Sonderstadtratssitzung in der Stadthalle

Ortsumfahrung Weilheim: Alles, was Sie wissen müssen - nun wird debattiert

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Mehr als 600 Besucher hörten sich in der Weilheimer Stadthalle am Dienstagabend die Informationen zur Weilheimer Ortsumgehung an.
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Für fünf mögliche Trassen einer „B 2 Ortsumgehung Weilheim“ hat das Staatliche Bauamt am Dienstagabend „Zahlen, Daten und Fakten“ präsentiert.

Weilheim – Aufgrund der Vielfalt der für Weilheim in Frage kommenden Trassenvarianten sei ein Bürgerentscheid oder ein Ratsbegehren zur Umfahrung „juristisch nicht durchführbar“, sagte Bürgermeister Markus Loth (BfW) am Dienstagabend bei der Sondersitzung des Stadtrates zum Thema „Entlastungsstraße“. Gut 600 Bürger waren dazu in die Stadthalle gekommen – und bekamen in der fast anderthalbstündigen Präsentation des Staatlichen Bauamts einen Eindruck von Effekten, Problemen und Kosten der fünf möglichen Trassen.

Rund 600 000 Euro hat das Land Bayern laut Behördenleiter Uwe Fritsch bislang in die Untersuchung „aller sich grundsätzlich aufdrängenden Varianten“ gesteckt. Ziel sei, dass diese Investitionen „nicht umsonst sind“, sprich: dass in rund 15 Jahren eine „Ortsumgehung Weilheim“ entsteht. Die will der Bund bezahlen, seit 2016 steht das Projekt im „Vordringlichen Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplans 2030. Doch keinesfalls baue der Bund eine Umfahrung „gegen den erklärten Willen der hauptbetroffenen Kommune“, betonte Fritsch neuerlich: „Das wird die Kunst sein, da auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.“

Ortsumfahrung Weilheim: Mehrere Themenabende geplant

Noch befindet man sich im Stadium der Voruntersuchungen, was für Fritsch die „allerwichtigste von allen Planungsphasen“ ist: „Da werden die Weichen gestellt, oder das Projekt scheitert aus irgendwelchen Gründen.“ Heuer noch wolle man eine Vorzugsvariante festlegen, dafür sei ein Stadtratsbeschluss gefragt. Aber auch die Bürger sollen „umfassend informiert“ werden. 

Für sie sind im Juni mehrere „Info-Märkte“ geplant, bei denen Planer Rede und Antwort stehen. Darauf folgen mehrere „Themenabende“, zu denen Vertreter der Kommunen, Bürgerinitiativen, Verbände und Politik geladen werden. Im August soll der Informations- und Dialogprozess in einer Ausstellung und einer Broschüre zusammengefasst werden, ehe der Stadtrat im Herbst entscheidet.

Ortsumfahrung Weilheim: Bürgerbefragung geplant

In dessen Entscheidungsfindung soll laut Bürgermeister Loth („so ist es mit den Fraktionsvorsitzenden besprochen“) eine Bürgerbefragung über die Varianten einer Ortsumgehung einfließen. Festgelegt wird die Vorzugstrasse letztlich durch das Staatliche Bauamt, in Abstimmung mit den Verkehrsministerien des Freistaats und des Bundes. Sind die Stadt Weilheim und der Bund für die selbe Vorzugstrasse, so beginnt die nächste Projektphase: der Vorentwurf, in dem eine eingehende technische und finanzielle Prüfung erfolgt; zwei bis drei Jahre sind dafür vorgesehen. Entscheiden sich Stadt und Bund für verschiedene Trassen, wird dem ein weiterer „Dialogprozess“ vorgeschaltet.

Ortsumfahrung Weilheim: Klare Absage an Kurztunnel unter der B2

Fest steht: Ein Kurztunnel unter der B 2, wie ihn eine Gruppe Weilheimer Bauingenieure und die Bürgerinitiative „Heimat 2030“ propagieren, wird keinesfalls die Vorzugstrasse sein. Diese Variante schloss Andreas Lenker, der beim Staatlichen Bauamt als Abteilungsleiter für die „Ortsumgehung Weilheim“ zuständig ist, aus. 

Für einen Kurztunnel wären mehrere lange Portale und über weite Strecken vier oberirdische Fahrspuren nötig, so Lenker, zudem würde für die nötigen Bohrpfähle im Bereich des Rathausplatzes der Abstand zwischen den Gebäuden nicht ausreichen. Und auch, weil die B 2 in der Bauzeit teils komplett gesperrt werden müsste, komme der Kurztunnel nicht in Frage. „Diese Trassen-Idee kann man nicht ernsthaft weiter verfolgen“, sagte auch Fritsch.

Ortsumfahrung Weilheim: Fünf Korridore stehen noch zur Debatte

Für die fünf Korridore, die noch zur Debatte stehen und für die es teilweise Untervarianten gibt, lieferte Lenker eine Fülle von Informationen – die auch auf der Internetseite des Staatlichen Bauamts zu finden sind.

Diese Trassen-Varianten wurden für die Ortsumfahrung Weilheim untersucht, die einzelnen Ergebnisse finden sich in der untenstehenden Grafik.

