Alarmierende Zahlen

Neubau der Boulderhalle in Bad Tölz: Baukosten explodieren

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Neben dem Kletterzentrum auf der Flinthöhe errichtet die Stadt gerade den Rohbau für die Boulderhalle.

Die Stadt Bad Tölz errichtet gerade den Rohbau der Boulderhalle auf der Flinthöhe. Doch die Kosten explodieren.

Bad Tölz – Zum Jahresende 2018 waren Tölzer Bauamt und Ingenieurbüro noch „guter Dinge“, dass die Kostenschätzung für die neue Boulderhalle auf der Flinthöhe mit 1,2 Millionen Euro eingehalten werden kann. Die Stadt errichtet dort neben der Kletterhalle bekanntlich den Rohbau für eine Boulderhalle. Der Trägerverein des Alpenvereins (AV) sorgt für den Innenausbau und pachtet das Gebäude langfristig an. Ein halbes Jahr später musste Stadtbaumeister Hannes Strunz nun im Finanzausschuss alarmierende Zahlen vorlegen.

Aufgrund der guten Konjunktur und der Vollbeschäftigung am Bau explodieren die Kosten förmlich. Zahlreiche Firmen geben bei Ausschreibungen erst gar keine Angebote ab. Strunz nannte mehrere Beispiele. Beim Gewerk Heizung seien elf Firmen für die Ausschreibung eingeladen worden, nur eine antwortete, bei Sanitär gab es gar kein Angebot. Allein bei der Haustechnik würden die Preise etwa 80 000 Euro über der Kostenschätzung liegen. Eklatant sei der Fall auch im Elektrobereich. Zwei von neun Firmen hätten Angebote abgegeben. Der günstigste Anbieter liegt etwa 90 Prozent über den Schätzkosten.

Kopfschüttelnd erklärte Bürgermeister Josef Janker, dass er deshalb in dem Gewerk die Ausschreibung aufgehoben habe. Dasselbe werde auch fürs Gewerk Haustechnik geprüft. Er rechnet damit, dass die Preise später im Jahr wieder nach unten gehen. „Das müssen wir jetzt abwarten.“

Grundsätzlich sagte Janker, selbst Bauunternehmer, dass „solche Steigerungsraten nicht mehr zusammenpassen“. Auch bei Stahl-, Gründungs- und Baumeisterarbeiten sind deutliche Preissteigerungen zu verzeichnen. Insgesamt, so bilanzierte Strunz, steuere man auf Mehrkosten von 360 000 Euro zu. Das sind rund 30 Prozent.

Kostenexplosion: Stadtrat fühlt sich nicht ausreichend informiert

Anton Mayer (CSU) war empört über diese Kostenexplosion und fühlte sich von der Verwaltung nicht ausreichend informiert. Als Privatmann könne er sich auch nicht einfach 30 Prozent Kostensteigerung leisten. Der öffentlichen Hand sei das aber offensichtlich „wurscht“. Er kritisierte auch, dass vorab mit dem Trägerverein eine fixe Pachtsumme ausgehandelt worden sei.

Bürgermeister Janker ließ das nicht gelten. Die Kostenentwicklung sei leider überall zu beobachten. Er nannte als Beispiel den Bau des Eishallendachs in Geretsried. „Denen laufen die Preise auch davon.“ Kämmerer Hermann Forster legte Wert auf die Feststellung, dass die Boulderhalle eine wichtige Einrichtung für die Stadt sei. Natürlich könne man nachverhandeln, doch dann zerreiße es dem Trägerverein seinen Wirtschaftsplan. Es gebe nur die zwei Optionen: Entweder aus dem Projekt aussteigen oder weitermachen und versuchen, neu auszuschreiben sowie eventuell umzuplanen, um die Kosten zu senken.

Franz Mayer (Grüne) unterstützte die Rathausführung. „Die Boulderhalle ist eine Infrastruktureinrichtung. Die wollen wir uns leisten.“ Er wies auch auf die positive Seite der Kostensteigerungen hin. Handwerk bleibe attraktiv. „Das führt dazu, dass wir mehr qualifizierte Handwerker bekommen.“ Peter Wiedemann (FWG) wollte nicht so recht glauben, dass das – nicht genannte – Ingenieurbüro die Kostenplanung richtig im Griff gehabt habe. 90-prozentige Steigerungen könne er sich einfach nicht vorstellen. Beim Osterleiten-Wohnbau habe das Büro ja auch schon vieles nachträglich erklären müssen. Bürgermeister Janker wies die Kritik zurück. „Ich habe 100 Prozent Vertrauen zu dem Büro.“

DAV kann Kosten für Innenausbau noch nicht abschätzen

Schatzmeister Tom Hesslinger und Vorsitzender Peter Naumann vom AV-Trägerverein verfolgten im Zuhörerraum den Sachstandsbericht von Strunz, der ohne Beschlussfassung vorgesehen war. Naumann zeigte sich „beeindruckt von der Diskussion“ und „zog den Hut davor, dass sich die Stadt so bemüht“. Jeder wisse, dass derzeit die Baukosten in die Höhe schnellen. Ursprünglich war beim Innenausbau von rund 350 000 bis 400 000 Euro die Rede. Er könne noch nicht sagen, welche Mehrkosten nun auf den Verein zukämen. Naumann gab sich aber optimistisch. „Wir sind ein gesunder Verein. Wir fallen nicht so leicht um.“ Christoph Schnitzer

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