Am ehemaligen Barnsteiner-Gelände

Gemeinde lüftet Geheimnis um großes Bauprojekt in der Peitinger Ortsmitte

+
So sieht der Entwurf des Murnauer Architekturbüros Hiesinger aus. Gut erkennbar sind die großen Glasflächen im Giebel, der Einschnitt für die negative Dachgaube sowie die geplante Tiefgaragenzufahrt.
  • schließen

Lange wurde im Peitinger Gemeinderat hinter verschlossenen Türen über die Zukunft des ehemaligen Barnsteiner-Geländes in der Ortsmitte diskutiert und verhandelt. Am Dienstag sind die Pläne des Investors jetzt erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Entstehen soll ein Wohn- und Geschäftshaus.

Peiting – Schon im vergangenen September hatten die Schongauer Nachrichten berichtet, dass ein Investor an dem Grundstück an der Ecke Müller-/Poststraße interessiert sei. Diese Nachricht kam damals durchaus überraschend, denn eigentlich hatte die Marktgemeinde die Hoffnung bereits aufgegeben, dass sich jemand der brachliegenden Fläche in der Ortsmitte annimmt. Weder die Idee der CSU, die 2005 den Standort für ein Ärztehaus propagierte, noch weitere Bemühungen um eine Belebung wie der Vorstoß, dort die Drogerie Rossmann anzusiedeln, waren bekanntlich von Erfolg gekrönt.

Wer hinter den neuen Plänen für ein Wohn- und Geschäftsgebäude steckte, darüber hüllte sich die Verwaltung im September in Schweigen. In der Gemeinderatssitzung am Dienstag lüftete Bürgermeister Michael Asam nun das gut gehütete Geheimnis, mit wem man in den vergangenen Monaten emsig verhandelt hatte. Es ist die Schongauer Baufirma Haseitl, welche in Peiting bereits das große Neubauprojekt auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände am Bahnhof verwirklicht.

Architekten-Wettbewerb durchgeführt

Das ehemalige Barnsteiner-Grundstück in der Ortsmitte wird derzeit als Parkplatz genutzt.

Für das Grundstück in der Ortsmitte hatte Haseitl laut Asam drei Architekturbüros für einen kleinen Wettbewerb ins Boot geholt. Sie sollten jeweils einen Entwurf für das geplante Wohn- und Geschäftshaus präsentieren. Eine Prämisse der Gemeinde war dabei, dass auf dem Grundstück auch in Zukunft öffentliche Parkplätze zur Verfügung stehen müssen. Die Fläche, die in den letzten Jahren als temporärer Parkplatz diente, sei immer gut genutzt, sagte Asam. „Das war uns ganz wichtig.“ In nichtöffentlicher Sitzung Mitte Januar stellten die Architekten ihre Ideen dem Gemeinderat vor – am Ende habe sich das Gremium mehrheitlich für die Variante des Murnauer Architekturbüros Hiesinger entschieden, berichtete der Bürgermeister.

In der Tiefgarage kann eine Stunde kostenlos geparkt werden

Der Entwurf, den Marktbaumeister Fabian Kreitl vorstellte, sieht ein zweistöckiges Gebäude mit steilem Satteldach vor. In der geplanten Tiefgarage, die über die Poststraße erschlossen wird, sollen 22 Stellplätze entstehen, 14 davon für Jedermann nutzbar. Kostenlos seien diese allerdings nur in der ersten Stunde, jede weitere schlage mit 50 Cent zu Buche, sagte Asam. „Das ist sinnvoll, damit sie nicht von Dauerparkern in Beschlag genommen werden.“ Zwölf weitere Parkplätze sollen oberirdisch entstehen.

Im Erdgeschoss sind Räume für eine Arztpraxis eingeplant, in den beiden oberen Etagen sollen bis zu acht Wohnungen entstehen. Wie viele genau hänge von der Nachfrage nach gewerblichen Flächen ab, sagte Asam. „Es gibt einige Anfragen, sodass es noch weniger Wohnungen werden könnten.“ Sofort ins Auge fallen die großen gläsernen Giebel, die den modernen Stil des Hauses betonen. Die dahinter liegenden Wohnungen im obersten Stock verfügen als besonderes Highlight über eine Galerie. Ebenfalls markant: die negative Dachgaube, die eine Art Dachterrasse ermöglicht.

Marktbaumeister kritisiert Entwurf

Für den Marktbaumeister war dies allerdings zu viel des Guten. Aus städtebaulicher Sicht passe die moderne Architektur des Gebäudes nicht ins Dorf geschweige denn ins Zentrum, kritisierte Kreitl. Er habe sich deshalb gegen den Entwurf ausgesprochen.

Weil das Urteil des Marktbaumeisters so negativ ausfiel, sah sich der Bürgermeister eilig bemüßigt, den Eindruck zurechtzurücken. Das Gebäude verfüge über eine gewisse Ausstrahlung und lockere den Platz auf. „Es ist eine Aufwertung und sehr wichtig für die Ortsmitte“, bekräftigte Asam. Er finde den Entwurf „gut und schön“.

Dem pflichtete auch Herbert Salzmann (SPD) bei. Man brauche im Ort keinen „Jodlerstil“, womit er auf den Entwurf eines Garmischer Architekten anspielte. Der hätte schon gepasst, hielt ihm Andreas Barnsteiner (BVP) entgegen. „Wir brauchen ein Gebäude, das man auch in 100 Jahren noch anschauen kann.“ Ob das für den vorgestellten Entwurf gelte, bezweifle er. Zweifel hatten auch andere Räte, doch sie waren in der Minderheit. Gegen acht Stimmen billigte der Gemeinderat den Entwurf.

Auch interessant:

Neuer Brunnen in Böbing sorgt für „erregte“ Diskussionen - wie das Bild deutlich zeigt

Geliebte Puppen-Raritäten von anno dazumal, abgeknuddelte Bären und eine ganz besondere „Ärztin“: Ein Besuch beim „Puppendoktor“ – und eine kleine Zeitreise.

Kommentare