Auf Konfrontationskurs

Wegen Hausfriedensbruchs: Surfclub Neufahrn verklagt privaten SUP-Verleiher

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Private Paddelboard-Verleiher duldet der Surf- und Segelclub (SSC) Neufahrn auf seinem Vereinsgelände nicht.
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Weil er seinen Traum nicht aufgeben will, hat Armin Ammer eine Klage am Hals: Der Neufahrner versucht seit Monaten, eine SUP-Verleihstation an einem See im Landkreis Freising aufzubauen.

Neufahrn – Armin Ammer (42) hat eine Klage am Hals, weil er seinen Traum nicht aufgeben will: Der Neufahrner versucht seit Monaten, eine Verleihstation für Stand-up-Paddelboards (SUP) an einem See im Landkreis Freising aufzubauen. Am Pullinger Weiher ist er bereits gescheitert. Nun hat ihn der Surf- und Segelclub (SSC) Neufahrn wegen Hausfriedensbruchs verklagt.

Die Strafe von 500 Euro will Ammer aber nicht zahlen. Er wettert gegen den Verein: „Ich verstehe nicht, warum man da jetzt so auf Konfrontation geht. Man hätte es doch miteinander machen können“, sagt Ammer. Jetzt kommt es wohl zum Prozess vor dem Amtsgericht Freising.

Hintergrund: Das Gelände des SSC Neufahrn liegt am Ufer des Neufahrner Sportsees. Dort weist ein Schild darauf hin: „Der Aufenthalt auf dem Vereinsgelände ist nur Mitgliedern gestattet“, sagt Vereinsvorsitzender Kolja Rösch. Wer das ignoriert, muss 500 Euro Strafe zahlen. Armin und Doris Ammer hätten das Nutzungsverbot im vergangenen Juli ignoniert – sie habe den SUP-Kurs mit 18 Teilnehmern von 13 bis 16.30 Uhr geleitet, er habe am Ufer auf den gemeinsamen Sohn aufgepasst, sagt Rösch. „Wir haben sie mehrmals darauf hingewiesen, aber sie haben sich geweigert, das Gelände zu verlassen.“

Finanzberater und SUP-Verleiher Armin Ammer wehrt sich gegen die Vorwürfe: „Mir war gar nicht klar, wie weit das Vereinsgelände geht, da ich bis heute keine aussagekräftige Antwort darüber bekommen habe.“ Er ergänzt: „Um den See zu benutzen, brauche ich keine Genehmigung.“ Damit habe Ammer Recht, sagt der SSC-Vorsitzende, denn der See gehöre der Gemeinde Neufahrn, aber: „Das Vereinsgelände haben wir gepachtet, wir müssen den Rasen und die Toiletten im Clubhaus in Schuss halten und unsere Mitglieder zahlen Beiträge für die Nutzung des Geländes.“

Ammers Aussage, er habe nicht gewusst, wo das Vereinsgelände beginnt, kritisiert Rösch. „Er lag nur fünf Meter rechts vom Schild

Armin Ammer gibt seinen Traum nicht auf.

, das Nicht-Mitgliedern den Aufenthalt verbietet.“ Außerdem sei der SUP-Verleiher im vergangenen Jahr noch SSC-Mitglied gewesen: „Von daher wusste er, wo das Vereinsgelände verläuft.“ Ammer geht es ums Prinzip: „Warum darf dort niemand anderer SUP-Boards verleihen und Kurse geben?“

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Er spielt auf Gerhard Leitmeier an, den Gründer der SUP-Verleihstation „Paddelspass“. Leitmeier gibt am Neufahrner Sportsee Stehpaddel-Kurse – ganz legal. Denn Leitmeier sei im Gegensatz zu Ammer SSC-Vereinsmitglied, sagt Rösch: „Die Kurse sind Kurse des Vereins. Wir stellen die Anlagen zur Verfügung und zahlen Leitmeier für die Dienstleistung“, sagt Rösch. Auch bei Ammer hätte er sich eine gütliche Einigung vorstellen können: „Er hätte ja vorher mal fragen können, ob er das Vereinsgelände nutzen darf. Er müsste halt was dafür zahlen.“ Doch für eine gütliche Einigung zwischen den beiden Parteien ist es zu spät. Ammer weigerte sich, die 500 Euro Strafe zu zahlen und unterschrieb auch die vom SSC angebotene Unterlassungserklärung nicht. Darin sollte Ammer versichern, dass er es in Zukunft unterlässt, das Vereinsgelände zu nutzen. Rösch sagt: „Wir hatten diversen E-Mail-Verkehr, aber er hat gesagt, er unterschreibt nicht.“ Ammer will sich die Klage wegen Hausfriedensbruchs nicht gefallen lassen. „Wir werden dagegen eine Klageerwiderung einlegen“, ein Schreiben ans Gericht mit Gegenargumenten.

Ammer kritisiert vor allem den Paddelspass-Unternehmer: „In der Klageschrift steht, dass Herr Leitmeier uns beim 1. Vorstand, Kolja Rösch, gemeldet hat. Seine Kooperation mit dem Verein stellt eine gewerbliche Tätigkeit dar, was man auf seiner Webseite auch sieht.“ Auf der Paddelspass-Seite werbe er nämlich für die SSC-Kurse. Leitmeier hingegen sagt: „Damit ich für den Verein Kurse machen darf, zahle ich Miete für die Toiletten.“ Ammer hingegen gehe „einfach irgendwohin und will seine Boards verleihen“. Er habe mit seinem Verhalten das Hausrecht des SSC verletzt. „Das ist, als ob jemand zu Ihnen in den Garten geht und einfach eine Grillparty veranstaltet.“

Bereits im Sommer hatte Armin Ammer darum gekämpft, am Pullinger Weiher eine Paddelboard-Verleihstation aufzubauen. Doch die Stadt Freising und der Münchner Erholungsflächenverein, dem der See gehört, erteilten keine Genehmigung für das Vorhaben: „Gewerbliche Leistungen“ seien dort verboten.

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