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Historiker Nico Pietschmann stellt im Stadtarchiv seine Monografie über die Wolfratshauser Grafen im Stadtarchiv vor - dabei liegt ihm vor allem die Aufwertung jener Adligen am Herzen.
Wolfratshausen – Bereits im April hielt der Historiker Nico Pietschmann im Gemeindesaal St. Michael einen Vortrag zum Wirken der Adeligen, die im 12. Jahrhundert auf der einstigen Wolfratshauser Burg lebten. „Damals entwickelte sich eine lebhafte Diskussion zur Auslegung der lateinisch verfassten Quellen“, erinnert sich Torsten Sjöberg. Nun lud der Vorsitzende des Burgvereins zur Präsentation der soeben erschienenen Monografie „Die Grafen von Wolfratshausen. Burgbau, Grafschaftsverwaltung und Adelspolitik im 12. Jahrhundert“ ins Stadtarchiv ein.
Neben dem Autor Pietschmann berichtete Herausgeber Benno C. Gantner, Leiter des Arbeitskreises Ortsgeschichtsforschung Landkreis Starnberg, über die Entstehungsgeschichte des Werkes. „Die Übersetzung der mittellateinischen Quellen war eine große Herausforderung“, gestand Pietschmann. Acht Monate benötigte er nach eigenen Angaben, um seine 2016 abgeschlossene Masterarbeit zum Wirken der Wolfratshauser Grafen „zwischen zwei Buchdeckel zu pressen“.
Der 35-Jährige engagierte sich vor seinem Studium acht Jahre lang als ambulanter Pfleger und arbeitet mittlerweile hauptberuflich als Lehrer für Deutsch als Fremdsprache in Integrationskursen in München, Starnberg und Wolfratshausen. In seiner im Apelles-Verlag erschienenen Abhandlung geht es ihm vor allem um eine historische Aufwertung der Wolfratshauser Grafen, die von der Forschung lange Zeit als Nebenlinie der bekannteren Dießener und Andechser Grafen unterschätzt wurden. Dabei stehen Otto III., Otto IV. und Heinrich II. laut Pietschmann „zu Unrecht im Schatten“. Denn ihr Machteinfluss und Landbesitz reichte weit über die Grenzen des sogenannten Hachinger Komitats bis ins mittlere Inntal und Niederösterreich hinein. Erst als sich Heinrich II. mit Kaiser Friedrich Barbarossa anlegte, war der Niedergang der Wolfratshauser Linie besiegelt.
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Pietschmann dankte dem Burgverein für die Unterstützung bei seinen Recherchen: „Wenn es diesen Verein nicht geben würde, wäre die Kulturgeschichte Wolfratshausens um einen erheblichen Beitrag ärmer.“ Nach seiner kurzen Präsentation signierte der Autor sein für 15,50 Euro erhältliches Werk.
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