VonElke Robertschließen
Ein Boardinghouse mit 40 Betten hat der Bauausschuss in Schongau-West genehmigt. Das Gremium segnete eine Nutzungsänderung für die Räume über Penny und Fressnapf ab. Erst 2017 war mit Blick auf die Tabledance-Bar in unmittelbarer Nachbarschaft die Planung einer Gaststätte abgelehnt worden.
Schongau – Die beiden Grundstücke mit den Gebäuden Fressnapf und Penny sind verkauft worden. In den Erdgeschossen bleibt die Nutzung unverändert, für die Obergeschosse lag nun aber ein Antrag auf Nutzungsänderung vor. Die Bereiche eines Lagerraums und eines ehemaligen Fitnessstudios sollen umgebaut werden in eine Pension. Zielgruppe für den Beherbergungsbetrieb oder „auf neudeutsch Boardinghouse“, seien Durchreisende, Handwerker, Radfahrer oder Wanderer, erläuterte Bernd Liebermann den Gremiumsmitgliedern im jüngsten Bauausschuss den Sachverhalt. Man geht davon aus, dass Gäste in der Regel zwischen einem und sieben Tagen bleiben, Monteure würden im Schnitt vier Tage pro Woche buchen. Der Bauherr habe da auch Erfahrung. Er führe bereits seit mehreren Jahren einen vergleichbaren Beherbergungsbetrieb in Obergriesbach im Landkreis Aichach-Friedberg. Der neue Besitzer winkt außerdem mit vier Arbeitsplätzen für Zimmerservice und Reinigung.
Ein Kurhotel oder Werksunterkünfte, die Firmenmitarbeiter längerfristig mieten können, sei im Gewerbegebiet nicht möglich, ein Beherbergungsbetrieb hingegen schon, so Liebermann, es gebe eindeutige, von Verwaltungsgerichten aufgestellte Kriterien. Die vorübergehende Unterbringung von Gästen ist erlaubt, aber es darf sich niemand auf Dauer häuslich niederlassen. „Übernachten geht, wohnen nicht“, präzisierte Stadtbaumeister Sebastian Dietrich.
Zimmervermietung wurde schon einmal abgelehnt
Ilona Böse (SPD) erinnerte sich daran, dass der Bauausschuss bereits einmal die Zimmervermietung an dieser Stelle abgelehnt habe. Direkt neben dem Penny befindet sich der Club Salome. Auch Stephan Hild war sich sicher, dass an dieser Stelle schon mal ein Boardinghouse beantragt worden war. „Informationen, warum das damals abgelehnt wurde, gehören eigentlich schon dazu“, kritisierte der UWV-Stadtrat.
Zuletzt sei von einem Restaurantbetrieb gesprochen worden, bestätigte Dietrich. Ein Blick ins Zeitungsarchiv der SN bestätigt: Der Bauausschuss hatte Mitte September 2017 einer Voranfrage für eine Gaststätte über dem Fressnapf die rote Karte gezeigt – letztlich aber unter anderem wegen der zu geringen Anzahl an Stellplätzen abgelehnt. Aber nicht nur. Denn 2017 erinnerte man sich sehrwohl im Detail an die damals fünf Jahre alten Pläne zurück, im Obergeschoss der Tiernahrungskette ein Hotel Garni errichten zu wollen. 2012 erstmals angefragt, wurde es im Herbst 2013 konkret: Acht Appartements mit jeweils 30 bis 40 Quadratmetern sollten gebaut werden. Dem Bauausschuss blieben zu viele Fragen offen, er vertagte eine Entscheidung.
Landratsamt muss Details prüfen
Antragsteller 2017 für die Gaststätte wie auch damals für das Hotel war Konstantin Mavrokefalos, die Verbindung zur angrenzenden Tabledance-Bar wurde von mehreren Stadträten gezogen. Mittlerweile habe jedoch ein Eigentümerwechsel stattgefunden, der Antragsteller habe mit dem Club nichts zu tun. Der Bauausschuss genehmigte die Umnutzung mit der Einschränkung, alten Entscheidungen nicht zu widersprechen. Mit Details beschäftigte sich das Gremium nicht, diese muss das Landratsamt prüfen.
Der Bauausschuss in Schongau hat auch über Mitfahrbänke diskutiert.
