Erinnerung an NS-Opfer

Das ist der Mann, nach dem die neue Straße im Westen von Weilheim benannt wird

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Hans Adlhoch war ab 1910 katholischer Arbeitersekretär in Weilheim.
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Bald gibt es im Weilheimer Westen eine neue Straße. Sie erinnert an einen Handwerker und Kirchenmann, der einst in Weilheim wirkte und von den Nationalsozialisten in den Tod geschickt wurde.

Weilheim – Einen Bebauungsplan mit dem Namen „Adlhochstraße“ gibt es in Weilheim bereits seit 1987. Er umfasst die bis dato fast freie Wiese zwischen der Straße „Eichtweide“ und dem Pumpenhäuserl an der Ammer (nördlich der Winterstraße). Wie berichtet, wird die dort zugelassene Bebauung aufgrund der Bauwünsche von Grundeigentümern derzeit neu geregelt; Teil davon soll auch eine kleine Tiny-Haus-Siedlung sein. Und in diesem Zuge entsteht in dem Baugebiet nun tatsächlich eine Adlhochstraße. Das hat der Hauptausschuss des Weilheimer Stadtrates in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen.

Mit 27 Jahren kam er als katholischer Arbeitersekretär nach Weilheim

Hans Adlhoch, geboren 1884 in Straubing, hatte bei seinem Vater das Schreinerhandwerk erlernt. Im Alter von 27 Jahren übernahm er als katholischer Arbeitersekretär das neu eingerichtete Arbeitersekretariat und katholische Volksbüro in Weilheim. Im Jahr 1919 kam er als Arbeitersekretär der katholischen Arbeitervereine (heute Katholische Arbeitnehmer-Bewegung, KAB) nach Augsburg. Er wurde Parteisekretär in der Bayerischen Volkspartei (BVP), für die er von 1924 bis 1933 dem Stadtrat von Augsburg angehörte. Als Nachrücker wurde er im Januar 1933 als Reichstagsabgeordneter berufen – und fünf Monate später, Ende Juni, in sogenannte „Schutzhaft“ (zum „Schutz von Volk und Staat“) genommen. Nach einer Erklärung, freiwillig auf sein Stadtratsmandat zu verzichten, wurde er am 4. Juli entlassen und bereits im August erneut eingesperrt. Bis zum März 1935 erfolgten insgesamt fünf Inhaftierungen, erklärt die 1983 gegründete Hans- und Anna-Adlhoch-Stiftung in einem Lebensbild.

Er starb auf dem Todesmarsch von Dachau

1940 wurde Adlhoch zum Militär eingezogen. Nach dem Attentat von Stauffenberg auf Hitler am 20. Juli 1944 folgte eine erneute „Schutzhaft“, aus der Adlhoch im September in das KZ Dachau verlegt wurde. Als die Nationalsozialisten das Lager am 26. April 1945 vor den anrückenden Amerikanern evakuierten, wurde auch Hans Adlhoch – wie 7000 Häftlinge – auf den Todesmarsch von Dachau ins Ötztal geschickt. Dieser endete in Waakirchen. Entkräftet und von den Misshandlungen gezeichnet, wurde Adlhoch nach der Befreiung durch die Amerikaner in ein Lazarett in München gebracht. Dort starb er am 21. Mai 1945. Seine letzte Ruhestätte fand er im Westfriedhof in Augsburg.

In Augsburg erinnern zwei Stolpersteine an die Adlhochs

Zur Erinnerung an Hans und seine Ehefrau Anna Adlhoch wurden in der Peutingerstraße in Augsburg im Mai 2014 zwei „Stolpersteine“ verlegt. In Augsburg trägt zudem eine Grund- und Mittelschule den Namen Hans-Adlhoch-Schule. Der Verein „Hans- und Anna-Adlhoch-Stiftung“ hat sich insbesondere der Arbeitnehmer- und Familienbildung, der Jugendpflege sowie der Förderung der internationalen Verständigung der Arbeitnehmer verschrieben. Seit 2012 vergibt die Stiftung gemeinsam mit KAB, CAJ und Betriebsseelsorge in der Diözese Augsburg regelmäßig den „Hans-Adlhoch-Preis für gelebte Solidarität in der Arbeitswelt“.

Weilheim will mehr Straßen nach Frauen benennen

In Weilheims Hauptausschuss war die Benennung „Adlhochstraße“ unstrittig. Petra Arneth-Mangano (SPD) merkte lediglich an, dass die Stadt erklärtermaßen auch verstärkt Straßen nach Frauen benennen wolle. Man müsse diesbezüglich „vielleicht mal eine Liste machen“.

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