„Der Altersunterschied spielt keine Rolle.“

Mit 30 neuer Bürgermeister von Fischbachau: Johannes Lohwasser im Interview

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Der neue Mann an der Spitze: Johannes Lohwasser (30) tritt Anfang Mai sein Amt als Bürgermeister der Gemeinde Fischbachau an.
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Im März hat er seinen 30. Geburtstag gefeiert - und die Bürgermeisterwahl in Fischbachau gewonnen. Im Interview erklärt Johannes Lohwasser, wie er sich auf sein Amt vorbereitet.

Fischbachau – Gleich in mehrfacher Hinsicht ist Johannes Lohwasser in einen neuen Lebensabschnitt gestartet. Im März hat der Elbacher seinen 30. Geburtstag gefeiert – und Anfang kommender Woche zieht er als Bürgermeister ins Fischbachauer Rathaus ein. Die Deutlichkeit seines Wahlsiegs hat selbst die größten Optimisten in den Reihen der Unabhängigen Freien Wähler überrascht: Mit 64,26 Prozent der Stimmen ließ Lohwasser seine beiden Konkurrenten weit hinter sich. Die on vielen für sicher gehaltene Stichwahl war obsolet. Doch kaum ist die Party vorbei, da beginnt für den jungen Bürgermeister schon die Arbeit. Wie er sich auf sein Amt vorbereitet, was er bewegen möchte und wie er sich trotz vieler Termine ein bisschen Freizeit bewahren möchte, erklärt Lohwasser im Interview.

Bürgermeister Johannes Lohwasser... wie klingt das für Sie, Herr Lohwasser?

Johannes Lohwasser: Ich gebe es zu: noch ziemlich ungewohnt. Aber immerhin schon deutlich normaler, als vor ein paar Wochen. Und mit jeder Stunde, die ich im Rathaus verbringe, finde ich mich mehr in meine neue Rolle ein.

Das Probesitzen im Amtszimmer haben Sie also schon hinter sich?

Johannes Lohwasser: (lacht) Eher meine Vorstellungsrunde durchs Haus. Auch wenn ich viele Mitarbeiter schon von früher her kenne, tut es gut, sich vor dem offiziellen Dienstantritt schon mal auszutauschen. Vor allem mit den Amtsleitern, mit denen ich ja eng zusammenarbeiten werde.

... und deren Chef Sie bald sind. Und das, obwohl Sie viel weniger Erfahrung haben. Fürchten Sie, dass das ein Problem für Ihre Autorität werden könnte?

Johannes Lohwasser: Überhaupt nicht. Ich bin von allen sehr freundlich aufgenommen worden. Ich gehe auch nicht davon aus, dass der Altersunterschied hier eine Rolle spielen wird. Ich sehe das ganz pragmatisch: Die Mitarbeiter in der Verwaltung sind die Experten in ihrem jeweiligen Fachgebiet. Ich als Bürgermeister greife auf ihr Wissen zurück, um die richtigen Entscheidungen treffen zu können und den Überblick über das große Ganze zu behalten.

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Wobei Sie bei vielen Entscheidungen auch das Okay des Gemeinderates brauchen. Zuletzt hat sich im Gremium ja durchaus eine Front zwischen Ihren Freien Wählern und der CSU abgezeichnet...

Johannes Lohwasser: Richtige Grabenkämpfe oder eine Lagerbildung kann ich nicht erkennen und möchte ich auch keinesfalls eröffnen. Meine bisherigen Gespräche mit den Fraktionen stimmen mich positiv, dass wir die gute Diskussionskultur im Gemeinderat beibehalten können. Und ich als Bürgermeister muss dabei übrigens nicht immer recht haben. Wichtiger ist mir, alle Meinungen anzuhören und dann gemeinsam die beste Entscheidung für Fischbachau zu treffen.

Eine für Ihr Privatleben wichtige Entscheidung haben Sie bereits mit Ihrer Kandidatur getroffen. Wie wollen Sie Beruf und Freizeit unter einen Hut bekommen?

Johannes Lohwasser: Ich bin ein Mensch, der viel Bewegung braucht. Seit zwei Jahren trete ich regelmäßig bei sogenannten „Spartan Race“-Wettkämpfen an. Das sind Hindernisläufe, wo es schon mal richtig extrem wird – und schlammig oder staubig. Damit man da durchhält, muss man regelmäßig trainieren. Dafür muss ich zukünftig eben noch ein bisschen früher aufstehen.

Und Ihre Doktorarbeit wollen Sie ja auch noch schreiben.

Johannes Lohwasser: Ja. Da kläre ich gerade mit der Uni, wie und in welchem Umfang ich das leisten kann. Eines steht für mich aber fest: Priorität haben immer meine Aufgaben und Termine als Bürgermeister.

Wie voll ist Ihr Terminkalender denn schon? Durch das Coronavirus ist es derzeit ja eher ruhig, oder?

Johannes Lohwasser: In der Tat. Trotz der Unsicherheit, die mit der Krise verbunden ist und uns als Gemeinde auch noch länger beschäftigen wird, versuche ich, die positiven Seiten zu sehen: Es gibt mir die Chance, mich in Ruhe in die Themen einzuarbeiten. Dafür setze ich mich auch regelmäßig mit meinem Vorgänger zusammen.

...der Ihnen ja auch eine Menge an Projekten hinterlassen hat.

Johannes Lohwasser: Stimmt! Die weiter voranzutreiben, steht ganz oben auf meiner Agenda. Stück für Stück werde ich dann natürlich auch eigene Akzente setzen. Aber jetzt gleich mit zehn neuen Projekten zu starten, wäre Irrsinn – und auch absolut überflüssig.

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