kontext herzustellen.“ Was wiederum Seemüller irritierte: „Aufarbeitung macht normalerweise die Opfer sichtbar, nicht die Täter.“ Er gebe dem Gremium den guten Rat, „das Thema sehr ernst zu nehmen“.
Seemüllers Vorstoß, die Beschlüsse nach Bildern zu trennen, wurde angenommen, aber nicht umgesetzt. Da der ursprüngliche Beschlussvorschlag der weitergehende war, wurde über ihn zuerst abgestimmt. Er wurde mit 7:3 Stimmen angenommen, aber um den Aufklärungszusatz erweitert. Auch Fertls Ansinnen, den Stadtrat entscheiden zu lassen, konnte sich nicht durchsetzen.
Stadtkurator Langheiter relativiert auf Nachfrage unserer Zeitung: „Es waren Parteimitglieder, aber sie gehörten nicht zur oberen Hierarchie.“
ddy

