Vize Ingo Presuhn zeigt „grundsätzliches Interesse“ - aber nur an hauptamtlichem Posten

Neuer Bürgermeister für Riegsee: Wird‘s die teure Lösung?

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Begeisterter Sportler: Ingo Presuhn auf dem Dorfplatz in Grafenaschau bei der Siegerehrung zur Aktion „Stadtradeln“.
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Rudolf Kühn macht Schluss, Riegsee braucht 2020 einen neuen Ersten Bürgermeister. Vize Ingo Presuhn gilt als geeignet und zeigt „grundsätzliches Interesse“ – allerdings nur an einem hauptamtlichen Posten. Dieser Status kostet Geld. Der Gemeinderat steht vor einer sehr schwierigen Entscheidung.

Riegsee – Rudolf Kühn hat die Riegseer nie im Unklaren gelassen über seine Zukunftsplanung, sich stets als „Übergangs-Bürgermeister“ bezeichnet. 2020 läuft die Periode ab, für die sich der langjährige Kommunalpolitiker zur Verfügung gestellt hat. Seit langem ist klar: Riegsee braucht einen Nachfolger.

Zweiter Bürgermeister Ingo Presuhn trägt sich seit Jahren mit dem Gedanken an eine Kandidatur. Er könne sich diese „grundsätzlich vorstellen“, sagt der 52-Jährige. Allerdings nur unter einer Voraussetzung: Der Verwaltungsbeamte im gehobenen nichttechnischen Dienst, der im Murnauer Bauamt arbeitet, würde den Posten nur in hauptamtlicher Funktion übernehmen, wie dies bei Franz Höcker (von 1990 bis 2014 Rathaus-Chef) der Fall war. Dieser besaß allerdings einen vom Landratsamt genehmigten Sonderstatus. Einen Teil seiner Bezüge trugen die Mitgliedskommunen der für Riegsee zuständigen Verwaltungsgemeinschaft Seehausen, deren Geschäftsleiter Höcker war. Würde sich Riegsees Gemeinderat wieder fürs hauptamtliche Modell aussprechen, hätte das 1200- Einwohner-Dorf mit den Ortsteilen Riegsee, Aidling und Hagen die Kosten alleine zu schultern. Nachfolger Kühn arbeitet wie Kollegen in vergleichbaren Orten der Region als ehrenamtlicher Erster Bürgermeister.

Riegseer Bürgermeisterwahl: Presuhn hält Job und Amt für nicht zu vereinbaren

Diese Option kommt für Presuhn, der verheiratet ist und zwei erwachsene Kinder (22/24 Jahre alt) hat, nicht in Frage. Er müsste dann mit reduzierter Stundenzahl weiter in der Murnauer Bauverwaltung arbeiten, glaubt aber, dass sich beide Tätigkeiten zeitlich und inhaltlich nicht miteinander vereinbaren lassen. „Da würde es so viele Interessenskonflikte geben“, sagt Presuhn – allein schon, wenn Bürger ihn während seiner Arbeitszeit in Murnau kontaktierten. „Ich halte das Konstrukt für schwierig und für vom Zeitaufwand her nicht machbar.“

Grundsätzlich gilt Presuhn, der aus dem Raum Hannover stammt und schon als Kind ab 1975 Urlaube bei einer Quasi-Oma in Aidling verbrachte, bevor er 1992 nach Riegsee gezogen ist, als geeigneter Mann fürs Bürgermeisteramt. Seit elf Jahren gehört er dem Gemeinderat an, der ihn 2014 zum Vize wählte. Und in Verwaltungsfragen ist Presuhn, der aktuell die Dritte Mannschaft der Fußballer des SV Uffing trainiert und vielseitig begeisterter Sportler ist, absolut firm – er hat’s gelernt. Er sieht für die nächsten Jahre große Aufgaben aufs Dorf zukommen, darunter Campingplatz, Bauhof und Wasserreserve Aidling. Ein hauptamtlicher Bürgermeister, glaubt Presuhn, wäre „gut beschäftigt“. Dieser Status würde die Gemeinde offenbar knapp zweieinhalb mal so viel kosten wie ein Chef im Ehrenamt. Die Bayerische Staatskanzlei listet Besoldungsgruppen (Hauptamt) und Rahmensätze für monatliche Entschädigungen (Ehrenamt) für Bürgermeister in Kommunen unterschiedlicher Größe im Internet auf.

Riegseer Bürgermeister-Status: Gemeinderat hat noch nicht entschieden

Der Gemeinderat hat nichtöffentlich über den künftigen Status gesprochen, sich aber noch nicht festgelegt. Die Entscheidung, die im September, spätestens im Oktober fallen soll, nennt Kühn „äußerst kompliziert“. Zum einen hat sich Presuhn, der durchaus weiß, was er an seiner planbaren 40-Stunden-Woche mit festen Zeiten beim Markt hat, bislang nicht 100-prozentig auf eine Kandidatur festgelegt. Diese Klarheit will Presuhn bis Mitte September schaffen. Zum anderen sieht Kühn das Risiko, dass eine Bürgermeister-Status-Änderung, die wie eine Lex Presuhn auf seinen Vize zugeschnitten wäre, den Posten deutlich attraktiver machen würde für andere, eventuell weniger geeignete Bewerber. „Man muss damit rechnen, dass ein Gegenkandidat kommt“, sagt Kühn, der entsprechende Äußerungen „unterschwellig, nicht konkret“ vernommen hat. Und es bleibt die Frage, ob es Interessierte gibt, die im Ehrenamt die Kühn-Nachfolge antreten wollen. Der Aidlinger wünscht sich deshalb, dass mögliche Bewerber „jetzt aus der Deckung kommen“. Im nächsten Schritt müsste Presuhn Stellung beziehen – und der Gemeinderat entscheiden. Klar ist: Macht das Gremium den Weg frei fürs hauptamtliche Modell, bleiben fortan mögliche Bewerber für einen ehrenamtlichen Posten außen vor.

Kühn erhielt von Räten Signale, dass es „aktuell zu früh ist für diese Entscheidung“. Das kommt Presuhn entgegen: „Etwas Zeit brauche ich wahrscheinlich noch.“

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