Die fünf Trassen mit Untervarianten im Überblick:

– Westumgehung lang: vom Gewerbegebiet Trifthof (THW-Gebäude) über die Ammer / unter der Bahnlinie Weilheim-Peißenberg hindurch / Anschluss an Tankenrainer Straße (Kreisel oder höhengleich) / über zweite neue Ammerbrücke nördlich an Unterhausen vorbei / unter Bahnlinie Weilheim-Augsburg hindurch / südlich von Wielenbach Einmündung in bestehende B 2.
– Westumgehung kurz: zunächst wie „Westumgehung lang“ / nach Anschluss Tankenrainer Straße nördlich der Kläranlage über die Ammer / Tunnel im Bereich des Gewerbegebiets bis hinter „Neidhart-Einkaufspark“ / beim Dietlhofer See Einmündung in bestehende B 2.
–Zentrum-Tunnel: Tunnelbeginn südlich des Ortsrandes / in bergmännischer Bauweise unter Krottenkopf-/Römerstraße / Tunnel-Ende bei neuer Berufsschule. Drei verschiedene Varianten: L mit Notausstiegen alle 300 Meter; M Straßentunnel plus Rettungsstollen; N zwei Tunnel jeweils mit Fahr- und Standstreifen.
–Ostumgehung ortsnah: vom Kreisverkehr B 2-Süd am südöstlichen Stadtrand entlang / bei den Schrebergärten am Gögerl vorbei / östlich des Wiesenwegs Anschluss an Deutenhausener Straße (bis dahin zwei Varianten: L mit Tunnel in Deckelbauweise oder M oberirdisch mit Lärmschutzwänden) / über Sportplatz Zotzenmühlweg / zwischen Hardthang und Narbonner Ring entlang / über Skaterplatz / beim Dietlhofer See Einmündung in bestehende B 2.
–Ostumgehung ortsfern: vom Kreisverkehr B 2-Süd Richtung Osten / Tunnel durchs Gögerl (dafür drei Varianten: L 399 Meter langer Tunnel, erst direkt beim Hechenberg beginnend; M dieser kurze Gögerl-Tunnel plus Einhausung direkt beim Kreisel, die Einschnitt kaschiert; N mindestens 1,2 Kilometer langer Tunnel durchs Gögerl, der direkt beim Kreisel beginnt) / bei Stadtwerken Anschluss an Deutenhausener Straße / am Hardthang entlang / über Skaterplatz / beim Dietlhofer See Einmündung in bestehende B 2.

Ortsumfahrung Weilheim: Studie zur Umweltverträglichkeit

Für alle Varianten wurde eine Studie zur Umweltverträglichkeit erstellt, die folgende acht Schutzgüter berücksichtigt: „Mensch“ (Wohnen und Erholen), „Tiere und Pflanzen“, „Boden und Fläche“, „Wasser“, „Luft und Klima“, „Landschaft“, „Kulturelles Erbe“ und „Sachgüter“. 

Dabei sind die Auswirkungen der verschiedenen Trassen sehr unterschiedlich. Die „Flächeninanspruchnahme“ liegt beispielsweise zwischen 5,9 Hektar (Zentrum-Tunnel) und 26,1 Hektar (Westumgehung lang) – wobei laut Lenker jeweils rund ein Drittel dieser Fläche neu versiegelt wird. Von beiden West-Trassen wären FFH-Gebiete betroffen.

Ortsumfahrung Weilheim: Immense Kostenunterschiede

Groß sind auch die Unterschiede bei den Kosten: Die billigste Variante, eine ortsnahe Ost-Umgehung ohne Tunnel, ist mit 37,7 Millionen Euro Investitionskosten (Grunderwerb und Bau) veranschlagt und hätte jährliche Betriebskosten von 60 000 Euro. Der Bau des Zentrum-Tunnels wird auf 317 Millionen Euro geschätzt; jährliche Betriebskosten: 1,28 Millionen.

Ortsumfahrung Weilheim: „Alle fünf Varianten sind realisierbar“

Mehrere Stadträte wollten wissen, ob der Zentrum-Tunnel ob dieser hohen Kosten für den Bund nicht vornherein ausscheide – was die Vertreter des Staatlichen Bauamts verneinten: „Aus unserer Sicht sind alle fünf Varianten realisierbar“, sagte Lenker.

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Behördenleiter Fritsch betonte: „Sicher sind die Kosten einer der ganz wichtigen Belange, aber sie sind kein Ausschlusskriterium.“ Hauptfaktoren für den Bund seien die Verkehrswirksamkeit, die Umweltverträglichkeit und die Kosten. Die Stadt müsse jetzt entscheiden, „was die beste Variante für Weilheim ist“, so Fritsch weiter. Diese gelte es dann zu verfolgen: „Für den Bund tut es zunächst eine machbare Variante, die ihren Zweck erfüllt. Für alles, was darüber hinaus geht, muss man Argumente finden und den Bund überzeugen.“

Die Präsentation

des Staatliche Bauamts kann im Internet heruntergeladen werden: www.stbawm.bayern.de (Rubrik „Straßenbau“/„Projekte“).

Bei der letzten großen Stadtratssitzung zur Ortsumfahrung Weilheim war im vergangenen Jahr intensiv diskutiert worden.

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