VonThomas Steinhardtschließen
Die mit großen Hoffnungen ins Leben gerufene Wohnbaugesellschaft auf Landkreisebene gerät sehr ins Stocken. Gründe sind die aktuellen Umstände – und die geringe Bereitschaft vieler Kommunen, wirklich tätig zu werden.
Fürstenfeldbruck – „Jeder will ein Trikot haben. Aber keiner will auf den Platz gehen.“ Mit diesem Bild aus der Fußballer-Welt umschreibt Christoph Maier auf Tagblatt-Nachfrage die Zusammenarbeit der Wohnbaugesellschaft mit vielen Städten und Gemeinden im Landkreis. Maier, der auch für die SPD im Kreistag sitzt, ist der Chef der Gesellschaft und man merkt ihm die Enttäuschung drüber an, dass im Moment wenig bis nichts vorangeht. „Die Gesellschaft ist nicht am Ende. Aber sie kämpft schwer.“
Allgemeine Teuerung
Dabei habe sie durchaus einige Projekte entwickelt. Wirklich zur Realisierung kommt derzeit aber nur eines in Fürstenfeldbruck auf zwei Grundstücken des Landkreises. Natürlich liege die Entwicklung auch an der allgemeinen Teuerung und am Zinsmarkt. Zugleich spricht Maier aber auch von einer fehlenden Entschlusskraft mancher Gesellschafter. Denn kurz vorm Schwur passiert meist: Nichts. Oder der fragliche Grund wird doch einem Bauträger überlassen.
Kostenloser Grund
Dabei steht und fällt alles mit der Bereitschaft der Kommunen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Klar war immer: Die Gesellschaft ist darauf angewiesen, kostenlosen Grund zu bekommen. Anders geht es nicht. Gleichzeitig muss eine Kommune bei einem Projekt um die 20 Prozent der Fremdkosten einbringen. Denn die Wohnbaugesellschaft hat zu wenig Eigenkapital, um Kredite zu bekommen. Dafür bekämen die Kommunen bezahlbare Wohnungen für ihre Bürger und Belegungsrechte dafür – so war und ist vereinfacht geschildert die Idee.
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In einer Gemeinde – als Beispiel geschildert – seien die Planungen wirklich weit gediehen gewesen. Soweit, dass man noch vor der Zinswende mit dem Bau hätte beginnen können. Stattdessen seien immer weitere Fragen gekommen und letztlich sei der Unwille deutlich geworden, Kosten zu tragen statt selbst etwas zu verdienen.
Hilfe vom Landkreis
Die Entwicklung wird nun für die Gesellschaft selbst zum Problem. Denn ohne Projekte kann sie sich nicht finanzieren. Der Kreistag hat daher vor Kurzem (in nicht öffentlicher Sitzung) 75 000 Euro zur Verfügung gestellt und auch die Gesellschafter wurden dieser Tage gebeten, ihre Einlage in die Kapitalrücklage zu erhöhen, damit die Gesellschaft wenigstens in ihrem Bemühen weiter machen kann.
Elementare Bedeutung
Maier ist überzeugt, dass die Schaffung bezahlbaren Wohnraums von elementarer Bedeutung ist. Er berichtet von vielen Anfragen, die ihn erreichen. Mehr als die zwölf Wohnungen auf Landkreis-Grund würden im Moment aber nicht gebaut. Gleichzeitig will Maier nicht zu pessimistisch sein. Der Landrat unterstützt das Projekt von Beginn an und mit der Stadt Fürstenfeldbruck ist ein konkretes Projekt greifbar. Auch in einigen weiteren Kommunen gebe es durchaus Interesse an einer Zusammenarbeit. Allerdings sei hier kein Projekt so weit, dass man loslegen könnte. Insgesamt ist Maier – natürlich in Kenntnis der schwierigen finanziellen Lage vieler Kommunen – überzeugt: Es liegt weniger am Können. Eher am Wollen.
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