Neue Fahrradpolitik der Gemeinde

Gmunder Radlkonzept: So sieht es aus

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Auch am Bahnhof Gmund soll das neue Fahrradkonzept ansetzen.
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Mit Plan und Ziel, aber zugleich offen für neue Entwicklungen geht Gmund die Radverkehrspolitik an. Im Gemeinderat wurde jetzt das angekündigte Radkonzept verabschiedet – inklusive Fahrplan.

Gmund – Am Ende klang Bürgermeister Alfons Besel (FWG) euphorisch: „Wir haben eine große Bewegung angestoßen. Der Funke springt über aufs ganze Tal. Wunderbar, dass das so in Schwung kommt.“ In der Tat: Während Gmund bereits kräftig in die Pedale tritt, um den Radverkehr zu stärken, hecheln andere Gemeinden noch hinterher. Gmund beweist mit dem Agmunda-Arbeitskreis Verkehr eine engagierte Bürgerbeteiligung. Dessen motivierte Arbeit ist Grundlage für das Konzept. Dann ist Gmund seit Juni Probemitglied in der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Kommunen (AGFK) und war treibende Kraft bei der Gründung einer Tal-Gruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC).

Kostenlos parken, diese Zeiten sind bald vorbei

Um dauerhaft als fahrradfreundliche Kommune ausgezeichnet werden zu können, hatte die AGFK der Gemeinde nahegelegt, ein Gesamtkonzept zu erstellen, das die vier Säulen Infrastruktur, Service, Information und Kommunikation umfasst. Besel bezeichnete das Konzept als „Flächennutzungsplan, der die Zielrichtung vorgibt“. Es umfasst 140 Einzelmaßnahmen, die Schritt für Schritt und je nach Haushaltslage angepackt werden sollen. Kleinere Maßnahmen kann der Bürgermeister in Eigenregie veranlassen, ansonsten werde das Programm „wie ein roter Faden“ vermutlich in jeder Ortsplanungs- oder Gemeinderatssitzung Thema sein, kündigte Besel an.

Weil jedem Mitglied am Ratstisch das Konzept schon vorlag, wurde darauf verzichtet, es auch den Zuhörern im Sitzungssaal im Detail vorzustellen. Darunter waren nicht nur AK-Verkehr-Sprecherin Dorit Guttenberg, sondern auch ADFC-Tal-Sprecher Richard Westerberger.

Hier die wichtigsten Punkte des Konzepts, das unterschiedliche Prioritäten vorsieht (hoch, mittel, gering).

Infrastruktur

Hohe Priorität hat die Erstellung einer digitalen Karte für die Radwegeplanung und den Lückenschluss. Bei der Planung des Bahnhofsareals sollen die Belange von Fußgängern und Radlern verstärkt berücksichtigt werden. Das betrifft auch die Schaffung von Fahrradständern sowie Ladesäulen. Beim Wegebau haben die Radwege nach Hausham (in Planung) und Otterfing Vorrang. Dazu kommen etliche Querungshilfen (St. Quirin, Kaltenbrunn), Schutzstreifen, Fahrbahnmarkierungen und Entschärfung von Gefahrenstellen (Rewe, Dudlhofer) sowie die Schließung des „Lückenwegs“ zwischen Dürnbach und Finsterwald. Auch Beschilderungen sollen verbessert werden.

Service

Hohe Priorität haben die Erstellung eines Winterdienstplans für die Radverkehrsinfrastruktur, Automaten für Material wie Flickzeug und Material (bereits in Planung), Radverleihsysteme sowie ein verbessertes Baustellenmanagement.

Info und Werbung

Vorrang hat die Verbesserung der Gemeinde-Homepage. Im Rathaus soll auf einem Info-Bildschirm für die Fahrradfreundlichkeit geworben werden, Bürgermeister und Gemeinderat sollen ihrer Vorbildfunktion nachkommen und vermehrt mit dem Rad zu Veranstaltungen und Sitzungen kommen. An der Vernetzung mit dem ÖPNV und dessen Stärkung wird schon gearbeitet. Touristische Radrouten sollen zertifiziert werden.

Kommunikation

Grundsätzlich solle der Radverkehr sichtbar und populär gemacht werden und sich in den Köpfen verankern. Wichtig ist unter anderem die Zusammenarbeit mit Institutionen wie SMG, ATS, TTT und ADFC. Der Radverkehrsanteil soll in den nächsten fünf bis sieben Jahren um fünf Prozent gesteigert, Pro-Kopf-Ausgaben verbindlich festgelegt werden.

Das Konzept wurde nicht nur einstimmig verabschiedet. In einem nächsten Schritt wurde die Verwaltungs-Angestellte Veronika Simon zur Radverkehrsbeauftragten ernannt. Sie ist Schnittstelle, Motor und Ansprechpartnerin in allen Fragen des Radverkehrs und der Radverkehrsförderung für Verwaltung und Bürger. „Sie ist bereit für diese Aufgabe und auch privat am Thema interessiert“, wusste der Rathauschef.

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