Sie leitete viele Jahre das Hohenburger Gymnasium. Jetzt plauderte Schwester Andrea Wohlfarter auf Einladung des Kreisbildungswerks über „Gott und die Welt“
Bad Tölz – Sie wurde 1947 in Benediktbeuern geboren, ist auf dem elterlichen „Zist-Hof“ im Bad Heilbrunner Ortsteil Achmühl aufgewachsen und hat die meiste Zeit ihres Lebens im Lenggrieser Ursulinen-Kloster verbracht. Um weder das Loisachtal, noch den Isarwinkel zu vernachlässigen, nennt Schwester Andrea Wohlfarter deshalb diplomatisch den Landkreis Bad Tölz ihre Heimat. Im Anschluss an die Lenggrieser Zeit folgten zwölf Jahre im Mutterkloster in Landshut, 2015 zog die Ordensgemeinschaft um in das Altenheim St. Michael in München. Jetzt war die Ordensfrau auf Einladung des Kreisbildungswerks zu Gast bei der neunten Auflage der Reihe „Reden über Gott und die Welt“ in der Weinstube Schwaighofer.
Wie sehr Schwester Andrea Wohlfarter in ihrer Tätigkeit als Direktorin des Ursulinen-Gymnasiums in Hohenburg geschätzt wurde, zeigte sich am großen Publikums-Interesse – im Zuhörerkreis befanden sich zahlreiche ehemalige Schülerinnen, die sich über das Wiedersehen genauso freuten wie ihre einstige Lehrerin.
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Deren erster Kontakt mit Hohenburg ergab sich aber schon ein Stück weit vor ihrem dortigen Lehr-Amt: Maria Wohlfarter, wie sie damals noch hieß, besuchte hier die Mittelschule und war im zugehörigen Internat untergebracht – „denn die Verkehrsverbindung nach Hause war ungünstig“, wie sie auf die Frage von Kurier-Redakteur und Gesprächs-Partner Christoph Schnitzer antwortete. „Es war seinerzeit eigentlich nicht üblich, dass ein Bauernmädchen in diese Schule ging.“ Bei ihr sei die Entscheidung dazu wohl auch in Verbindung mit ihrer Berufung einhergegangen, welche sie sehr früh verspürte.
Der Übertritt ins Gymnasium führte sie 1967 zu einem erstklassigen Abitur, im selben Jahr trat sie in den Orden ein. Es folgte das Studium in Mathematik und Physik. „Wie passt das zusammen mit dem Glauben?“, wollte Schnitzer wissen. Die Physik sei der beste Gottesbeweis, so Schwester Andrea. „Die großen Gesetzmäßigkeiten im Mikro- und Makrokosmos können nicht von allein entstanden sein.“
1953 hatten die Landshuter Ursulinen Hohenburg gekauft und dann nacheinander den Schulbetrieb erweitert, 1982 übernahm Wohlfarter die Leitung des Gymnasiums. Als Respektsperson und Denkerin mit entschlossener Tatkraft sei sie beurteilt worden, so Schnitzers Recherchen. Und wohl nicht zuletzt deshalb sei sie von der Gemeinde mit der Silbernen Bürgermedaille ausgezeichnet worden. Ob eine reine Mädchenschule wirklich vorteilhaft sei? Diese Schulform habe auch heute noch ihre Befürworter, stellte die Ordensfrau fest, und es sei generell nicht schlecht, „wenn Mädchen das tun dürfen, was sie können.“
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Das Ende der Ursulinen in Hohenburg war lange absehbar: Die Schwestern wurden immer weniger, die Einstellung von immer mehr weltlichen Lehrkräften hätte das Kloster, das sich selbst tragen musste, finanziell nicht geschafft. „Nach langen Beratungen mit dem Gesamtkonvent“, so Schwester Andrea, habe man 1990 die Trägerschaft an die Diözese übergeben, „damit es mit der Schule gut weitergeht“. 2003 seien dann die letzten Schwestern nach Landshut zurückgekehrt – um dort bald vor demselben Problem zu stehen. Über Jahre hinweg habe man erneut abgewogen und sich auch hier zur Übergabe an die Diözese und zum gemeinsamen Umzug ins Altenheim entschlossen.
Und wie wird es mit den Orden und der Kirche weitergehen? Es werde nach neuen Formen des Miteinanders im geistlichen Leben Ausschau gehalten. „Aber so, wie es immer Suchende geben wird, wird es auch immer Ordensleben geben“, glaubt Wohlfarter. „Bei Weltpriestern kann man über den Zölibat diskutieren, für Ordensleute gehört er zum Leben.“ rb