Nordspangengegner verweisen aufs Nadelöhr Moraltverteiler

Umgehungsstraße allein hilft gar nichts

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Schon Geschichte: Peter Ring (li.) und Robert Paintinger (Mi.) von den Nordspangengegnern etwa um 2002 im Gespräch mit Bürgermeister Josef Niedermaier.

Zwei Wochen noch, dann ist abzuschätzen, ob und inwieweit der Zeitplan für den Bau der Tölzer Nordumgehung verzögert wird. Die Klagefrist endet mit dem Mittwoch, 4. Dezember.

Bad Tölz – Bisher, so teilen Bauamt Weilheim und Regierung von Oberbayern mit, liegen noch keine Klagen vor. Letztere könnten allerdings direkt ans Bayerische Verwaltungsgericht gestellt worden sein. Die Gemeinde Greiling hatte vor einigen Tagen angekündigt, vorsorglich Klage zu erheben.

Und was machen die Tölzer Nordspangengegner? Der Verein wurde bereits im Jahr 2000 gegründet und kämpft am längsten gegen das Vorhaben. „Wir waren aber immer gegen die Trasse und nicht gegen die Umgehung“, stellt Vorsitzender Peter Ring klar. Dass die Verkehrssituation unhaltbar sei, steht auch für ihn fest.

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Die Nordspangengegner hatten sich schon vor einigen Jahren aus der öffentlichen Diskussion zurückgezogen. Mit gutem Grund, sagt Ring. Es habe keinen Sinn, Aktionen zu starten, wenn dann keine Wirkung erfolge. Das sei „reine Spiegelfechterei.“ Überdies ist Ring überzeugt, dass die Medien mit ihrer Berichterstattung über die Positionen eher kontraproduktiv gewirkt hätten. Die Trassenplaner hätten so immer alle Einwände gekannt und auf sie unmittelbar reagieren können. Schon vor Jahren beschloss man deshalb im zu Hochzeiten 70 Mitglieder starken Verein, sich zurückzuhalten, bis der Planfeststellungsbeschluss vorläge. Das tut er seit Mitte Oktober.

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Klagt der Verein nun? Der Verein sei gar nicht klagefähig, stellt Ring klar. Das dürfen nur seine Mitglieder. Die würden vom Verein informiert und beraten. Es liege in der Verantwortung jedes einzelnen, ob er den Rechtsweg beschreite. Jeder Kläger trage dann auch das wirtschaftliche Risiko. Über die Jahre ist der Verein auf rund 30 Mitglieder geschrumpft, berichtet Ring. Er werde auch jetzt nicht sagen, ob es Kläger geben werde oder nicht.

Die Nordumgehung verhindern werde man ohnehin nicht mehr, macht sich Peter Ring keine großen Illusionen. „Aus der Trasse kommen wir nicht mehr raus.“ Aber es gehe schon noch darum, weitere Verbesserungen der Umsetzungsplanung zu erreichen.

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Für entscheidend hält Peter Ring sowieso einen anderen Punkt: „Der Moraltverteiler ist das entscheidende Thema.“ Wenn Staatliches Bauamt Weilheim und Stadt Tölz dort nicht konsequent weiterplanten, werde sich künftig der Verkehr am Nadelöhr Moraltverteiler zurückstauen. Ring fürchtet, dass dann selbst die fertiggestellte Nordumgehung zu Stoßzeiten nur „ein großer Parkplatz“ sein werde. Und er prophezeit: „Je mehr die Priorisierung des Moraltverteiler-Umbaus erhöht wird, desto mehr wird die Akzeptanz der Nordspange erhöht.“

Von Christoph Schnitzer

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